Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn das Haßlocher Frauenteam spielt: „Eine schöne laute Halle“

Wurfgewaltig: die Haßlocherin Katharina Scheid (Mitte).
Wurfgewaltig: die Haßlocherin Katharina Scheid (Mitte).

Die Halle: voll. Die Zuschauer: laut. Das Spiel: intensiv. Dazu eine Spendenaktion. Frauen-Regionalligist TSG Haßloch begeistert gegen Verfolger HSG Wittlich.

Nach der Partie der Frauen-Handball-Regionalliga zwischen dem Tabellenzweiten TSG Haßloch und dem Rangvierten HSG Wittlich gibt es kein Halten mehr: Lauter Knirpse im TSG-Trikot sausen in die Hallenecke, in der sich die Haßlocherinnen zum Siegerfoto aufstellen. Die Dreikäsehochs wollen jubelnd mit aufs Bild. Die Haßlocherinnen haben die HSG mit 35:26 (18:14) besiegt.

HSG-Abwehr überrascht

Trotz begeisternder Lichtshow und Nebeleffekten vor dem Anpfiff: Nach einem souveränen TSG-Sieg sieht es zu Beginn der Begegnung nicht unbedingt aus. Der sonst offensiv abwehrende Gast agiert mit einer defensiven 6:0-Abwehr. „Das hat uns überrascht“, gibt TSG-Trainer Marc-Robin Eisel später zu. „Wegen Verletzungen am Freitag im Training“ habe sie die Defensive umstellen müssen, begründet HSG-Coach Esther Herrmann die Änderung. Wittlich führt mit 1:0 und 2:1, bleibt anschließend lange nur mit ein, zwei Toren Rückstand in Schlagweite. Katharina Scheid verwirft zu Beginn einen Siebenmeter (2). Katharina Gerdon scheitert in einem Konter an Torfrau Alexandra Irmgartz – im Verlauf steuert sie wie Maike Fetzner sechs Tore bei. „Wir haben Haßloch von Anfang an vor Aufgaben gestellt“, lobt Herrmann ihr Team, aus dem Irmgartz mit tollen Paraden sowie Spielmacherin Nicole Packmohr, auf der rechten Seite Sophia Krämer und Kreisläuferin Laura Teusch mit jeweils fünf Treffern herausragen. „Nicole Packmohr spielt ein ekliges eins gegen eins“, stellt TSG-Trainer Benedikt Hettich anerkennend fest. „Wir sind lange drangeblieben“, freut sich Herrmann nach der Partie „gegen einen der Meisterschaftsfavoriten“.

Viele Zweikämpfe

Es sei ein Kampf- und Kopfspiel gewesen, „um nach der Weihnachtspause wieder in Tritt zu kommen“, sagt TSG-Kapitänin Ina Bühl. „Es war ein intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen“, ergänzt Esther Herrmann. „Wir haben gewonnen, weil wir besser haben durchwechseln können“, ist sich TSG- Coach Eisel sicher.

Tatsächlich setzen sich die Gastgeber nach der Pause mehr und mehr ab. Zur Freude der immer lauter werdenden Zuschauer. So richtig Krach machen sie ab Minute 41, als Lucie Krein nach ihrer dritten Zeitstrafe die Rote Karte sieht, TSG-Torfrau Medina Martinovic im Anschluss den Wurf der völlig frei stehenden HSG-Kreisläuferin Laura Teusch pariert und schließlich Ina Bühl im Eins-gegen-eins in Haßlocher Unterzahl auf 24:18 erhöht. „Das war der Knackpunkt“, betont Bühl rückblickend. „Wenn Lucie Krein mit dreimal zwei Minuten vom Feld muss, kommt eine andere nach“, verdeutlicht Herrmann den Unterschied zwischen beiden Teams. Ihre HSG ist mit nur elf Spielerinnen angereist. Die TSG stellt 15 Handballerinnen auf.

Der Zuschauerzuspruch gefällt Ina Bühl: „Schön, dass die Frauen hier mehr gesehen werden.“ Für ein Spiel am Sonntagabend sei sehr viel los gewesen, bedankt sich Lucie Krein bei den TSG-Fans.

Kommunikationsprobleme

Der ohrenbetäubende Radau allerdings stellt Bühl wie das Trainerteam bisweilen vor Probleme. „ Ich muss mir die Seele aus dem Leib brüllen, wenn ich Spielzüge ansage“, verrät sie schmunzelnd. Cotrainer Marvin Gerdon beschreibt die Stimmung in der Halle als „schön“. Marc-Robin Eisel allerdings stellt wie Bühl lachend fest, „dass die Kommunikation immer schwieriger wird“. Wittlichs Trainerin Herrmann nennt das TSG-Sportzentrum eine „schöne laute Halle“.

Vor, während und nach dem Spiel hat die TSG Haßloch für den Behindertenbeirat in Haßloch Geld gesammelt. Am Ende überreicht Teammanager Peter Wingerter dem Beiratsvorsitzenden Jürgen Hess und dessen Stellvertreter Robert Fath einen Scheck über 700 Euro. „Das Geld werden wir in die TSG reinvestieren“, kündigt Hess an. Der Haßlocher Verein plant nämlich, künftig Inklusionssport anzubieten. Am 28. Februar ist ein Aktionstag Inklusion im TSG-Sportzentrum vorgesehen. „Wir gucken, wie es mit dem Aktionstag läuft und kaufen dann entsprechend Sportgeräte“, verrät Hess.

Spieß und Illy fallen aus

Zwei TSG-Handballerinnen werden in dieser Saison übrigens nicht mehr spielen: Kreisläuferin Julia Spieß ist am rechten Knie operiert worden. „Der Plan ist, dass sie wieder zurückkehrt“, sagt Marc-Robin Eisel. Und Rückraumspielerin Mona Illy erwartet im Juni ihr zweites Kind.

x