Neustadt
Wasserball: Schädler und Hummel beim U20-Nationalteam
Von wegen Pause. Die jungen Wasserballer des SC Neustadt, die vor vier Wochen die deutsche Vizemeisterschaft der Unter-18-Jährigen geholt haben, wollten es in den ersten Wochen der Sommerferien ruhiger angehen lassen. Doch Kapitän Xaver Schädler und Torwart Hendrik Hummel dürfen ihre Koffer packen. Sie reisen zu einem zehntägigen Lehrgang mit dem Bundeskader der U20 nach Hannover.
Xaver Schädler ist als Mannschaftsführer das Sprachrohr des SCN-Nachwuchses. Gemeinsam mit dem Trainerteam unter Davorin Golubic und Peter Jacqué, Manager Michael Heinz und den routinierten Stammspielern Matthias Held, Stefan Ehrenklau, Fernando Mongrell und Benedikt Hummel einigte sich die Mannschaft darauf, die Chance auf eine Saison in der Männer-Bundesliga wahrzunehmen. „Doch wir hatten in den letzten Wochen fast täglich trainiert, weil unser großes Ziel die U18-Meisterschaft gewesen war. Und wir haben auch unter uns besprochen, dass wir etwas herunterfahren wollen“, erzählt der 17-Jährige. Wie Hummel ist er Schüler des Edenkobener Gymnasiums. Im kommenden Schuljahr geht es in die 13. Klasse, im Frühjahr stehen die Abitur-Prüfungen an. So sieht es bei den meisten von Schädlers Teamkollegen aus. Sie wissen, dass auf sie eine Doppelbelastung wartet. Doch zunächst sollte eine lockere Phase während der Sommerferien folgen. Schädler: „Wir haben mit den Trainern vereinbart, dass es die Möglichkeit gibt, im Stadionbad zu trainieren, dass es aber kein Pflichttraining ist. Damit wir auch urlauben und relaxen können.“
Donnerstag geht es los
Jetzt kam für ihn und Hummel die Einladung von Bundestrainer Nebojsa Novoselac zum U20-Lehrgang. Die beiden SCN-Spieler zählen dabei zu den jüngsten Teilnehmern. Los geht es bereits am Donnerstag, die beiden Schüler erhielten die Freigabe von ihrer Schule und dürfen die beiden letzten Schultage „schwänzen“. Schädler: „Im Lehrerzimmer hängen sogar die Zeitungsberichte von unseren Erfolgen mit der U18. Unsere Lehrer sprechen uns oft darauf an.“
Die kommenden Tage werden für die beiden Spieler spannend. Geht es doch auch um weitere Empfehlungen. Im Lehrgang sondiert der Bundestrainer, welche Spieler zur U20-Weltmeisterschaft in Argentinien reisen dürfen. Schädler: „Für diese Spieler folgen in den nächsten Wochen weitere Trainingslager.“
Keine Pause mehr notwendig
So ist auch gar keine Rede mehr davon, dass Schädler oder Hummel eine Trainingspause nötig hätten. Schädler: „Wenn der Bundestrainer ruft, ist man sofort wieder motiviert und bereit.“ Obwohl er einer der Jüngsten ist, sieht er Chancen. Denn auf seiner Position als Center seien nicht viele Spieler dabei. Doch für Hummel und Schädler geht es inmitten der bis zu drei Jahre älteren Konkurrenten darum, sich zu zeigen. Denn 2022 findet eine U19-Weltmeisterschaft statt. Der Plan der beiden SCN-Spieler: „Einen guten Eindruck machen.“
Was den Einsatz ab kommenden Herbst in der Männer-Bundesliga angeht, ist es dem Nachwuchs nicht bange, wie Schädler versichert. „Wir jungen Spieler sind körperlich gut entwickelt. Auch jetzt schon ging es in den U18-Spielen sehr hart zur Sache. Wir mussten da auch gegenhalten. Wir sind so stark, wir glauben, dass wir in der Zweiten Liga der Männer unterfordert wären. Es wird uns mehr bringen, wenn wir jetzt in der Ersten Liga spielen.“ Geplant ist nach den Ferien viermal Training in der Woche. Denn die Spieler brauchen noch Freiraum, um sich auf die Schule und das Abitur zu konzentrieren.
Zur Sache: Zukunft des SC Neustadt
U18-Trainer Peter Jacqué kennt „seine Buben“ nun schon seit vier Jahren. Als ehemaliger Schulleiter des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums weiß er auch um die Anforderungen für einen Abitur-Jahrgang. Er sagt: „Die Schule soll Vorrang haben. Die Jungs müssen alles entsprechend planen. Wir müssen in der Aufstellung variabel sein. Der Aufwand des einzelnen Spielers für die Schule ist unterschiedlich.“ Außerdem liege das Augenmerk zunächst auf der kommenden Saison. Denn nach dem Abitur schlagen die Spieler neue Wege ein. Die Planung des Deutschen Schwimmverbandes über die genauen Spieltermine erfolgt erst im Herbst, dazu kommt ein Fragezeichen wegen den Entwicklungen in der Corona-Pandemie.
Cheftrainer Davorin Golubic sieht gute Chancen seines Teams in der B-Gruppe der Ersten Liga. „Wir haben einen breiten Kader und können dann immer mit 13 Spielern planen.“ Die neue Konkurrenzsituation in der obersten Spielklasse sei für die Entwicklung der Jungs sehr wichtig. Die Zweite Liga wäre eine Unterforderung. Golubic: „Im Gegensatz zu den meisten Zweitligateams haben wir im Winter voll trainiert. Wir hatten beste Trainingsbedingungen.“
Manager Michael Heinz betont ebenfalls, dass die Jungs körperlich und konditionell bereit sind. „Was ihnen fehlt, ist die Erfahrung. Und die bekommt man nur durch Spielpraxis. Es wird eine Herausforderung. Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Ziel ist dabei der Klassenverbleib. Die Kosten für den Spielbetrieb liegen laut Heinz mit den diversen Gebühren des DSV zwar höher als in der Zweiten Liga, sind aber geringer als die Kosten, die während des Trainings im Stadionbad anfielen. Obwohl das Bad für die Öffentlichkeit geschlossen war, mietete der SCN das Bad für das Training von den Stadtwerken an.
Heinz: „Jetzt folgt ein hoher fünfstelliger Betrag für die Bundesliga. Wenn wir die Jugendarbeit weiter auf dem hohen Niveau halten wollen, brauchen wir noch Unterstützer und Sponsoren. Wir treten erneut mit den Jahrgängen 2004 und 2005 in der U18-Bundesliga an.“ Heinz möchte noch weitere Früchte der Nachwuchsarbeit ernten. Er sagt: „Das darf kein einmaliges Wunder bleiben. Ein Sprichwort sagt: Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren.“ Heinz bleibt also ganz Visionär, wenn er außerdem betont: „Wenn wir Zweifel an unseren Fähigkeiten hätten, würden wir diesen Weg gar nicht beschreiben. Geht nicht, gibt es nicht. Wir sind der SCN. Und ein blau-weißer Stern im Süden. Und das soll auch so bleiben.“