Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserball: Neustadter Thorsten Preuß seit Januar Verbandstrainer

Thorsten Preuß
Thorsten Preuß

Thorsten Preuß, Nachwuchs-Wasserballtrainer im SC Neustadt, ist seit Januar Trainer im Südwestdeutschen Schwimmverband. Der 53-Jährige ist zuständig für die U12-, U14- und U16-Spieler. Er profitiert von seinem Sport.

Herr Preuß, die Corona-Krise sorgt für Frust bei den jungen Sportlern. Was machen Sie dagegen?
Ich habe mit den jeweiligen Trainern gesprochen. Sobald es die Lage zulässt, werden sie zu einem Verbands- und Sichtungstraining kommen. Bis wir Verbandsmannschaften der drei Altersklassen formen können, heißt es, geduldig zu sein. Wenn die Pandemie unter Kontrolle ist, sind Trainingslager in den Ferien angedacht, bei uns in Neustadt oder in anderen Vereinen mit Übernachtung und kleinen Aktivitäten. Und Turniere in Deutschland.

Bis auf das Stadionbad in Neustadt sind noch alle Bäder dicht. Was macht ein Wasserballtrainer mit seinen Schützlingen ohne Wasser?
Mit einer kleinen Gruppe, die die DSV- oder Landeskader-Norm erfüllen, trainiere ich bereits. Für alle anderen heißt es abwarten, bis eine neue Covid-Verordnung Training zulässt. Als Verbandstrainer bin ich für alle Wasserball-Vereine in Rheinland-Pfalz zuständig. Das sind Spieler der Vereine Kaiserslauterer Schwimmsportklub (KSK), Poseidon Worms und Vorwärts Ludwigshafen. Diese Vereine hatte ich angeschrieben und zum Verbandstraining nach Neustadt unter den Hygienemaßnahmen eingeladen. Leider ließen die Inzidenzzahlen dieser Städte ein gemeinsames Training nicht zu.

Wie viele Spieler sind jetzt schon im Training?
Jetzt trainieren 14 Kaderathleten viermal wöchentlich im Stadionbad.

Für die Jüngsten gibt es im SC Neustadt Aquaball. Das war Ihre Idee. Wie viele Kinder bleiben hängen, wenn es zum richtigen Wasserball übergeht?
Wir spielen Aquaball im hüfttiefen Wasser. Das ist zunächst einmal gut, um die Balltechnik zu erlernen und das Spiel kennenzulernen. Im nächsten Schritt kommt das Schwimmen dran. Dies üben wir aber bereits beim Aquaball ein. Neben dem Hüpfen und Springen machen wir kleine Schwimmeinheiten, minimal und stark reduziert. Wenn wir das Gefühl haben, dass das Kind sich über Wasser halten kann, gehen wir auch ins tiefe Wasser, um einfach mal aufs Tor zu werfen und sich mit dem Ball im Tiefen zu bewegen. Alles immer in der Nähe zum rettenden Beckenrand. Wenn das Kind Interesse hat, wird aus einem wöchentlich einmaligen Ereignis schnell ein zwei- bis dreimaliges Training.

Und was passiert dort?
Hier begleiten wir den Aquaballer bei seinen Schwimmfertigkeiten. Er wird ständig verbessert, sodass sich keine Fehler einschleichen. Circa 60 bis 70 Prozent der Kinder bleiben beim Aquaball, was dann im Tiefen das eigentliche Wasserballspiel ist.

Und wie viele Spieler bleiben dann beim richtigen Wasserball dabei?
Wenn die Kinder beim Aquaball länger bleiben, machen sie auch oft beim Wasserball weiter. Daher bleiben insgesamt rund zwei Drittel hängen.

Welche Tricks haben Sie bei den jüngeren Spielern, damit bei ihnen der Spaß trotz Anstrengung überwiegt?
Der Hauptweg ist das Spiel, angefangen von einfachen Spielen und Regeln bis hin zum komplexen Spiel. Zwischen dem Anfang und dem Ende dieses Aquaball-Wasserballweges ist es ein langer Weg. Es gibt viele Seitenstraßen, in die wir sofort abbiegen, wenn wir Defizite erkennen. Kurze Übungen minimieren die Probleme. Und es geht schnell zum Spiel zurück. Auch diese Übungen haben immer einen spielerischen Charakter. Wenn es nicht so wäre, dann wären wir ja Schwimmer geworden.

Sie sind Sportlehrer, sind also in vielen Sportarten fit. Was hat Sie bewogen, aktiv Wasserball zu spielen und so lange dabei zu bleiben?
Ich habe diese Sportart lieben gelernt. Ich hatte mit Peter Jacqué einen hoch qualifizierten Trainer. Er trainiert heute die Neustadter U18-Mannschaft. Dann waren es damals die gleichaltrigen Jugendlichen, die mit mir täglich trainiert haben. Wir waren ständig unterwegs. Entweder waren wir am Wochenende auf Schwimmwettkämpfen oder auf internationalen Wasserball-Turnieren. Und diese Ereignisse schweißen eine Mannschaft zusammen. Erst recht, wenn sich noch der Erfolg einstellt. So habe ich auch während des Studiums 1000 Kilometer pro Woche für das Training zurückgelegt.

1000 Kilometer pro Woche, um Ihrem Sport nachzugehen? Das ist viel Engagement. Welchen Nutzen haben Sie denn davon?
Neben der Fitness habe ich das Rüstzeug für das Leben erhalten. Ich kann Niederlagen wegstecken, neue Ziele vereinbaren und an meine Leistungsgrenzen gehen. Dazu gehören auch Zeitmanagement und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Interview: Heike Klein

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