Neustadt
Wasserball: Es dauert, bis Wertung über abgebrochenes Spiel zwischen SC Neustadt und München vorliegt
Wie berichtet, brachen die Schiedsrichter wegen des Verhaltens von Gästetrainer Bojan Fijatov von der SG Stadtwerke München am vergangenen Samstag Mitte des dritten Viertels bei einer 11:8-Führung des SCN die Partie ab. Der kurz vor der Halbzeit des Bades verwiesene Münchner Coach hatte dennoch fünf Minuten später erneut den Moby Dick betreten und sein Team aufgefordert, das Wasser zu verlassen.
Schiedsrichter Norbert Baßmann erklärte dazu anschließend: „Wäre der Trainer nur ins Bad gekommen, hätten wir ihn wieder verwiesen. Aber dadurch, dass er sein Team aus dem Wasser geholt hat, kam es zum Abbruch. Wie das Spiel gewertet wird, kann ich nicht sagen, entweder 11:8 oder 10:0 für Neustadt, das entscheidet der Verband.“
Um diese Entscheidung wird jetzt gerungen. Der SCN und die Stadtwerke München werden von Rundenleiter Daniel Waas angehört. Er schreibt dem SCN mit der Bitte, die Vorfälle bis 16. Februar zu schildern. Waas sagte auf Anfrage, er werde sich zum laufenden Verfahren nicht äußern.
Rüdiger Trommer, Wasserballwart im Bayerischen Schwimmverband, will sich ebenfalls nicht äußern. Auf die Frage, ob es auch zu einer Neuansetzung oder einer 10:0-Wertung für den SCN kommen könne, antwortet er: „Alles ist möglich.“
Held mit Platzwunde am Kopf
Keine Antwort auf die Vorkommnisse gibt es trotz schriftlicher RHEINPFALZ-Anfrage auch vom Wasserball-Fachwart der Münchener. Auf der Facebook-Seite des Vereins heißt es: „Nach der Kopfverletzung eines Münchener Jugendspielers (17 Jahre) durch eine nicht geahndete brutale Handlung durch den Neustadter Kapitän stieg die Anspannung im Spiel erheblich. Aufgrund weiterer nicht geahndeter Handlungen entschied der Münchener Trainer, das Spiel abzubrechen, um einen schlimmeren Ausgang und weitere Verletzungen zu verhindern. Es gilt zu erklären, dass der geschehene Spielverlauf in keiner Weise im sportlichen Interesse der Münchener Wasserballer steht.“
SCN-Manager Michael Heinz bezog auf der Münchner Facebook-Seite öffentlich Stellung und entgegnete, dass es neben der Kopfwunde eines SCN-Jugendspielers auch eine Platzwunde bei SCN-Kapitän Matthias Held gegeben habe. Die hart geführte Partie sei hektisch geworden, nachdem der Münchener Trainer eine Auszeit habe nehmen wollen, was weder von Schiedsrichtern noch Protokolltisch erkannt worden sei. Daraufhin habe der Trainer eine Plastikflasche von sich gefeuert.
Den Schiedsrichter bespuckt
So kam es zur Roten Karte für den Trainer und einer provozierenden Reaktion von Münchens Spieler Abel Katona gegen die Schiedsrichter – er bespuckte sie und wurde ebenfalls des Bades verwiesen. Heinz erklärt weiter im Facebook-Kommentar: „Der Zeitpunkt des Münchener Spielabbruchs war für mich nicht schlüssig. Wenn, dann gab es zu diesem Zeitpunkt Handlungen der Münchner Spieler, die zu Verletzungen unserer Spieler führten. Vielleicht wollte der Münchener Trainer ja nur unsere Spieler vor weiteren Verletzungen bewahren. Insgesamt keine Sternstunde der Mannschaft aus München.“ Der RHEINPFALZ teilte Heinz mit: „Die Platzwunde von Spielführer Held haben wir erst nach dem Spiel entdeckt, sie war unter der Kappe. Die Wunde musste geklammert werden. Xaver Schädler blutete aus beiden Nasenlöchern, als das Spiel unterbrochen wurde.“
Heinz wird das Geschehen, wie es auch im Protokoll vermerkt wurde, dem Rundenleiter mitteilen. Der bayerische Wasserballwart Trommer erwartet, dass sich das Verfahren noch länger hinziehen könnte: „Nach einer Entscheidung von Waas ist auch denkbar, dass von einem der Vereine ein Einspruch kommt. Dann muss ein Schiedsgericht entscheiden.“
Kommentar: Bereuen und entschuldigen
Die Atmosphäre im Stadionbad war bereits vor dem Verweis des Münchener Trainers aufgeheizt. Die Bayern nahmen die SCN-Angreifer unfair in die Zange, was von den Schiedsrichtern zunächst nicht energisch geahndet worden ist. Dennoch ließen sich die SCN-Spieler nicht provozieren, spielten ruhig weiter und kamen dank spielerischer Überlegenheit zu Torerfolgen.
Das schien beim Münchener Trainer für Frust gesorgt zu haben. Selbst nachdem er die Rote Karte erhalten hatte, diskutierte er minutenlang mit den Unparteiischen. Es kam zu einer längeren Unterbrechung. Solche Szenen waren zumindest im Neustadter Stadionbad in den vergangenen zehn Jahren nie zu sehen gewesen. Und es hat in dieser Zeit viele enge und nervenaufreibende Partien gegeben. Was dann im Spiel gegen München folgte, das Bespucken und das Schlagen mit der Kappe nach einem Schiedsrichter, war eine unrühmliche Steigerung.
Dass dann aber ein des Bades verwiesener Trainer erneut am Beckenrand auftaucht, war der Gipfel der Unsportlichkeit. Wenn jetzt die Bayern ihre Unfairness mit dem Verhalten des SCN begründen wollen, bleibt dafür nur Unverständnis. Selbst neutrale Beobachter müssten erkannt haben, wer die Verursacher des Chaos’ waren. München bleibt nur der Weg, das eigene Verhalten zu bereuen und sich für das grobe Fehlverhalten zu entschuldigen.