Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Weingut Wader“-Autorin Bernadette Feiler – eine Neu-Neustadterin mit Visionen

Drehbuchautorin Bernadette Feiler ist seit kurzem stolze Herrin einer Riesling-Lage in Hambach.
Drehbuchautorin Bernadette Feiler ist seit kurzem stolze Herrin einer Riesling-Lage in Hambach.

Das „Drehbuch des Lebens“ stellt manchmal alle Fiktion in den Schatten: Die Kölnerin Bernadette Feiler entwickelte als freie Autorin für die ARD die Serie „Weingut Wader“, die letztlich in Hambach abgedreht wurde. Und dann verliebt sie sich auch noch in die Pfalz und den Weinbau und steigt selbst ins Metier ein. Das Timing dafür freilich war vielleicht nicht perfekt.

Noch sitzt Bernadette Feiler am Küchentisch und erzählt Episoden aus ihrem früheren Leben in Köln, wo sie aufwuchs und jahrzehntelang gelebt hat. Doch man spürt ihren Tatendrang. Sie möchte hinaus, ins Schlossberggelände hinter dem großräumigen, historischen Anwesen mit den Überresten des Schlösschens Geispitz in der Hambacher Schlossstraße und ihre erste „eigene“ Weinbergneuanlage präsentieren. „Alles Riesling“, stellt sie stolz mit ausladender Handbewegung fest. „Zunächst waren die Maschinen im Einsatz, aber meine Arbeit kommt noch“, lacht sie, denn in zwei Jahren will sie die ersten eigenen Flaschen abfüllen. „Ich lerne täglich mehr über den Weinbau“, sagt sie.

An diesem Lernprozess will sie auch andere teilhaben lassen. Nach anfänglichem Zögern sei sie mittlerweile begeistert, dass über sie „als Kölner Großstädterin auf dem Weg zur ersten, eigenen Weinernte“ ein Dokumentarfilm geplant sei. „Die Weinbau-Kenntnisse, die ich bereits durch das Drehbuch zu ,Weingut Wader’ gewonnen habe, baue ich jetzt aus“, freut sie sich.

Dabei ist Feiler kein Pfalz-Neuling: Nachdem sie bereits über ein Jahrzehnt begeisterte Kundin des Hambacher Weinguts Schäffer gewesen sei, sei sie vor einigen Jahren erstmals aus Nordrhein-Westfalen angereist und habe dabei den Hausherrn Andreas Schäffer kennen und schätzen gelernt. So lag es natürlich nahe, ihn auch um Rat zu fragen, als sie 2016 mit der Arbeit am Script einer für das Abendprogramm der ARD geplanten Serie zum Thema „Weingut und Winzerfamilie“ begann. Dass Schäffers Weingut ein Jahr später auch zum Drehort für „Weingut Wader“ wurde, stand da aber noch längst nicht fest. Denn die Serie sollte ursprünglich im Rheingau und nicht in der Pfalz spielen. Und schon gar nicht im Drehbuch stand, dass die Kölnerin schließlich sogar selbst nach Hambach ziehen würde, auch wenn der Zeitpunkt rückblickend betrachtet vielleicht nicht der Günstigste war.

Umzug, Corona und eine herbe Enttäuschung

„Am 1. Dezember letzten Jahres habe ich meine Wohnung in Köln aufgelöst und bin mit Sack und Pack umgezogen und Neustadterin geworden“, erzählt Feiler – ein Schritt, den sie zwar nicht bereut habe, doch vielleicht noch etwas aufgeschoben hätte, wenn sie gewusst hätte, dass Corona kommt. Denn so sei sie in komplett neuer Umgebung gleich sehr isoliert gewesen, bedauert sie. Dabei habe sie doch eigentlich vorgehabt, sofort Kontakte ins Filmgeschehen nach Ludwigshafen oder Mannheim zu knüpfen. „Eine herbe Enttäuschung musste ich gleich noch zusätzlich verdauen“, meint sie immer noch etwas fassungslos, denn sie habe feststellen müssen, dass sie in Rheinland-Pfalz keine regionale Filmförderung nach ihren Vorstellungen erhalte.

Die sei aber für ein weiteres Filmprojekt wichtig, an dem sie gerade arbeitete. Denn nachdem sie als Workshop-Leiterin beim internationalen Frauenfilmfestival Dortmund/Köln bereits Erfahrung zum Thema Zwangsheirat sammeln konnte, plane sie nun ein Drehbuch zu einem gesellschaftskritischen Film zum Thema Fremdenhass, das Monate Recherchezeit erfordere, die ohne Förderung unbezahlt bliebe. Da sie sich mit einer Freundin einen Zweitwohnsitz in Köln teile, wo nach wie vor ein Großteil ihrer Familie lebe, habe sie zunächst dort Antrag stellen wollen, was durch ihren Umzug aber nicht mehr möglich sei. „Da ist jetzt mein Agent gefragt“, meint sie nachdenklich, denn man überlege nun, mit Streaming-Diensten zu arbeiten, wo andere Bezahlmodalitäten gelten als beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „Als Drehbuchautor hat man in Deutschland keinen leichten Stand“, stellt Feiler fest.

Sich neu erfinden, das ist für Feiler nichts Neues

So habe sich die Vernetzung der meist freiberuflich tätigen Autoren erst seit Protesten in den sozialen Netzwerken verbessert, wo mehr Mitsprache- und Urheberrechte für eigene Produkte gefordert worden waren. Trotzdem müsse man nach wie vor viel Vorleistungen über Pitches (überzeugende, kurze Themenausarbeitungen) und Treatments (Vorformen des Drehbuchs) erbringen, bis klar werde, ob der Stoff überhaupt abgekauft werde, und anschließend aufpassen, dass man die Rechte auch lange genug behalte, um genug daran zu verdienen.

Zur Drehbuchautorin sei sie über einen befreundeten Drehbuchautor geworden, denn nach dem Abitur, begonnener Fremdsprachenausbildung und einigen Jahren Arbeit als ausgebildeter Intensiv-Krankenpflegerin in einem Kölner Klinikum habe sie als vierfache Mutter die Schreibtischarbeit schätzen gelernt. Entspannend sei es für sie, nach langem Sitzen zu joggen, um den Kopf frei zu bekommen, denn „Kraft für Neues liegt nur in einem selbst“, so ihre Überzeugung. Zukünftig wolle sie sich in Hambach mit weiteren Ideen ins Weingut Schäffer einbringen und beschäftige sich gerade mit der Aktualisierung des Internetauftritts. Außerdem habe sie mit Schäffer bereits ein weiteres neues Projekt auf den Weg gebracht – ein Café in den Räumlichkeiten der Vinothek. Da das Anwesen unter Denkmalschutz steht, sei dies die beste Lösung, um Besuchern zusätzlich zu den hauseigenen Weinen und Sekten dank eines neuen Küchenbereichs auch Kaffee, Kuchen und Snacks anbieten zu können, so Feiler. Da bisher eine Eröffnung wegen Corona unmöglich gewesen sei, hoffen sie und Schäffer jetzt, ab dem 1. Juni ins Café einladen zu können.

Die ARD-Serie „Weingut Wader“ (hier eine Szene mit von links Leslie Malton, Katharina Ley, Henriette Richter-Röhl und Max von Pu
Die ARD-Serie »Weingut Wader« (hier eine Szene mit von links Leslie Malton, Katharina Ley, Henriette Richter-Röhl und Max von Pufendorf), machte Hambach deutschlandweit bekannt. Dass es dazu kam, war letztlich der Kölner Autorin Bernadette Feiler und ihrer Vorliebe für Pfälzer Weine zu verdanken.
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