Neustadt Wenn die „Leut’ wie die Mücken kommen“
Das Novum der St. Martiner Kerwe, die Genießermeile, ist gut angenommen worden. Das zeichnete sich schon früh ab. Die Stände waren zum Teil umlagert. Die Betreiber haben sich viel Zeit für Gespräche genommen. Viele Aussteller hoffen auf eine Wiederholung 2017.
Am Obststand von Maria Zech aus Landau machten alle derzeit reifen Obstsorten der Region Appetit. Grüne und blaue Quetschen, die im Süden Ringlo genannten Renecloden, die für dieses Jahr wohl letzten Kirschen und zuckersüße Aprikosen. Maria, die Hilfe von Tochter Petra und Schwägerin Ilona Hahn erhielt, kauft sämtliche Waren nur bei den ihr bekannten Bauern. Großhandel komme für sie nicht in Frage. Nur so könne sie Qualität garantieren. dann „kommen die Leut` wie die Mücken“, weiß sie. Immer mehr Interesse haben die Kunden von Hans-Erwin Bergold aus Wachenheim an Pferdespezialitäten aus eigener Schlachtung. „Die Scheu vor Pferdefleisch kann den Leuten mit sachlicher Aufklärung meist schnell genommen werden“, sagt der Fachmann. Ein kleines Mädchen habe einmal in seinem Laden geweint, weil ein Pferd für das Fleischangebot geschlachtet worden sei. Bergold habe erwidert, dass das Pferd über 25 Jahre alt gewesen sei und ein schönes Leben gehabt habe. Dagegen hätten Masthähnchen eine Lebensdauer nur zwischen 29 und 42 Tagen. Zudem würde Pferdefleisch besonders Diabetes- und Neurodermitiskranken empfohlen, weil es fett- und cholesterinarm sei, aber reich an Vitaminen, Eisen und Omega-3-Fettsäuren. Olivenöle aus Kreta und anderen Ländern hat Wolfgang Berzel aus Speyer angeboten. Er und seine Schwester, die auf Kreta lebt, hätten eigene Olivenhaine, und legten Wert auf die Bodenbeschaffenheit, die Reifung und die beste Erntezeit. Grün geerntete und gepresste Oliven ergäben ein eher scharfes, leicht bitteres Öl. Die reifen Früchte lieferten ein mildes, vollaromatisches Öl. Diese und andere Öle aus Kreta, Ägypten und Marokko wurden verkostet. Delikate Eiskreationen gab es am Wagen der Confiserie Michel aus Neustadt. Die Sorten Dornfelder und Cassis überraschten manchen Kunden aufs Angenehmste. Liebenswerte Gesellen zwinkerten den Flaneuren vom Stand der „Tonvision“ zu. Sie spiegeln Kreativität und Humor ihrer Schöpferin, Keramikmeisterin Gisela Alexander, wider. So die Rebenpieper, eine „Züchtung“ aus Elwetritsche und Spatzen oder die Piepensammler, einer Kreuzung aus Vogel und Sparschwein. Heute startet um 10 Uhr die mehr-stündige Kerwewanderung am Bocksbrunnen. Am Dienstag treffen sich um 14 Uhr Winzer und interessierte Gäste zum Flurbegang am Parkplatz an der Bushaltestelle in der Maikammerer Straße. Um 22 Uhr führt ein Trauerzug vom Ausschank der Jungwinzer zur „Alten Kellerei“, wo die Kerwe beerdigt wird. |stgi