Neustadt Wenn Künstliche Intelligenz außer Kontrolle gerät
«NEUSTADT». Das gab’s schon lange nicht mehr: In vier der fünf Neustadter Buchhandlungen war im Mai eine Neuerscheinung Top-Seller: Frank Schätzings Thriller „Die Tyrannei des Schmetterlings“. Daneben lief Martin Walkers neuer Krimi „Revanche“ in zwei Läden erfolgreich. Auch zwei rheinland-pfälzische Autoren schafften den Sprung unter die Top 3: Christian Habekost mit „Gebrauchsanweisung für die Pfalz“ und Wolfgang Schorlau mit dem Krimi „Der große Plan“, den der in Idar-Oberstein geborene, aber schon lange in Stuttgart lebende Autor am 15. Juni auch bei Osiander vorstellen wird.
Ein brisantes Thema, die Gefahren der Künstlichen Intelligenz, greift Schätzing in seinem Thriller mit Science-Fiction-Anklängen auf. Zunächst beginnt alles ganz realistisch. Eine Frau ist in der kalifornischen Sierra Nevada in eine Schlucht gestürzt. War es ein Unfall oder Mord? Die Ermittlungen führen Sheriff Luther Opoku zu dem High-Tech-Konzern Nordvisk nahe des Silicon Valley. Dessen Boss Elmar Nordvisk, ein Computerfreak, hatte den genialen Plan, eine lernfähige Künstliche Intelligenz zu erfinden, die der Menschheit Frieden und Glück bringen sollte. Doch sein Konstrukt, „ein Schmetterling mit schwarzen Flügeln“, gerät außer Kontrolle und wird zum Tyrannen. Bei seinen Recherchen gerät der Sheriff in einen Sog wahnwitziger Begebenheiten und in eine wilde Jagd zwischen Zeit und Raum. Verpackt in diese spektakuläre Thriller-Handlung wirft der 1957 in Köln geborene Autor, der mit seinem Roman „Der Schwarm“ 2005 berühmt wurde, die Frage nach menschlicher Hybris auf und warnt vor naiver Fortschrittsgläubigkeit. Keine Horrorvisionen verbreitet Richard David Precht in seinem neuen Sachbuch „Jäger, Hirten, Kritiker – Eine Utopie für die digitale Gesellschaft“, das in der Buchhandlung Hofmann erfolgreich lief. Während die einen die digitale Zukunft feiern und die anderen vor der Diktatur der Digitalkonzerne aus dem Silicon Valley (siehe oben) warnen, sieht der Philosoph die Entwicklung eher positiv. Das absehbare Ende der Leistungsgesellschaft enthalte für den Menschen die Chance, in Zukunft selbstbestimmter zu leben. Allerdings müssten jetzt die Weichen gestellt werden, um das derzeitige Gesellschaftssystem konsequent zu verändern. Precht, 1964 in Solingen geboren, studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln und wurde 1994 in Germanistik promoviert. Er veröffentlichte zirka ein Dutzend Sachbücher, darunter „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele“ (2007),“ „Liebe - Ein unordentliches Gefühl“ (2010), „Erkenne die Welt“ (2015) und „Erkenne dich selbst“ (2017) und ist durch seine zahlreichen Fernsehauftritte gleichsam das aktuelle Gesicht der Philosophie in Deutschland.