Neustadt „Wegen uns gibt’s keine Stichwahl“
Nach Schließung der Wahllokale waren gestern Abend sie gefragt: die Wahlhelfer. Unter Hochdruck ging es an das Stimmen-Auszählen. Erst Bundestagswahl, dann Oberbürgermeisterwahl. Besonders gefiebert wurde in Duttweiler, wenngleich dort in fast voller Stärke ausgezählt wurde.
Punkt 18 Uhr schließen die Türen der Festhalle, die Duttweilerer Bürger haben gewählt. Sechs Wahlhelfer inklusive Ortsvorsteher Gerhard Syring-Lingenfelder (FWG) sammeln sich um einen großen Holztisch in der Mitte, dann wird die erste Wahlurne umgekippt – ein großer Berg Stimmzettel häuft sich auf. Ohne viele Worte zu wechseln, geht es direkt an die Arbeit: Zettel auseinanderfalten und Stapel bilden, jeweils in 20er Schritten, um ihm Zweifelsfall schnell noch einmal nachzählen zu können. Zwei weitere Helferinnen werten in der Zeit die Wahlbeteiligung aus. Bei der OB-Wahl lag diese in Duttweiler bei 79,3 Prozent, bei der Bundestagswahl waren es sogar 83,3 Prozent. Dass diese bei der Auszählung Priorität hat, steigert die Spannung im Raum deutlich. Konzentrierte Blicke, jeder beeilt sich, die ersten Ärmel werden hochgekrempelt und die Jacken beiseite gelegt. „Wann gibt’s den ersten Trend für die OB-Wahl?“, fragt einer, wenngleich ihm klar ist, dass es noch Geduld braucht. Gültige und ungültige Stimmzettel müssen unterschieden werden und dann natürlich, für welche Partei das Kreuz gesetzt wurde. Dann geht das Spiel von vorne los: Nach der Zweitstimme geht es an die Erststimme. Das braucht Zeit und will sorgfältig überprüft sein. Nach rund 45 Minuten hat es das Helferteam geschafft. „So, Jungs und Mädels“, ruft Syring-Lingenfelder, „jetzt geht’s zur Sache!“. Aus Wahlurne zwei flattern erneut Hunderte Stimmzettel auf den Tisch, diesmal die orangenen für die OB-Wahl. Eilig werden neue Stapel gebildet, einer für Ingo Röthlingshöfer (CDU), einer für Pascal Bender (SPD), einer für Marc Weigel (FWG). Erst als die Weigel-Stapel langsam, aber sicher wachsen, wird die Stimmung gelöster. Die ersten Witze werden gemacht: „Also wegen uns gibt’s keine Stichwahl.“ Dann eine bange Zwischenfrage: „Sind denn alle Stimmzettel gültig?“ Nein, insgesamt vier sind es nicht. „Bestimmt Zugezogene“, lautet der prompte Kommentar. Alles geht nun sehr flink, es liegen nur noch wenige ungesichtete Zettel auf dem Tisch. „Ich würde sagen, es ist eindeutig“, atmet endlich auch der hochkonzentrierte Ortsvorsteher durch. Ein interessierter Bürger gesellt sich zu den Helfern in der Festhalle, schaut, ob sich schon etwas erkennen lässt. 326 Stimmen für Weigel, 64 für Röthlingshöfer und 44 für Bender lautet am Ende in Duttweiler das Ergebnis, „ohne die Briefwahl“, wie sich Syring-Lingenfelder beeilt klarzustellen. „Erleichtert“ seien sie alle, haben „einen trockenen Mund vom Zählen.“ Und dann geht das Bangen weiter: Wie sieht das Ergebnis wohl in den anderen Wahlbezirke aus?