Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserball: Ein Exnationalspieler im Team des SC Neustadt

Timo van der Bosch hatte sich gewünscht, mit dem Wasserball-Nationalteam bei den Olypischen Spielen anzutreten.
Timo van der Bosch hatte sich gewünscht, mit dem Wasserball-Nationalteam bei den Olypischen Spielen anzutreten.

Timo van der Bosch fackelt nicht lange. In zehn Sekunden steht der Gesprächstermin mit der RHEINPFALZ. Zudem kann der Neuzugang des SC Neustadt im Beruf und im Sport gut zupacken. Nationalspieler war er nicht nur im Wasserball.

Wasserball-Zweitligist SC Neustadt startet mit der Ansage Wiederaufstieg in die Saison (Samstag, 18 Uhr, zweite Runde um DSV-Pokal, SCN gegen SV Bayer Uerdingen). Der Schwimmclub hat sich mit vier neuen Spielern verstärkt. Das Gerüst der Mannschaft bilden die Nachwuchsspieler, die der U18 inzwischen entwachsen sind. Auch die Routiniers Stefan Ehrenklau und Matthias Held sind weiterhin dabei. Doch der wichtigste Neuzugang ist Timo van der Bosch, der über 150-mal für das deutsche Wasserball-Nationalteam angetreten ist, bei drei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft (Platz acht, 2019) im Wasser war.

„Mein Traum waren die Olympischen Spiele in Tokio“, gesteht er. Dem ordnete er drei Jahre nach seiner Ausbildung zum Polizisten alles unter. Ab 2019 arbeitete er nur in Teilzeit. „Bei der Qualifikation für Tokio 2021 sind wir aber sang- und klanglos untergegangen. Das war bitter. Hätten die Spiele regulär 2020 stattgefunden, wären wir mit anderen Akteuren schlagkräftiger gewesen und hätten die Qualifikation vielleicht geschafft. Doch 2020 stiegen einige aus dem Team aus“, erzählt er enttäuscht.

Streifendienst im „Fünf-Schicht-Modell“

Für 2024 in Paris sah er keine Perspektive mehr. Der Kader sei wesentlich jünger geworden, die Qualifikation daher auch sehr unwahrscheinlich. So habe er beschlossen, in der Nationalmannschaft aufzuhören und Vollzeit zu arbeiten. Jetzt ist er im Streifendienst im „Fünf-Schicht-Modell“ unterwegs. Zwei Tage arbeitet er fast ununterbrochen nur mit Schlafpausen, dann hat er drei Tage frei. Mit dem ungewöhnlichen Lebensrhythmus komme er aber gut zurecht und könne auch tagsüber schlafen. Mit seiner Frau wohnt van der Bosch in Ladenburg. Das bedeutet rund 45 Minuten Fahrtzeit zum Training nach Neustadt. Warum der SCN? Van der Bosch lacht. Er habe schon seit rund zehn Jahren mit Manager Michael Heinz Kontakt. Dieser habe ihm angeboten, wenn er kürzer treten wolle, zum SCN zu kommen. Seinen Entschluss zu wechseln, bereut er nicht. Van der Bosch: „Der SCN ist ein herzlicher, familiärer Verein mit toller Jugendarbeit. Die Gespräche mit Mike verliefen immer sehr gut. Aber vor ein paar Jahren passten meine sportlichen Ambitionen nicht zum SCN, weil ich ja international spielen wollte.“

Eine Wasserball-Familie

Van der Bosch wurde früh zur Wasserratte. Seine Mutter Silke war Spielerin, sein Vater Kai trainiert die Frauen in Heidelberg. Auch seine Schwester Sina spielte jahrelang in der Bundesliga. Doch zunächst war der junge Timo zweigleisig unterwegs und spielte zehn Jahre lang ebenfalls Rugby, gehörte der Jugendnationalmannschaft an. „Mit 16 musste ich mich entscheiden, auch wenn es Parallelen bei beiden Sportarten gibt. Ich entschied mich schweren Herzens für Wasserball, weil es eine olympische Sportart ist.“ Seine körperlichen Qualitäten indes setzt er auch im Beruf ein. Der 1,94 Meter große Sportler plaudert über den Alltag als Polizist: „Fast in jeder Schicht im Revier Heidelberg Mitte muss man jemanden körperlich fixieren, muss entschlossen auftreten, auch mal zupacken. Meine Kollegen lassen mir dann schon mal gerne den Vortritt, weil sie wissen, dass ich körperlich überlegen und es vom Sport her gewöhnt bin.“ Dafür seien sie schon dankbar.

Einen Einsatz im Gewässer konnte er gerade noch vermeiden: „Ein Flüchtiger war ins Wasser gesprungen. Es war wieder klar, dass ich von den Beamten derjenige bin, der ihm nachschwimmt. Ich habe mich schon ausgezogen und bereit gemacht. Aber dann kam die Person doch noch freiwillig aus dem Wasser. Darüber war ich ganz froh, denn es war im Winter.“

Ungewissheit Unparteiische

Seine körperliche Präsenz allerdings könnte ihm bei den Wasserball-Schiedsrichtern in der Zweiten Liga Probleme bringen. Er wisse noch nicht, wie die Unparteiischen pfiffen und reagierten, wenn er sich dank seiner Kraft im Angriff durchsetzen könne. „Ich hoffe nicht, dass es gleich als Stürmerfoul gepfiffen wird“, betont er. Er sieht sich im Angriff als Rückraumspieler, um die jungen Akteure gut anzuspielen. Auch als Centerverteidiger in der Abwehr will er zupacken.

Auch wenn er jetzt vom SV Ludwigsburg aus der höchsten deutschen Spielklasse in Liga zwei gewechselt ist, über einen Aufstieg des SCN in die Bundesliga-B-Gruppe am Saisonende würde er sich freuen. „Ganz klar, dann spiele ich wieder Erste Liga immer dann, wenn ich es mit meinem Dienst vereinbaren kann.“

 Timo van der Bosch (hier 2021 für Ludwigsburg gegen Esslingen) stammt aus einer Wasserballer-Familie.
Timo van der Bosch (hier 2021 für Ludwigsburg gegen Esslingen) stammt aus einer Wasserballer-Familie.
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