Neustadt Wer so lächelt, dem verzeiht man alles

Mit seiner neuen CD „Pour le plaisir“ in Haßloch: Marcel Adam.
Mit seiner neuen CD »Pour le plaisir« in Haßloch: Marcel Adam.

«Hassloch». Es ist dieses Lächeln, mit dem der lothringische Chansonnier und Liedermacher Marcel Adam seine Zuhörer gewinnt. Auch am Samstag bei seinem Konzert im ausverkauften „Kulturviereck“ in Haßloch war das wieder so. Doch der 68-jährige Charmeur hat auch stimmlich viel zu bieten. Außerdem spielt er einfach gut Gitarre, und auch seine Mitmusiker Christian Conrad und Christian di Fantauzzi („La fine équipe“) sind wirklich spitze.

Vor allem aber hat Adam ganz viele musikalische Facetten. In früheren Jahren stand oft der lothringische Liedermacher im Vordergrund, der alte Lieder seiner Heimat neu belebte oder selbst Lieder im Dialekt schrieb, so an Traditionen anknüpfte, sich zugleich aber auch zu gesellschaftlichen Entwicklungen äußerte. Die Texte waren dabei oft witzig und ironisch. Einige dieser Lieder standen auch am Samstag auf dem Programm. Doch dominierten diesmal eindeutig die Liebeslieder, oft sogar in ausgesprochen melancholischer Form. So etwa bei „Ohne Dich will ich nicht, mit Dir kann ich nicht sein“ der Berliner Band „Element of Crime“, die Adam vor einiger Zeit für sich entdeckt hat und von der er mehrere Songs im Repertoire hat. Er singt sie in seinem ganz eigenen Stil, aber doch so, dass man die Achtung vor dem Original spürt. Das gilt auch, wenn sich Adam Klassiker des französischen Chansons wie „Dans le port d’Amsterdam“ von Jacques Brel oder „Non, je ne regrette rien“ von Edith Piaf vornimmt. Er hat die Stimme, um sich an diese Größen heranwagen zu können. Und er hat mit dem Gitarristen Christian Conrad und dem Akkordeonisten Christian de Fantauzzi, der gelegentlich auch Saxophon spielte, zwei musikalische Begleiter, die diese Chansons so spielen, dass sie wirklich gut sind und nicht der 12000. Abklatsch des Originals. Gut singen können allerdings auch viele andere. Doch da gibt es noch etwas, was Marcel Adam von den meisten unterscheidet. Er ist ein begnadeter Entertainer, ein Mann, der Unterhaltung im besten Sinn bietet und dabei so wirkt, als würde er gar nicht auf der Bühne stehen und hart arbeiten, sondern als wäre er gerade mit ein paar Bekannten dabei, einen netten, entspannten Abend zu verbringen. Dabei wirkt der Musiker vollkommen locker und natürlich, und irgendwie ist er das auch, und Sätze, die er in vielen seiner Konzerte sagt, wirken, als wären sie ihm gerade spontan eingefallen. Zwischendurch ist er manchmal auch wirklich spontan, etwa wenn die Technik Schwierigkeiten macht, wie dies an diesem Abend im „Kulturviereck“ einige Male der Fall war, oder wenn er den Text eines seiner Lieder vergessen hat (!). Dann kokettiert Marcel Adam mit seinem Alter, wie er überhaupt gerne kokettiert, mit dem Publikum flirtet, gerne auch mal frivol-anzüglich wird, aber nie so, dass es wirklich geschmacklos wäre. Dafür sorgt schon sein Lächeln, das eine Vielzahl von Varianten hat: manchmal ironisch, manchmal verschmitzt, spitzbübisch, gewinnend, entschuldigend, aber immer charmant. Damit hat der Franzose vor allem das weibliche Publikum schnell im Sack – und das obwohl er so manchen Macho-Spruch heraushaut. Doch die Frauen lachen darüber, denn ein Mann, der so nett ist, darf das sagen. Und die Männer sind begeistert, dass ein Mann es wagt, das zu sagen, was sie sich nicht mehr trauen. Klar, dass die Frauen dann auch in der Pause Schlange stehen, um sich mit dem Lothringer fotografieren zu lassen, ihn anzuhimmeln und nebenbei seine CDs zu kaufen. Zu den Eigenkompositionen im Programm gehört auch ein Lied in Hochdeutsch, „Letzte Kreuzfahrt“, ein eher ruhiges Stück, dessen Text er selbst noch nicht so richtig verstanden habe, so Adam. Bei den „Klassikern“ wie „’s Onna uff de Bank“ oder „Hans im Schnokeloch“ fiel das Publikum dann gern in den Gesang mit ein, bevor es wie immer bei Adams Konzerten mit Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ zu Ende ging – zumindest, was den offiziellen Teil anbelangte, denn ohne Zugaben kam der Liedermacher natürlich nicht von der Bühne. Das witzig-ironische „Mir han de Gottfried beerdigt“ war nur eine dieser stürmisch erklatschten „Ergänzungen“.

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