Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn der „Rote Tod“ anklopft: Mandelring Quartett eröffnet Hambacher Musikfest

 „Zu einem einzigen Instrument zusammengelötet“: das Mandelring Quartett mit wechselnden Gast-Musikern.
»Zu einem einzigen Instrument zusammengelötet«: das Mandelring Quartett mit wechselnden Gast-Musikern.

Luftschlösser baut das Mandelring Quartett mit Gästen und originellem Programm bei der Eröffnung des Hambacher Musikfests – von ätherisch bis gruselig.

Wie ein symphonischer Entwurf bündelte der Abend unterschiedliche Temperamente in einem lockeren Zusammenhang zuzüglich Tonartenlogik. Als übergeordneter „Hauptsatz“ lieferte zu Beginn Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 (komponiert im Herbst 1842) den strukturell anspruchsvollsten Beitrag. Die beispiellose Klangkultur des Mandelring Quartetts traf hier in dem Pianisten Oliver Triendl auf einen mehr als adäquaten Partner – eine Koalition von instinktiver Vertrautheit. Vom ersten kadenziellen „Motto“ ausschwärmend, wird das Ensemble auf ein Gleichgewicht geeicht, das Klavier und Streicher zu einem einzigen Instrument zusammenlötet. Triendls samtpfotiger Anschlag ergänzte die feinfühlige Resonanz des Streichquartetts zur schillernden Corona. Die vielen Wendungen dieser Rhetorik wurden so eindeutig identifiziert, dass sich die Bögen in ihren plastischen „Fragen“ und komplexen Auflösungen wie eine Erzählung entfalteten. In dieser ätherischen Stofflichkeit wurden die gröberen Elemente – vom Skalenschauer des Scherzos bis zur Schlussfuge des Finales – quasi „Stein auf Stein“ als pastose Luftschlösser errichtet.

Zu bewundern war nicht nur der beseelte Violinklang. Der Reichtum an Farben breitete sich in die unteren Register aus, etwa im Seitensatz unter Bernhard Schmidts thematischer Führung am Cello, im Adagio mit der prägnanten Basslinie auf der leeren C-Saite von Andreas Willwohls Viola, in der man glaubte, von fern das Klopfen des „Roten Tods“ aus dem nächsten Programmteil vorauszuhören.

Gruseleffekte, bekannt aus der Filmkunst

Es folgte „Le Masque de la Mort rouge“ von André Caplet für Harfe und Streichquartett – komponiert 1908 und hierzulande wohl Caplets bekanntestes Werk. Die Affinität zu Edgar Allen Poe scheint im Zirkel um Caplets Freund Claude Debussy kein Wunder – ja, liest sich wie eine Fortführung jener düsteren Tendenzen, die der Symbolist Debussy in seinem Opernschaffen verwirklicht hat. Gewisse Gruseleffekte sind dem heutigen Ohr aus dem Kino – bekannt, angefangen beim „Hammer-Film“-Tritonus und jenen scharfen Registern, die einen Bernhard Hermann inspiriert haben müssen. Der Harfenist Sivan Magen stiftete seinen Solopart als vielseitiges Konzentrat – im Zentrum der Bühne effektiv platziert, so dass man direkt in den Griff seiner Finger schaute. Die Partitur ist aus dem Schwung der Harfengesten entwickelt. Dass ein solch „modernes“ Stück im Festival seinen Platz fand, darf lobend hervorgehoben werden. Dass es beim Publikum so gut funktionierte, war auch der meisterhaften Charakterisierung durch das Ensemble zu verdanken, in einer selten gehörten Palette vom sul ponticello des Streichquartetts bis zu jenen diffizilen Kombinationen aus Glissando und Flageolett-Tönen in der Harfe.

Der Teil nach der Pause brachte leichtere Kost. In einer Bearbeitung des Komponisten Paul Angerer erklangen vier „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, für Altposaune und Streichquintett. Zum Mandelring Quartett stieß der Kontrabassist Jens Veeser, und an der Posaune glänzte weich und volltönend der gebürtige Neustadter Henning Wiegräbe. Über dem dicht verschlungenen Gewebe regierte der Solopart eine Mezzosopran-Lage, die auch gut zu einem Flügelhorn gepasst hätte – in diesem ausufernden „Gesang“ ebenso virtuos wie elegisch.

Kompakt wie ein Taschenmesser

Den „Kehraus“ bildete Johann Nepomuk Hummels „Septett Militaire“ C-Dur op. 114 mit Pirmin Grehl (Flöte), Laura Ruiz Ferreres (Klarinette), Jörge Becker (Trompete), noch einmal Oliver Triendl und einem ungewöhnlichen Streichtrio aus Nanette und Bernhard Schmidt sowie Jens Veeser. Alle Beteiligten (weniger der Kontrabass) erhalten hier abwechselnd das „Rampenlicht“. Die Trompetenstimme hat Hummel zwar nicht für die Klappentrompete seines bekannten Solokonzerts konzipiert, sondern für ein Naturinstrument, dennoch gelang es Jörge Becker, die drei-vier verschiedenen Tonhöhen seiner Fanfaren effektiv in das Gemenge einzuführen. Während die Leichtigkeit von Triendls quirligen Einschüben beeindruckte, paarten sich die Holzbläser zu Akkordkronen, die wiederum die Instrumentationskunst der Mozartschen Symphonien beschworen – ein „Orchester“, kompakt wie ein Schweizer Offiziersmesser. Das feurige Spektakel endete mit langem Applaus für einen prächtigen Auftakt.

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