Neustadt Wer ist aufgeregter? Hund oder Mensch?
Der Hundesportverein Leiningerland-Kindenheim (HSVL) nimmt mit zwei Teams in der Hundesportart Obedience an der Weltmeisterschaft in Moskau vom 30. Juni bis 3. Juli teil. Katharina Wurm, Bockenheim, und Birgit Lacher, Deidesheim, stellen damit ein Drittel der sechs deutschen Teilnehmer. Zur WM treten über 80 Teams aus 15 Ländern an. Die RHEINPFALZ sprach mit den beiden Frauen über die Vorbereitungen, das Training und wie der HSVL seine Spitzenleute unterstützt.
Die beiden Hundesportlerinnen qualifizierten sich im April durch gute Platzierungen bei der deutschen Obedience-Meisterschaft des VDH (Verband Deutsches Hundewesen) für die WM. Bürokauffrau Birgit Lacher kam mit ihrer siebenjährigen Border-Collie-Hündin Gwen auf Platz neun, die Verwaltungsfachangestellte Katharina Wurm mit ihrem achtjährigen Spitz Max auf Rang acht. Für die 54-jährige Deidesheimerin Lacher ist es, nach Helsinki (2014) und Turin (letztes Jahr) die dritte Teilnahme bei einer WM, die 28-jährige Bockenheimerin Wurm geht erstmals bei einer WM an den Start. Dritte im Bunde in Russland ist Trainingskollegin Jessica Baughman, Grünstadt, als mentaler Beistand vor Ort. Frau Lacher, Sie haben bereits WM-Erfahrung. Was ist dieses Mal anders als zuvor? Als ich mich das erste Mal vor zwei Jahren für die WM in Finnland qualifizierte, war das sehr aufregend. Vor allem deshalb, da ich noch nie mit meinem Hund im Flugzeug war. Das war Neuland. Auch die Halle als Austragungsort war neu für uns. Das ist eine ganz andere Atmosphäre. Gwen meisterte alles super, so dass wir uns noch fürs Finale qualifizierten. Meine beiden Trainingspartnerinnen, Katharina und Jessica, waren auch dabei, haben mich logistisch und mental unterstützt. Letztes Jahr in Turin war es viel entspannter, da ich wusste, was auf mich zukam, und die Anreise per Auto um vieles einfacher war. Katharina Wurm begleitete mich vergangenes Jahr wieder. Dieses Jahr haben wir nun zum dritten Mal das Ticket zur WM gelöst, wobei Katharina mit Hund Max das zweite Team stellt – und das aus einem Verein. Ich glaube, das ist einmalig und kommt so wahrscheinlich nicht wieder vor. Was erwartet Sie in Moskau? Die WM findet in einem Reitstadion statt. Da wir auf einem sandigen Untergrund sehr selten trainieren, mieten wir jetzt auch ab und an Reithallen an. Wir trainieren drei Tage in der Woche je zwei Stunden. Auch gemeinsam mit gegenseitigen Tipps, da man selbst oft einiges übersieht und sich so Fehler einschleichen können. Was ist das spezifische an Obedience? Es kommt auf das exakte und schnelle Arbeiten des Hundes an. Ganz wichtig ist eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung, der Hund hat vollstes Vertrauen zu seinem Menschen. Border-Collies verfügen über viel „will to please“, sind intelligent und immer arbeitseifrig. Das macht generell viel Freude, mit dieser Rasse zu arbeiten. Frau Wurm, auch Sie haben WM-Erfahrung, als Begleiterin. Wie ist es denn, das erste Mal als Starterin dabei zu sein? Ja, jetzt bin ich selbst Teilnehmerin. Wir stellen zwei Teams aus einem Verein, das ist schon was besonderes. Wir machen ein Drittel der deutschen Teilnehmer aus! So richtig glauben kann ich es immer noch nicht. Wie bereiten Sie sich vor? Der etwa dreistündige Flug nach Moskau mit den Hunden ist logistisch sehr aufwendig. Im Vorfeld muss einiges organisiert werden, wie Visum und ärztliche Untersuchungen der Tiere durch den Amtsveterinär des Landkreises. Auch die Hunde müssen gerüstet sein, vor allem für einen Sandboden. Wer ist aufgeregter, Hund oder Mensch? (lacht) Unsere Hunde sind es gewohnt, lange mit uns unterwegs zu sein. Sie werden den Flug sicherlich gut und stressfrei überstehen. Beruhigungsmittel bekommen sie keine. Geht die WM-Teilnahme gänzlich auf Ihre Kosten? Die Kosten für eine knappe Woche Russland sind sehr hoch. Flug, Visum, Dokumente und erforderliche Untersuchungen sind allein schon teuer. Jedoch werden wir finanziell von dem „Verein für Deutsches Hundewesen“, vom Südwestdeutschen Hundesportverband, unserer Kreisgruppe und unserem Verein unterstützt. Der HSVL veranstaltet am Samstag, 2. Juli, 16 Uhr, extra ein Agility-Turnier. Dieses trägt den Namen „Spitz und Gwen goes Moskau“ und wurde dazu ins Leben gerufen, um uns finanziell zu unterstützen. Damit werden uns die Startgelder größtenteils zur Verfügung gestellt. Termin Hundesportverein Leiningerland, Vereinsgelände Kindenheim, Raiffeisenstraße 56, Samstag, 2. Juli, 16 Uhr, Agility-Turnier „Spitz und Gwen goes Moskau“. | Interview: Gaby Sprengel