Neustadt Was tun für eine bessere Welt?
«St. Martin.» Jetzt steht er also da, der stählerne, rote Kunstcontainer, vor der Touristinfo in St. Martin und wartet auf Nutzer. Am Samstag, dem Tag der Eröffnung, waren es trotz der Touristenscharen, die sich bei angenehmen Frühlingstemperaturen durch die pittoresken Gassen schoben, noch nicht allzu viele. Zumindest tagsüber. Denn abends nach der prominent besetzten Podiumsdiskussion konnte Initiator Rudi Fischer zu nächtlicher Stunde noch einmal rund 30 Leute ganz exklusiv in sein Projekt einführen.
Der Berliner Künstler mit Stuttgarter Wurzeln zeigt sich denn auch begeistert über die Reaktionen, die seiner Auffassung nach darauf hindeuten, dass die Botschaft „Gemeinsinn statt Eigensinn“ und die Aufforderung, sich mit den universellen ethischen Werten der Menschheit zu beschäftigen, tatsächlich angenommen werden. So habe die Besitzerin einer Eisdiele in St. Martin spontan angekündigt, künftig auf Plastik zu verzichten, berichtet er. Eine Lehrerin wolle demnächst mit ihrer Schulklasse vorbeikommen, eine Familie künftig weniger Fleisch konsumieren. Und eine Einladung, seine Ideen bei der BASF vorzustellen, habe er auch erhalten. Doch was kann man nun konkret vor Ort sehen? Die stählerne Box, in ihrem früheren Leben als Schiffscontainer sicher immer gut gefüllt, ist von einer gerade metaphysischen Leere erfüllt. Sanfte Elektro-Klänge sind zu vernehmen. Ansonsten lenken nur fünf dicke Aufschriften mit Sätzen wie „5 common sensens but no common value“ den Blick auf sich. Denn der Hauptaspekt ist die Verlinkung des eigenen Smartphones mit einer Homepage, für die man am Eingang die Zugangsdaten erhält. Wenn es klappt und man sich nicht ständig vertippt oder wegen der Sonne nichts auf dem Display sehen kann, wird man durch ein Tableau mit Fragen hindurchmanövriert, die letztlich auf die eine große hinauslaufen, was man selbst für eine bessere Welt tun kann. Denn die Frage welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen, ist das Thema, das Fischer umtreibt. Im Gespräch brandmarkt er die Heuchelei, dass Leute mit Tränen in den Augen über das Bienensterben reden, zugleich aber ihren Nachwuchs die 100 Meter zum Kindergarten mit dickem SUV kutschieren. Sein Projekt versteht er dabei als soziale Plastik. Jeder, der mitmacht, wird über seine Antworten zum Bestandteil des Kunstwerks. St. Martin ist erst die zweite Station des roten Containers nach Stade, wo er im April/Mai 2017 an den Start ging. Und er soll, wenn es mit dem Geld klappt, noch vier „Kollegen“ in anderen Farben an die Seite gestellt bekommen, die, so Fischers Traum, als Botschafter universeller Werte um den Globus reisen. Wie genau das aussehen soll, kann man in der begleitenden Ausstellung im Obergeschoss der Alten Kellerei erfahren. Noch Fragen? Der Kunst-Container und die zugehörige Ausstellung in der Alten Kellerei sind bis 14. Mai täglich von 10–17 Uhr bei der Tourist-Info, Kellereistraße 1, in St. Martin zu besichtigen. Die individuellen Log-in-Daten für die interaktiven Elemente in der Box gibt es bei der Aufsicht. Weitere Infos unter www.container-artcare.de.