Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserball: SC Neustadt startet mit Remis und Sieg in Bundesliga-Abstiegsrunde

 Der Neustadter Lukas Schwarzkopf (links, hier gegen Norbert Nemes) warf im ersten Spiel der Abstiegsrunde gegen den SV Würzburg
Der Neustadter Lukas Schwarzkopf (links, hier gegen Norbert Nemes) warf im ersten Spiel der Abstiegsrunde gegen den SV Würzburg den Ausgleich.

In den ersten zwei Spielen in der Bundesliga-Abstiegsrunde gegen Würzburg und Weiden holte der SC Neustadt am Wochenende im Stadionbad drei Punkte. Ein Neustadter Spieler war Notnagel, Glückspilz und Pechvogel zugleich. Ein anderer Neustadter denkt ans Aufhören.

Beim 6:6 (1:3, 1:1, 1:1, 3:1) am Samstag gegen den SV Würzburg musste Davorin Golubic, Trainer des Wasserball-Bundesligisten SC Neustadt, kurzfristig umplanen. Drei Absagen wegen Krankheit von Torwart Hendrik Hummel, Jakko Vagts und Fernando Mongrell wirbelten seine taktischen Pläne durcheinander. Ein Glücksfall war, dass Jugendnationalkeeper Alexandros Vlantoussis als Ersatz zur Verfügung stand.

Dessen Vater Jiannis erklärte: „Auch Esslingen fragte zwar kurzfristig noch an, aber mein Sohn sagte, der SCN benötige ihn dringender.“ Der 16-Jährige aus Karlsruhe trainiert während der Woche beim SCN und spielt für Esslingen in der A-Gruppe der U18-Bundesliga sowie als Ersatzkeeper im Esslinger Männerteam, dort ebenfalls in der A-Gruppe der höchsten deutschen Spielklasse. Als Nationalspieler darf der 16-Jährige mit einem Zweitspielrecht im SCN antreten.

Zwölf Paraden

Wäre Vlantoussis nicht bereit gewesen, hätte ein Feldspieler das SCN-Tor hüten müssen. Und so wurde der 16-Jährige zum Neustadter Rettungsanker. Mit zwölf Paraden sicherte er einen Punkt gegen Würzburg. Verdient wäre indes ein Sieg der Gäste gewesen. Der SCN scheiterte wiederholt mit Verlegenheitswürfen kurz vor Ablauf der 30-Sekunden-Angriffszeit. Außerdem hatte Würzburg mit Ben Flammersberger ebenfalls einen starken Keeper.

So geriet die Partie zu einer zerfahrenen Angelegenheit, der SCN war bis zum Schlussviertel mit zwei Toren im Rückstand. „Unser Torwart und der SCN-Torwart waren die besten Spieler. Wir haben zwei Monate nicht gespielt, unser Schwimmbad wird renoviert“, sagte Würzburgs Trainer Raul de la Pena. Neustadts etatmäßiger Mannschaftskapitän Matthias Held kam zur gleichen Analyse. Er hatte sich im Januar im Heimspiel gegen Weiden eine Verletzung am Mittelfinger der linken Hand zugezogen. „Ich kann noch keinen Sport machen. Es war eine komplizierte Operation, die zwei Stunden dauerte. Jetzt habe ich viele Termine mit Ergo- und Physiotherapie.“ Leise ließ der 37-Jährige anklingen, dass er sogar darüber nachdenke, seine Wasserballkarriere zu beenden. Seine Zwillinge sind mittlerweile zwei Jahre alt und machen ihm viel Freude. Jetzt kämpft er darum, seine Verletzung zu kurieren. So habe er zwar nicht aufhören wollen. Die endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen, betonte Held.

Schwarzkopf gleicht aus

Beim SCN gab es nach dem Seitenwechsel eine leichte Leistungssteigerung. Mit zwei Toren von Xaver Schädler kämpfte sich die Mannschaft heran. Das Selbstvertrauen der Nachwuchsspieler war wieder zu spüren. Drei Minuten vor Spielende gelang Lukas Schwarzkopf der Ausgleich. Die Siegchance vergab der SCN in Überzahl leichtfertig vorm Gästetor. Würzburg erkämpfte sich den Ball. Nun folgten die großartigen Sekunden des SCN-Keepers. Dreimal hintereinander wehrte er scharfe Schüsse der Gästeangreifer ab und sicherte dem SCN einen Punkt im Kampf um den Klassenverbleib.

Doch Vlantoussis’ Heimfahrt nach Karlsruhe fiel anders aus als geplant: Der „Spieler des Tages“ verpasste den Zug. Vater Jiannis: „Trotz anderer Verpflichtungen mussten wir ihn abholen.“

Vater schaut zu

Am Sonntag verfolgte der Vater die Partie und sah erneut einen glänzend aufgelegten Sohn im SCN-Tor und ein stark verbessertes SCN-Team. Beim 9:8 (2:1, 1:1, 2:4, 4:2)-Sieg gegen den SV Weiden waren allerdings die beiden Schiedsrichter Philip Uhlig und Paul Putercyk nicht immer im Bilde. Sie übersahen mehrmals Stürmerfouls der Gästecenter im Weidener Angriff. Bei den Angriffen des SCN legten sie die harte Verteidigung der Gäste überaus großzügig aus und ahndeten die Fouls nicht.

„Ich muss das Team loben. Es hat toll gekämpft. Weiden war körperlich kräftiger, viel älter und erfahrener“, urteilte Golubic. Die Leistungssteigerung seines Teams gegenüber Samstag entsprang einer gründlichen Analyse des Würzburgspiels.

Zwei Rote Karten

Wenige Minuten vor Schluss erkannten auch die Unparteiischen, dass vor allem Weidens Jakob Ströll wiederholt viel zu hart einstieg. Ströll sah die Rote Karte. Wenige Sekunden später folgte auch für seinen Teamkollegen Nikolaij Neumann die endgültige Hinausstellung. Allerdings bei beiden „mit Ersatz“, so dass Weiden die restliche Spielzeit zwar ohne die beiden Akteure, aber komplett absolvieren durfte. Dennoch gelang Tim Schwarzkopf 90 Sekunden vor Schluss der Siegtreffer für den SCN. Mit vier Toren wurde Xaver Schädler zum „Spieler des Tages“ gekürt.

So spielten sie

SCN gegen Würzburg: Alexandros Vlantoussis – Ehrenklau (1 Tor), Hrvic, Guth (1), Giese, Stedler, Tim Schwarzkopf, Beck, Luis Ananias, Schädler (3), Benedikt Hummel, Lukas Schwarzkopf (1);

SCN gegen Weiden: Vlantoussis – Ehrenklau (1), Hrvic (1), Guth (1), Giese (1), Stedler, Tim Schwarzkopf (1), Beck, Baaden, Luis Ananias, Schädler (4) Hummel, Lukas Schwarzkopf.

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