Neustadt
Wenn Kinder wie Wölfe heulen: Beobachtungen beim Erzählfest
Der Kindergarten in Lachen-Speyerdorf ist zurzeit noch im „Baustellenbetrieb“. Wenn der Anbau im kommenden Frühjahr fertig gestellt ist, kommen 22 Regelplätze dazu. Dann gibt es drei heilpädagogische und drei integrative Gruppen. Momentan besuchen 47 Kinder die Einrichtung. 37 Kinder haben einen besonderen Förderbedarf, teils sind sie geistig oder körperlich, manchmal auch mehrfach schwer beeinträchtigt.
Leiterin Roswitha Letzel und ihre Stellvertreterin Larissa Natusch haben den Kindergarten trotz der erschwerten Bedingungen unter den aktuellen Bauarbeiten für die Erzählaktion angemeldet. „Wir erleben das als Bereicherung, wenn jemand von außen zu uns kommt“, betont Natusch. Beim Erzählen wird nicht etwa nur „vorgelesen“. Doch zuhören, still sitzen, aufpassen gehört dazu. Letzel: „Die Kinder lieben es, Geschichten zu hören und wiederzugeben. Das Thema Wolf ist für sie besonders spannend.“ Denn starke, sogar gefährliche Tiere und ihre Abenteuer fesseln alle Kinder, egal ob vollkommen gesund oder beeinträchtigt. Die Erzieherinnen haben die Kinder auf das Thema vorbereitet. Und die 61-jährige Erzählerin aus Unna hat Requisiten mitgebracht.
Alle sind gespannt
In der neuen Turnhalle, die teils noch Baustelle ist, versammeln sich die Kinder. Manchmal klingt der Baulärm leise herüber, doch die Kleinen haben ihre Augen auf die Erzählerin gerichtet, und sie werden alle zu kleinen, heulenden Wölfen. Tiggemann spricht nicht nur, sie gestikuliert, modelliert ihre Körpersprache, formt die Geschichte altersgerecht aus. Tiggemann: „Ich habe ein Gerüst, passe mich aber den Reaktionen an.“ Sie ist erleichtert, dass das Erzählfest stattfinden kann. Auch die Kinder haben es vermisst, dass sie keine Theatervorführungen und derartige Projekte erleben durften. Deshalb sind auch alle gebannt und gespannt, was Tiggemann über den Wolf erzählt.
Der „böse“ Wolf hatte es lange schwer in der Welt der Menschen. Bis es Menschen und Tieren gelungen war, eine Brücke zu schlagen und sich einander vertraut zu machen. Tiggemann erzählt lebhaft, baut immer wieder das Geheule ein, das die Kinder perfekt imitieren. Schließlich war es in dieser Geschichte das Mädchen Mafalda, das Mitleid mit den hungernden Wölfen im kalten Winterwald hatte und ihnen eine Würstchensuppe servierte. Daraus entwickelte sich eine Vertrautheit zwischen dem kleinsten Wolf und dem Mädchen.
Für die Kinder war es eine abwechslungsreiche, gelungene Erzählstunde. Jetzt werden sie die mit ihren Erzieherinnen das Gehörte noch mal erzählen, ausschmücken und davon Bilder malen.