Neustadt
Wasserball: Jugend-Bundestrainer über die Chancen der Neustadter Spieler
Interview: Nebojsa Novoselac, Wasserball-Nachwuchs-Nationaltrainer, hat bei der Endrunde um die deutsche U16-Meisterschaft in Neustadt zugeschaut. Einige SCN-Spieler sind ihm dabei positiv aufgefallen.
Herr Novoselac, was wussten Sie vor Ihrem Besuch im Moby Dick vom SC Neustadt?
Oh, der SCN war mir schon lange ein Begriff. Schließlich spielte Moritz Oeler (Anm. d. Red.: ehemaliger Kapitän der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft, der aus Neustadt stammt) einige Jahre bei Spandau Berlin. Dort war ich sechs Jahre lang Trainer, gleichzeitig war ich von 2013 bis 2015 Nationaltrainer der Herren. Moritz machte ich in der Nationalmannschaft ganz bewusst zum Kapitän. Wir kannten uns gut, wir beide kamen gleichzeitig 2006 in Berlin an.
Es gab zu Saisonbeginn beim SC Neustadt Irritationen, weil die starke U18-Jugend, obwohl sie in der vergangenen Saison souverän die B-Gruppe gewonnen hatte, erneut in der neuen Saison in der B-Gruppe spielen muss. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Ich möchte jetzt nicht die einzelnen Teams öffentlich vergleichen. Das ist eine Entscheidung, die von meinem Trainerteam und mir getroffen wurde. Jede Mannschaft bekommt die Chance, in der Relegation zu zeigen, was sie drauf hat. Und dann zu beweisen, welche Entscheidung falsch oder richtig war. Aber wir haben schon gewisse Kriterien für die Einteilung.
Welche Kriterien sind das?
Zum einen sind alle Teams, die Nationalspieler haben, in der A-Gruppe. Der SCN hat keinen Nationalspieler. Zum anderen liefern die Trainer, die denken, ihre Spieler haben das Potenzial zum Kaderspieler, den Kadertest beim DSV ab. Vom SCN haben wir bislang noch keine Informationen zum Kadertest erhalten.
Um was geht es bei dem Kadertest?
Der Kadertest besteht aus mehreren Teilen. Da ist der Schwimmtest über verschiedene Distanzen. Es gibt klare Kadernormen, die sind beim DSV im Internet verzeichnet. Dann gibt es einen motorischen Test mit bestimmten Übungen. Außerdem gibt es einen Körpercheck, also die körperlichen Fakten der Spieler werden überprüft.
Wie geht es nach dem Test weiter?
Je nach Ergebnis machen wir Vorschläge für die Weiterentwicklung zum Beispiel über Trainingspläne. Es folgen Einladungen zu den Sichtungsturnieren. Es gibt zwei regionale Wasserballcamps. Da sehen wir, wie sich die Spieler entwickelt haben. Wir haben je 20 Plätze im Nachwuchskader I und im Nachwuchskader II. Vielleicht ist es für die Spieler des SCN ganz sinnvoll, dass sie jetzt noch einmal in der B-Gruppe spielen und danach in der A-Gruppe.
Die meisten Kaderspieler haben einen ausgefüllten Trainingsplan. Wie sind Ihre Ansprüche an die Spieler?
Bei der U17 erwarten wir, dass es sieben- bis neunmal Wassertraining wöchentlich gibt, dazu zwei- bis dreimal Krafttraining. Zuerst müssen die Spieler quantitativ genug trainieren, dann können wir über die Qualität sprechen.
Mit welchen Jungs vom SCN werden Sie sich also jetzt noch unterhalten?
Meine Aufgabe ist es, das Turnier zu beobachten und die Spieler, die eine Perspektive haben. Heute kann ich mich noch nicht festlegen. Aber neben Torwart Hendrik Hummel sind mir mehrere Spieler des SCN besonders positiv aufgefallen. Ich stehe auch für ein Elterncoaching zur Verfügung, damit die Eltern die Ideen des Deutschen Schwimmverbandes und unser Sichtungssystem verfolgen können. So könnte beim SCN vielleicht Moritz Oeler mal seinen Werdegang vorstellen. Interview: Heike Klein
Zur Person: Nebojsa Novoselac
Nebojsa Novoselac ist Wasserball- Nachwuchs-Nationaltrainer beim Deutschen Schwimmverband. Der 45-jährige Serbe war von 2006 bis 2013 Trainer von Spandau Berlin, zeitgleich war er ab 2009 beim DSV in verschiedenen Trainerfunktionen beschäftigt. So war er von 2013 bis 2015 für das Herrenteam verantwortlich, seit 2017 ist er für die Junioren zuständig. (kle)