Neustadt
Wasserball: SC Neustadt Dritter bei deutscher U16-Meisterschaft
Wasserball: Über 250 Zuschauer sahen bei der Endrunde der besten vier deutschen U16-Wasserball-Teams eine sensationelle Leistung von Außenseiter SC Neustadt. Der Gastgeber brachten den etablierten Nachwuchs der Bundesliga-Vereine ins „Schwimmen“ und holte überraschend die Bronzemedaille. Deutscher Meister wurde der SSV Esslingen. Die Namen einiger SCN-Spieler stehen nun im Notizbuch des Nachwuchs-Bundestrainers.
Neustadt. Der SCN erwies sich als perfekter Gastgeber und Organisator. Im Wasser aber hielt der Nachwuchs von SCN-Coach Peter Jacqué mit voller Kraft dagegen. Im ersten Spiel am Samstag gegen den hohen Favoriten White Sharks Hannover verblüfften die SCN-Jungen den Teammanager der Hannoveraner, Philipp Rotermund. „Wir wollen den Titel holen“, so seine Aussage. Doch nach einer Minute führte Neustadt mit 2:0. Hektik kam bei Gästetrainer Rafael Navrata auf. Mit wilden Bewegungen rief er seiner Mannschaft „zurück, zurück“ zu.
Schneller Jakko Vagts
Dreimal war der Neustadter Kapitän Jakko Vagts Schnellster beim Anschwimmen nach den Viertelpausen und sicherte seinem Team so den Ballbesitz. Erst das 4:3 für Hannover, das in der 30. und damit in der letzten Sekunde der Angriffszeit im dritten Viertel fiel, brachte den SCN in Schieflage. Einer der stärksten Neustadter neben Torhüter Hendrik Hummel war Tobias Bauer. Sein Vater Martin Bauer ist sein Chauffeur und bringt den wurfstarken Wasserball-Junioren zu jedem Training und Spiel nach Neustadt. Rund 200 Kilometer legen sie jeweils zurück, um vom Wohnort Friedrichsthal (Saarland) in den Moby Dick und zurück zu gelangen. Sein 16-jähriger Sohn trainiert viermal mit dem Friedrichsthaler Wasserball-Team und zweimal in Neustadt. „Viel Freizeit bleibt da nicht. Tobias besucht die elfte Klasse eines G8-Ganztagsgymnasiums und hat erst nach 15 Uhr Schulschluss“, betont sein Vater.
Drei Stunden später folgte das nächste Spiel für den SCN, das gegen den SSV Esslingen. Hier stand Neustadt kurz vor einem Sieg. Im dritten Viertel betrug der Vorsprung der Jacqué-Jungs sogar vier Tore. Xaver Schädler war bester Neustadter Angreifer. Erneut war Tormann Hummel ein starker Rückhalt. Erst in der letzten Minute ging Esslingen in Führung und sicherte sich so einen 13:12-Erfolg. Das SSV-Team wurde im dritten und vierten Viertel deutlich stärker in der Abwehr und ließ den angreifenden SCN gar nicht erst in Tornähe kommen. Oft mussten die Neustadter den Ball wegwerfen, als ihre 30 Sekunden Angriffszeit abgelaufen war.
Entscheidungen fallen am Sonntag
In den beiden anderen Spielen am Samstag verlor auch der OSC Potsdam gegen Esslingen und Hannover, zeigte sich jedoch ebenfalls als starker Gegner. So musste in den letzten Endrundenpartien am Sonntag die Entscheidung über die Medaillenplätze fallen.
Für SCN-Spieler Henning Spandick war es indes ein Erfolg, wieder Wasserball spielen zu können. Der 16-jährige, der in Mainz wohnt und beim SC Wiesbaden in der Oberliga spielt, startet mit einem Zweitspielrecht für den SCN. Im Sommer zog er sich bei einem Spiel für Wiesbaden einen dreifachen Bruch des Daumens zu. „Der Bruch war gerade verheilt, da kam es zu einem Radunfall. Henning wurde von einem Autofahrer bedrängt, geriet in die Straßenbahnschienen und stürzte. Die Folge war ein Bruch beider Unterarme“, erzählt sein Vater Heinrich Schykowski. Die Aussicht auf die Teilnahme an der Endrunde und eiserne Disziplin brachten Henning wieder in Form, allerdings noch mit einem Rückstand, was Kondition und Kraft anbelangt.
Hummel zeigt viele Paraden
Doch er erfüllte seinen Part im dritten Turnierspiel ebenso wie das gesamte SCN-Team. Torwart Hummel war auch hier mit vielen Paraden der große Rückhalt. „Ich habe ihn um seine Kontaktdaten gebeten“, sagte Nachwuchsbundestrainer Nebojsa Novoselac. Er sei absolut überrascht, wie motiviert sich die Neustadter Mannschaft präsentiere. Auch Jakko Vagts, Luis Ananias, Tobias Bauer und besonders noch Xaver Schädler seien interessante Spieler, meinte der Bundestrainer. Der SCN führte zeitweilig mit fünf Toren Vorsprung, doch dann folgte eine Torflaute. Potsdam gelang der Ausgleich. Xaver Schädler erzielte nochmals die Führung zum 10:9. Auch wenn Potsdam erneut ausglich, es reichte schließlich auf Grund des besseren Torverhältnisses zu Platz drei für den SCN.
Im letzten Spiel des Turniers mussten die White Sharks Hannover überraschend eine Niederlage gegen den SSV Esslingen quittieren und wurden im Endklassement als hoher Favorit mit den meisten Kaderspielern im Team nur Zweiter der deutschen U16-Meisterschaft.
So spielten sie
SCN – White Sharks Hannover 6:12 (3:3, 0:0, 1:3, 2:6). Hendrik Hummel – Vagts (2 Tore), Hrvic, Bauer (3), Baaden, Spandick, Tim Schwarzkopf, Guth, Mrodzinsky, Ananias, Schädler (1), Stedler, Schwarzkopf.
SSV Esslingen – OSC Potsdam 18:12 (5:2, 4:5, 4:1, 5:4).
SCN – Esslingen 12:13 (4:2, 4:3, 2:3, 2:5). SCN: Hummel – Vagts (1), Hrvic (1) Bauer (2), Beck, Spandick (1), Tim Schwarzkopf, Guth, Mrodzinsky, Ananias (1), Schädler (5), Stedler, Lukas Schwarzkopf (1).
Hannover – Potsdam 13:10 (5:3, 2:3, 3:2, 3:2).
SCN – Potsdam 10:10 (5:3, 4:1, 0:4, 1:2). SCN: Hummel – Vagts (1), Hrvic (1), Bauer (3), Baaden, Spandick (1), Tim Schwarzkopf, Guth, Mrodzinsky, Ananias, Schädler (3), Stedler, Lukas Schwarzkopf (1).
Esslingen - Hannover 11:8 (3:4, 2:1, 2:1, 3:2)
Zur Sache: Die Schiedsrichter
Ohne sie geht gar nichts, schon gar nicht bei der Endrunde um die deutsche U16-Wasserball-Meisterschaft: Stefan Mann aus St. Ingbert, Rüdiger Trommer aus Coburg, Daniel Waas (Marburg) sowie Peter Schneider aus Freystadt waren die im Stadionbad eingesetzten Schiedsrichter. Und Wolfgang Rühl schaute als Schiedsrichter-Beobachter und Turnierleiter zu. Im Wasserball ist es nicht wie im Fußball oder Handball üblich, dass Woche für Woche dieselben Gespanne Spiele leiten. „Im Wasserball pfeift jeder mit jedem“, erzählt Rühl. Und ein Beobachter sei grundsätzlich bei Partien der Ersten Bundesliga dabei sowie bei Endrunden um deutsche Meisterschaften. Wer letztendlich vor Ort sei, werde vom Schiedsrichter-Obmann des Deutschen Schwimmverbandes entschieden, so Rühl.
Wolfgang Rühl aber stellt die Paarungen vor Ort zusammen. „Ich gucke schon, wer spielt“, erklärt er seine Vorgehensweise. Da beispielsweise Stefan Manns Heimatverein der SV Friedrichsthal sei und von dort ein Spieler beim SC Neustadt aktiv sei, „hat Stefan Mann jetzt eine längere Pause“, betont Rühl vor der vorletzten Partie am Samstag im Stadionbad: Neustadt gegen Esslingen. „Damit erst gar keine Verdächtigungen aufkommen“, betont der Turnierleiter gelassen.
Besprechung nach jeder Partie
Und nicht nur die Spieler haben die gute Stimmung im Moby Dick genossen. Schon das erste Spiel mit Neustadt gegen Hannover sei richtig laut gewesen, erzählen die Unparteiischen. „Es ist schön, wenn Stimmung in der Halle ist – eigentlich findet Wasserball ja unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt“, sagt Rüdiger Trommer und spielt damit auf die auch in hohen Ligen oft übersichtliche Anzahl an Zuschauern an.
Nach jeder Partie bespricht Rühl mit den Unparteiischen deren Entscheidungen. „Es ist gut, wenn man Rückmeldungen bekommt, egal, ob positive oder negative“, betont Trommer. In der Bundesliga, ergänzt Rühl, gebe es sogar noch Noten für die Schiedsrichter. Ob sie eine Partie in der Bundesliga der Männer oder jetzt ein Spiel um die deutsche U16-Meisterschaft pfiffen, sei kein großer Unterschied, sagen Mann und Trommer. „Es sind immer zwei Mannschaften im Wasser, eine in Blau, eine in Weiß“, stellen beide schmunzelnd fest. (sab)