Neustadt
Wie die Stadt jetzt auch bei Mountainbikern punkten will
Im Mai 2016 war es ein echtes Aufregerthema: Zum ersten Mal hatten damals die städtische Umweltabteilung und der Forst zwei illegale Mountainbike-Downhillstrecken im Stadtwald stillgelegt. Betroffen waren Trails auf dem Wolfsberg und dem Bergstein. Solche nicht genehmigten Bauten gibt es seither immer mal wieder im Stadtwald, zum Teil werben sogar kommerzielle Veranstalter dafür. Mountainbiking allerdings bedeutet nicht nur Downhill fahren. Die meisten wollen gemütlich durch den Wald pesen oder zwar sportlich, aber ohne allzu große Herausforderungen. Klar ist, und darin sind sich Neustadt und andere Gemeinden am Haardtrand einig: Weil Mountainbiking ungebrochen populär ist, muss ein Angebot geschaffen werden, damit die Region nicht touristisch hinterherhinkt und illegale Aktionen weniger Chancen haben.
Mountainbikepark Pfälzerwald
In der West- und Südwestpfalz, wozu in diesem speziellen Fall auch die Verbandsgemeinde Lambrecht zählt, wurde vor rund 17 Jahren der Mountainbikepark Pfälzerwald ausgewiesen. Inzwischen gibt es über 20 Touren mit einer Gesamtstreckenlänge von 900 Kilometern. Obwohl die Zielgruppe deutlich größer wird, soll der Park nicht erweitert werden. Der Vorsitzende des gleichnamigen Vereins und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl, Peter Degenhardt, spricht von einem sehr erfolgreichen Kind der Westpfalz, das auch darauf beschränkt bleiben sollte.
Trotzdem im Gespräch
Degenhardt spricht auf Anfrage aber auch von zwei guten Treffen mit der Pfalz-Touristik, genau gesagt mit deren Geschäftsführer Tobias Kauf und dem Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld als Vorsitzendem. Dabei sei auch klargestellt worden, dass der Verein überhaupt nichts dagegen habe, wenn die Haardtrand-Gemeinden etwas Eigenes auf die Beine stellen wollten. Degenhardt machte zudem deutlich, dass auch im Mountainbikepark illegale Downhiller nicht geduldet würden: „Das ist nicht unsere Zielgruppe.“ Bei Landstuhl hätten sich sogenannte Flowtrailer jetzt mit dem Forst auf eine eigene Strecke geeignet. Flowtrail steht für einen Streckentyp beim Mountainbike-Sport.
Wie Neustadt vorgehen will
Etliche Jahre hat die Stadtverwaltung an ihrem Anteil am Besucherlenkungskonzept für das Biosphärenreservat Pfälzerwald gearbeitet. Das Ergebnis liegt dem Biosphärenreservat mittlerweile vor, die zuständige Beigeordnete Waltraud Blarr rechnet damit, dass es noch im Juli eine endgültige Rückmeldung gibt. Wege, die dann nicht mehr als Wanderwege ausgewiesen sind, sollen darauf geprüft werden, ob sie fürs Mountainbiken dienen könnten. Dabei soll es vor allem um Zuwege zu anderen Strecken, wie bei Lambrecht, gehen. Laut Blarr auch deshalb, weil der Haardtrand einen hohen Besucherdruck als beliebtes Wanderziel habe. Gespräche liefen nicht nur mit Lambrecht, sondern auch mit anderen Nachbarn wie Deidesheim und Maikammer.
Geld spielt auch eine Rolle
Wege sind die eine Sache, wer dafür zuständig ist und wer bezahlt die andere. Nach Angaben von Waltraud Blarr will die Neustadter Tourist-Gesellschaft mit dem Verein Pfalzbiker mit Sitz in Landau über eine Trägerschaft sprechen. Möglich sei zudem kein rein Neustadter, sondern eben auch ein regionaler Ansatz. Bei der Finanzierung müssten Zuschussmöglichkeiten geprüft werden.
Die Meinung der Förster
Es sei wichtig, legale Angebote für Mountainbiker zu schaffen, ist Jens Bramenkamp, Revierleiter Hohe Loog, überzeugt. In den vergangenen Jahren sei nicht nur in Neustadt, sondern auch in anderen Gemeinden sehr wenig passiert, weil das Thema sehr komplex sei. Jetzt aber seien alle wieder dran. Der Forst will sich laut Bramenkamp gern beteiligen – sofern er dafür mit dem notwendigen Personal und den finanziellen Ressourcen ausgestattet wird.
Warum das Thema wieder da ist
Anstoß für eine erneute Debatte hat ein CDU-Antrag am Dienstag im Stadtrat gegeben. Bereits vergangene Woche hatte die CDU im Dürkheimer Kreistag einen ähnlichen Antrag gestellt. Das Ziel: der Ausbau des Streckennetzes im Gebiet der Haardt, zusammen mit dem Bezirksverband als Träger des Biosphärenreservats und der Pfalz-Touristik. Zudem sollte zusammen mit den Landesforsten, Naturschutzbehörden, Kommunen und Mountainbikern geprüft werden, ob, und wenn ja wo, Downhill-Kurse naturverträglich angelegt werden könnten.
Nicht nur Zustimmung
Im Stadtrat fand der CDU-Antrag vergangenen Dienstag eine breite Mehrheit. Von der SPD kritisiert wurde jedoch, bereits 2016 eine Initiative im Stadtrat gestartet zu haben. Auf den einstimmigen Beschluss, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, sei aber nie etwas passiert. Beschlossene Anträge dürfe die Verwaltung nicht einfach wegschieben. Drei Nein-Stimmen zum CDU-Antrag richteten sich vor allem gegen Downhill-Strecken im Wald.
