Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wasser in die Stadt: Verzögert sich Baustellenende erneut?

Die schwarzen Drainageplatten sollen verhindern, dass Wasser in die Klemmhof-Tiefgarage gelangt.
Die schwarzen Drainageplatten sollen verhindern, dass Wasser in die Klemmhof-Tiefgarage gelangt.

Nach einer wetterbedingten Zwangspause werkeln die Arbeiter an der Baustelle „Wasser in die Stadt“ seit einigen Tagen wieder. Doch es ist ein neues Problem aufgetaucht, das das Baustellenende möglicherweise erneut verzögert.

Begleitet von einem stetigen Brummen schiebt Delfim Almeida eine Maschine mit einem überdimensionalen Schwamm über die neuen Pflastersteine in der Laustergasse. Er befreit sie von überschüssigem Zement und Schleiern, beides Rückstände der kürzlich verarbeiteten Fugenmasse. Die größte Fläche – die Kreuzung Badstuben- und Laustergasse – ist bereits fertig. Almeidas Kollege ist derweil mit den neuen Drainagematten auf Höhe der Klemmhof-Tiefgarage beschäftigt. „Die sind notwendig, damit entstehendes Kondenswasser nicht in die Tiefgarage läuft“, erklärt der Baustellenleiter Sebastian Benkmann vom Garten- und Landschaftsbaubetrieb Flörchinger aus Guntersblum im Kreis Mainz-Bingen.

Doch wie sich jetzt herausgestellt hat, wird die Decke der Tiefgarage zum Problem im ersten Bauabschnitt des von Bürgerstiftung und Lions Club angeregten Projekts „Wasser in die Stadt“, bei dem zunächst eine flache Wasserrinne als Nachbildung des Speyerbachs angelegt wird. Laut der städtischen Projektleiterin Kerstin Baum ist die Decke im Übergang von der städtischen zur Klemmhof-Fläche abgetreppt, hat also einen Höhenversatz, was im Vorfeld nicht bekannt gewesen sei. „Das vorgesehene Pflaster ist für diesen Bereich zu hoch“, erklärt Baum. Gemeinsam mit der Baufirma und dem Planungsbüro sucht sie eine Lösung. „Da die Flächen im Eigentum des Klemmhofs liegen, muss für weitere Schritte zunächst die Eigentümergemeinschaft zustimmen“, so Baum.

Zuletzt kein Vandalismus mehr

Inwieweit dadurch das zuletzt für Ostern angepeilte Baustellenende beeinflusst werde, könne sie noch nicht sagen. Somit sei auch unklar, ob die anderthalbwöchige wetterbedingte Zwangspause noch aufzuholen ist.

Die Bauarbeiter, je nach Wetter täglich zwischen 7.30 und 16.30 Uhr zwischen Hauptstraße und Elwedritschebrunnen aktiv, sind es gewohnt, immer wieder umzudisponieren. Etwa dann, als die Pflastersteine auf China auf sich warten ließen. Der eigentlich für das Ende des Bauabschnitts geplante Platz vor der RHEINPFALZ-Geschäftsstelle wurde deshalb vorgezogen. Ungeplante Änderungen gehören dazu, weiß Benkmann. Doch mit den wiederholten Fällen von Vandalismus hätten er und seine Kollegen nicht gerechnet. Zumal in der bewohnten Innenstadt, wo immer die Gefahr bestehe, erwischt zu werden. „Es ist echt ärgerlich, wenn man morgens kommt und es ist wieder etwas beschädigt oder ausgekippt worden“, sagt der Polier. Glücklicherweise sei es zuletzt ruhig geblieben.

Corona: nur geringe Auswirkungen

Corona habe die Arbeiten nur geringfügig beeinflusst. „Für uns im Prinzip nur dahingehend, dass wir aus Hygienegründen nun mit mehreren Autos nach Neustadt fahren müssen“, so Benkmann. Doch macht sich die Pandemie anderweitig bemerkbar: Die vier bis sieben Landschaftsgärtner, Natursteinfachkräfte und Hilfsarbeiter gehen ihrer Arbeit mittlerweile weitgehend unbeachtet nach. „Anfangs hatten wir mehr Publikumsverkehr, das hat sich dann stark reduziert. Einerseits wegen der Lockdowns, andererseits haben sich die Leute vielleicht auch einfach satt gesehen an der Baustelle“, sagt Benkmann. „Manchmal konnte man gar nicht so schnell schauen, da ist jemand durch den Bauzaun geschlüpft, den wir nur für unser Fahrzeug geöffnet hatten“, berichtet der Polier schmunzelnd. Ganz zu schweigen von denjenigen, die am Fenster der RHEINPFALZ-Geschäftsstelle Zeitung lesen wollten.

Beschwerden etwa über die Lautstärke gebe es nur selten. Und Aussagen, dass sich auf der Baustelle nichts tue, ignorieren die Arbeiter geflissentlich, wissen sie es doch besser: „Vor allem zu Beginn hatten wir sehr viel im Untergrund zu tun, da wir ins bestehende Leitungs- und Kanalnetz eingreifen mussten, das hat man eben nicht wirklich gesehen.“

Zisterne größte Herausforderung

Die größte Herausforderung sei die neue Zisterne gewesen, die die Wasserläufe speist. Um sie zu setzen, musste ein Saugbagger anrücken, der erst einmal die Fundamente und Leitungen freilegte. Ein Autodrehkran wurde eingesetzt, um den 18 Tonnen schweren Koloss passgenau in die Grube zu heben. Wäre da etwas schiefgegangen, wäre bei so einigen Geschäften und Anwohnern in der Fußgängerzone der Strom weg gewesen. Denn die Arbeiten verliefen nahe der Trafostation, erklärt Benkmann, der schon seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei Flörchinger absolviert hat.

Das Guntersblumer Familienunternehmen mit rund 40 Mitarbeitern gibt es seit 1995 und wird mittlerweile in zweiter Generation geführt, wie Benkmann berichtet. Und es ist in der Pfalz alles andere als unbekannt. Denn in Schifferstadt hat es bereits den Kreuzplatz saniert, in Ludwigshafen den Rathausplatz, in Speyer den Berliner Platz sowie die Fußgängerzone und in Deidesheim die Außenanlagen mehrerer Winzer und Hotels.

„Randarbeiten“ ohne Vollsperrung

Immer wieder betont Projektleiterin Baum, dass die Stadt froh sei, ein Unternehmen gefunden zu haben, das so gut wie alle Arbeiten selbst übernimmt. Somit auch die „Randarbeiten“, die dann an der Reihe seien, sobald die Grundfläche fertiggestellt sei. „Da auch die Optik eine Rolle spielt, werden wir die angrenzende Mauerfläche zur Tiefgaragenabfahrt am Klemmhof ausbessern, passend zum Pflaster“, so Baum. Auch die Hochbeete gegenüber der RHEINPFALZ und an der Waffeleria würden verschönert. Die Bürgerstiftung und der Lions Club wollten darüber hinaus mit „Kunst am Bau“ ihren Beitrag leisten. Für all diese Arbeiten sei dann aber keine Vollsperrung mehr nötig.

Delfim Almeida (links) und Joao Pereira kümmern sich in der Laustergasse um die Fugen.
Delfim Almeida (links) und Joao Pereira kümmern sich in der Laustergasse um die Fugen.
Die Pflasterarbeiten schreiten voran.
Die Pflasterarbeiten schreiten voran.
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