Neustadt „Wichtige Zahlen fehlen noch“
Eine ganze Reihe interessierter Zuhörer hatte am Dienstagabend den Weg zur Sitzung des Innenstadtbeirats gefunden. Sehr zur Freude des Vorsitzenden Norbert Schied (CDU): „Der Bahnübergang Speyerdorfer Straße beschäftigt die Menschen“, zeigte er sich überzeugt. Stadtplaner und Gastreferent Bernhard Adams machte zu Beginn seiner Ausführungen deutlich, dass seine Abteilung und das beauftragte Planungsbüro noch ganz am Anfang stünden. „Wir schlagen die ersten Pflöcke in den Boden und konzentrieren uns zunächst mal darauf, Baurecht zu schaffen“, betonte er. Die Stadt verfügt laut Adams inzwischen über alle „planungsnotwendigen Flächen“, heißt: über diejenigen, die zur Realisierung der sogenannten „Winzinger Spange“ auf jeden Fall benötigt werden. Dass eine neue Verkehrsführung den ungeliebten Bahnübergang in der Speyerdorfer Straße ersetzten soll, ist im Stadtrat unstrittig. Hauptgründe: Die langen Rückstaus, wenn die Schranken geschlossen sind und die gleichzeitige Weiterentwicklung der Neustadter Oststadt. Außerdem, so Adams, sei es gut denkbar, dass die Bahn irgendwann ihre Zugfrequenz zwischen Neustadt und Landau erhöhe. Die Folge: Noch mehr Schließzeiten und noch mehr Stau. Die neue Spange hingegen soll vor allem die Schlachthofstraße entlasten. Dort würden laut Adams bis zu 80 Prozent des „Schleichverkehrs“, der den Bahnübergang Richtung Innenstadt umgehe, wegfallen. 5,6 Millionen Euro soll die neue Lösung – Stand März 2016 – kosten und auf beiden Straßenseiten einen Schutzstreifen für Radfahrer vorhalten. Weil die Bahn zudem die Gleisunterführung in Höhe des Suite-Clubs erneuern muss, soll auch hier ein beidseitiger Radfahrer-Streifen realisiert werden. An der dafür notwendigen Verbreiterung des Tunnels muss sich die Stadt dann finanziell beteiligen. Gedankengänge, die der Innenstadtbeirat grundsätzlich begrüßt, allerdings fehlen ihm Zahlen zu der zu erwartenden Verkehrsentwicklung in der gesamten Oststadt. Das Neubaugebiet im Ortszentrum von Lachen-Speyerdorf etwa, die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, die Erschließung von Sulo- und Ibag-Gelände und vieles mehr dürften nicht nur nach Einschätzung des stellvertretenden Vorsitzenden Andreas Böhringer (SPD) zu einer Zunahme des Verkehrsflusses in Richtung Innenstadt führen. „Wieso müssen wir jetzt eine Zusage machen, wenn noch wichtige Zahlen fehlen und wir den Planern dafür maximal noch acht Wochen mehr Zeit einräumen müssten“, sprach Jochen Kappel (FWG) den meisten Beiratsmitgliedern aus der Seele. Grünen-Vertreter Stefan Rouwen ging sogar noch einen Schritt weiter. Man müsse einmal untersuchen, welche Zeitersparnis die geplante Spange gegenüber dem Weg über den Bahnübergang wirklich bringe. Dem widersprach zumindest SPD-Mann Böhringer: Neustadt kämpfe schon seit über 30 Jahren dafür, dass der Bahnübergang wegkomme. Mit nur zwei Enthaltungen sprach sich der Innenstadtbeirat schließlich für eine erweiterte Planung inklusive den aktuellen Erwartungen zum künftigen Verkehrsaufkommen aus. Prüfen lassen will das Gremium außerdem die geplante Fußgänger-Querung. Die Stadtverwaltung favorisiert eine Steg-Lösung mit Treppen und Aufzügen auf beiden Seiten der Speyerdorfer Straße. Das wäre mit rund 1,8 Millionen Euro die günstigste Variante. Weil der Innenstadtbeirat aber befürchtet, dass Wartung und Reparatur der Aufzüge schnell teuer werden könnten, erscheint ihm auch eine Unterführung attraktiv. In Sachen Sauberkeit in der Innenstadt kündigte Arbeitskreis-Sprecher Paul Erdelt Kontrollen des ESN an: Ein Mitarbeiter werde Mülltonnen, die zu früh an den Straßenrand gestellt würden, jetzt mit einem Scanner erfassen und die Verantwortlichen gezielt ansprechen.