Edenkoben
Wer schuftet, wenn wir feiern? Zum Beispiel die Leute, die für uns Open-Air-Konzerte und Stadtfeste organisieren
Wer ein Konzert, ein Wein- oder Volksfest oder eine sonstige Veranstaltung besucht, macht sich in der Regel wenig Gedanken darüber, was sich hinter den Kulissen eines solchen Events abspielt. Der normale Festbesucher will unterhalten werden, alles andere ist für ihn sekundär. Ein Umstand, den Alexander Kurz und Jürgen Roth als „Betroffene“ aus der Veranstaltungsbranche sehr bedauerlich finden.
Jürgen Roth organisiert auf Vereinsbasis das weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannten „Rock am Friedensdenkmal“-Festival in Edenkoben, Kurz ist „Vollversorger“, wie er es gerne beschreibt, und hat 2019 die „Gaumenfreunde Event GmbH“ gegründet, mit der er Feste und Feiern mit Technik, Bühne, Licht und – von der Kulinarik bis zur Security – auch mit allem anderen ausstattet, was für das Gelingen notwendig ist. „Es wäre schön, wenn die Gäste uns manchmal ein wenig mehr Respekt dafür entgegenbringen würden. Wir erwarten gar nicht viel, aber ein ernst gemeintes ,Schön, dass es euch gibt’ würde uns schon sehr freuen“, sagt er, während Roth zustimmend nickt.
„Die Leute sehnen sich nach Entschleunigung“
Der befindet sich bereits mitten in der heißen Phase vor den nächsten Friedensdenkmalkonzert-Tagen am 15. und 16. August, ist aber eigentlich Inhaber einer Heizungsbaufirma und pendelt ständig zwischen Edenkoben und Neuleiningen. Bei Kurz, der zusätzlich auch noch ein Hotel in Edenkoben führt, geht es sowieso immer rund. „Trotzdem geben wir beide immer 100 Prozent, um allen eine schöne Zeit zu bereiten“, sagt Roth, der Kurz erstmals 2019 über den Weg lief. Damals sorgte er mit seinem Verein bei der 1250-Jahr-Feier der Stadt Edenkoben für die Musik mit Auftritten der Bands „Mariuzz“ und „Phil“, während Kurz mit seinen „Gaumenfreunden“ erste Schritte tat und auch die Bühne, Beschallung und Zeltausstattung verantwortete. Seither verbindet beide eine lose Kooperation.
Kurz richtet mittlerweile nicht nur sehr viele Events entlang der Weinstraße aus – vom Sommerfest im Weingut bis zur Weinbergwanderungen. Längst wird er mit seiner Mannschaft, zu der 60 feste Mitarbeiter und eine schier unbegrenzte Anzahl an Hilfskräften zählen, bundesweit gebucht. „Die Leute sehnen sich nach Entschleunigung. Darum ist es mir ein Anliegen, Festzeltbetrieb zu bieten, so wie er früher war“, sagt er. Was er dagegen gar nicht mag, ist, wenn örtliche Veranstalter so spät auf ihn zukommen, dass eine ordentliche Planung gar nicht mehr möglich ist. „Da nehme ich einen Job lieber nicht an, als halbfertige Arbeit abliefern zu müssen“, sagt der nach Perfektion strebende 42-jährige.
Stress und Termindruck gehören zu ihrem Lebens
Außerdem bedauert er im Einklang mit Roth, dass besonders bei Traditionsveranstaltungen häufig ein Besucherrückgang zu verzeichnen ist. Beide sind sich einig, dass hier die mangelnde Bereitschaft zur Fortentwicklung schuld ist. „Ob beim Friedensdenkmal-Festival oder bei von Alex betreuten Events, wir haben uns vorgenommen, die Augen immer offen zu halten und Verbesserungen nicht aus dem Weg zu gehen. Stillstand ist Rückschritt“, sagt Roth.
Kurz und er sind sich sicher, dass ihr Konzept vom freundlichen und innovativem Gastgeber greift. Es gehe, darum, auf Interaktion mit dem Publikum zu bauen: „Als Gast fühle ich mich nur dann wohl, wenn ich mich beim Gastgeber gut aufgehoben fühle“, lautet ihr Credo. Ihre persönlichen Bedürfnisse stellen sie dafür gerade jetzt im Sommer hinten an. Urlaub müssen sie so legen, dass er nicht allzu sehr mit ihrer Arbeit kollidiert. Kurz kann sich immer nur Anfang des Jahres, in der kalten Jahreszeit, wenn draußen nichts los ist, ein paar Tage frei nehmen. Neidisch auf andere Menschen, die hier flexibler sein können, ist er aber nicht. „Wir lieben das was wir machen. Ohne Leidenschaft wird das nix“, fasst Roth zusammen.
Wenn er in seiner Freizeit irgendwo ein Fest besuche, stelle er ganz bewusst keine Vergleiche an, erklärt Kurz. „Höchstens im Unterbewusstsein nehme ich dann vielleicht irgendeine Inspiration mit, die mich zu Hause auf neue Ideen kommen lässt.“ Erholung brauchen die beiden aber tatsächlich gerade im Moment sehr notwendig. Stress und Termindruck gehören zu ihrem Leben, wie sich am Beispiel von Kurz´ aktuellem Arbeitsplan leicht ablesen lässt: Das Mußbacher Eselshautfest mit zwei Wochen Betrieb hat er gerade hinter sich gebracht. Dieser Tage ist seine Mannschaft gerade bei „Das Fest“ in Karlsruhe im Einsatz. Es folgen ein Weinfest im Weingut Egon Schmitt in Bad Dürkheim, ein Hoffest im Weingut Metzger in Grünstadt-Asselheim, dann der „Rock am Friedensdenkmal“, das Stadtfest sowie die Wiedereröffnung der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, die Kerwe in St. Martin, die „Schlosslichtspiele“ in Karlsruhe, das Zwetschgenfest im badischen Bühl und – sicher ein Highlight – das Bürgerfest des Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue in Berlin.
Die größte Weinkiste der Welt, verpackt in Edenkoben
Hier werden die „Gaumenfreunde“ im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz unter anderem mit der weltweit größten Weinkiste vor Ort sein. Dabei handelt es sich um ein mobiles Restaurant in der Optik einer Weinkiste, bestehend aus acht großen Containern. Kurz ist am 11. September bis 2 Uhr nachts noch als Festwirt in Bühl zugegen, fliegt am Morgen des 12. September um 8 Uhr von Frankfurt aus nach Berlin zur Eröffnung des Präsidentenfestes um 15 Uhr, bleibt dort bis 24 Uhr, ist am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder in Frankfurt und fährt von dort aus mit dem Auto zurück nach Bühl, wo er die nächsten drei Nächte wieder bis 24 Uhr auf den Beinen sein muss. Am Montagabend ist das Fest im Badischen dann vorbei, am Dienstagmorgen bis 9 Uhr muss der Platz wieder komplett geräumt sein. Parallel dazu baut das Team am gleichen Tag in Karlsruhe bei den „Schlosslichtspielen“ ab und für die Nutzfahrzeugmesse „Nufam“ auf. Tags darauf beginnt der Abbau in der Bundeshauptstadt.
Die Serie
Jazz zum Cocktail, Filme im Sonnenuntergang, Party auf dem Stadtfest – klingt spaßig, aber vor allem für die Gäste. Damit die Sommerlaune perfekt wird, müssen Kulturschaffende arbeiten. Wie sie mit schunkelnden Schorle-Fans, Pannen und Perfektion ringen und gelungene Erlebnisse zaubern, erzählen sie in unserer Serie. Deren ersten Teil finden Sie hier.