Neustadt
Wasserball: U18-Bundesligist SC Neustadt und Neustadter Männerteam siegen
Spiele werden in der Abwehr gewonnen: Diese alte Fußballerweisheit haben sich die U18-Wasserballer des SC Neustadt im Bundesliga-Heimspiel gegen den SV Blau-Weiß Bochum zu Herzen genommen. Dank ihrer energischen Pressdeckung ließen sie dem gegnerischen Angriff keinen Raum und siegten mit 17:4 (2:0, 6:1, 5:1, 4:2). Genau genommen hätte der Erfolg noch höher ausfallen müssen.
Das sah auch Michael Heinz so. „Wir hätten höher gewinnen können. Wir haben am Anfang viel liegen gelassen“, stellte der Manager der Neustadter Wasserballer fest. Philipp Guth setzte im ersten Viertel einen Heber an die Latte des Bochumer Tors. Später verlor er auf der Centerposition den Ball nach Pass von Matteo Ananias, nachdem Moritz Giese den Ball in der Abwehr abgefangen hatte. Als Matteo Ananias erneut von der linken Seite in die Mitte vor den Bochumer Kasten auf den völlig unbewachten Linas Orth passte, war Orth im Zwei-Meter-Raum – Freiwurf für Bochum. Auch beim Konter von Alessandro Catauro und Giese im zweiten Viertel traf Catauro nur den Pfosten.
Mit Pressdeckung
Doch deutete sich an, dass die Gastgeber auf dem richtigen Weg waren. „Wir haben vorher mit Zonendeckung gespielt und haben auf Pressdeckung umgestellt, um mehr Konterchancen zu haben“, erzählte später Neustadts Trainer Peter Jacqué. Damit ebneten sich die Gastgeber den Weg zu einem ungefährdeten Heimerfolg. „Unser Spiel war verbessert, in der Abwehr deutlich verbessert“, betonte Jacqué. „Unsere Stärke ist definitiv die Abwehr“, fügte Lins Orth hinzu. Jacqué gab auch zu, dass „wir die bessere Bank gehabt haben“.
Katrin Dierolf, Trainerin der jungen Bochumer, bestätigte dies: „Im Sommer haben wir mit den Jungen erst angefangen zu arbeiten.“ Über die Hälfte des Teams habe wegen der Corona-Pandemie eineinhalb Jahre nicht trainieren können. „Die sollen einfach mal mitschnuppern“, erklärte Dierolf das Ziel der Westdeutschen.
Ohne Centerspieler
Die Bochumerin wurde mit fortschreitender Spieldauer immer ruhiger. Im ersten Viertel tönten ihre Anfeuerungen noch laut über das Wasser im Stadionbad. Mit größer werdendem Rückstand war sie immer weniger zu hören. „Wir hatten keinen Center dabei, die sind krank und verletzt“, sagte die Trainerin. „Andere Mannschaften hätten dieses Spiel vielleicht abgesagt.“ Während sie für ihr Team zwei Auszeiten in Anspruch nahm, verzichtete Neustadt komplett darauf. „Wir hatten das Hinspiel zwar auch gewonnen, aber wir hatten mit Widerstand gerechnet – dass es so einfach wird, hätte ich nicht gedacht“, sagte nach Spielende Linas Orth.
Die Neustadter spielten sich in einen Torrausch. Von Linksaußen traf Philipp Guth genau in den Winkel. Ein Weitwurf von Moritz Giese landete am linken Pfosten. Doch Alessandro Catauro reagierte schnell und traf im Nachwurf zum 4:1. Beim Spiel aus der eigenen Abwehr heraus missglückten den Neustadtern sämtliche Pässe. Doch sie blieben in Ballbesitz. Als die 30 Sekunden für den Angriff fast vorbei waren, traf Orth zum 12:2. Sogar Michael Heinz, der diesmal als Hallensprecher in Aktion war, geriet bei der Torflut ein wenig durcheinander. Als der Bochumer Benedikt König zum 2:10 traf, verkündete Heinz: „Den Anschlusstreffer zum 4:10 erzielte mit der Nummer vier ...“ Er stockte und startete erneut: „ ... zum 3:10 ...“ Er habe sich das falsch notiert, verriet Heinz später. „Ich wollte Bochum ein bisschen bevorteilen, damit das Spiel spannend wird“, fügte er schmunzelnd hinzu.
Blumen für Bochum
Trotz des klaren Erfolges übte Peter Jacqué auch Kritik am Spiel seines Teams: „Zu bemängeln ist, dass der Ball immer zu spät gespielt wird.“
Blumen gab’s übrigens nicht für die Sieger, sondern für Katrin Dierolf. „Blumen und Wein“, sagte die Bochumerin lachend. Sie hatte am Mittwoch Geburtstag und erzählte, dass das Verhältnis zwischen Neustadt und Bochum ein sehr gutes sei. „Ich kenne Peter Jacqué, seit ich zehn bin.“ Und so sind die Bochumer auch nicht direkt nach Spielende nach Hause gefahren. „Wir gehen jetzt noch essen bei einem Griechen, den uns die Neustadter empfohlen haben – wir haben vorbestellt.“ Die Jungs hätten Hunger, seien sie doch seit 12 Uhr unterwegs. „Wir haben uns in unserem eigenen Schnelltestzentrum getroffen, haben uns alle auf Corona getestet und sind dann ganz entspannt losgefahren.“ Vor Spielbeginn sind die Gäste in Neustadt erneut getestet worden.
16 Tests vorbeigebracht
Der Test direkt vor einem Spiel am Spielort sei der entscheidende, betonte Michael Heinz. Doch hält er einen Test vor der Abfahrt zu einem Auswärtsspiel für eine gute Idee. Gäbe es dann positive Ergebnisse, könne man sich die weite Anreise sparen. „Was Bochum gemacht hat, regt zum Nachdenken an“, stellte er fest. Und handelte schnell. Denn am Sonntagmorgen um 7 Uhr stand die Abfahrt der Neustadter Männermannschaft zum Pokalspiel in Hamburg an – wegen der jüngsten Stürme mit Kleinbussen statt wie ursprünglich geplant mit der Bahn. Noch am Samstagabend hat Michael Heinz 16 Schnelltests zu Betreuer Lars Ananias gefahren. „Wir testen einmal durch, bevor wir nach Hamburg fahren. Besser auf der sicheren Seite sein.“ Aller Aufwand lohnte sich: Der SCN siegte mit 10:7 (0:1, 2:2, 5:2, 3:2) und steht im Achtelfinale.
So spielten sie
SC Neustadt, U18: Meszaros; Orth (2), Chaloupka (1), Giese (5), Georg Guth, Grüne, Philipp Guth (3), Welke (1), Matteo Ananias (2), Catauro (1), Ljubic (1), Schuler (1).