Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Saison 2021/22 Schönes in Sachen Theater in den Saalbau bringt

Der Schweizer Delio Malär spielt den ebenso genialen wie flegelhaften Musikstar Mozart in der Eurostudio-Landgraf-Inszenierung v
Der Schweizer Delio Malär spielt den ebenso genialen wie flegelhaften Musikstar Mozart in der Eurostudio-Landgraf-Inszenierung von »Amadeus«.

Innige Liebesszenen wie in „Romeo und Julia“, verbale Nahkämpfe wie bei Yasmina Reza oder Massenaufmärsche à la „Nabucco “ – und das alles dann auch noch in gut besuchten, abgeschlossenen Räumen. Das geht seit über einem Jahren gar nicht mehr auf den Bühnen der Republik. Aber nach den Plänen der Neustadter Kulturabteilung soll die Ebbe in Sachen Theater nun zumindest im Saalbau bald definitiv ein Ende haben.

Zehn Theater-Termine sind zwischen 21. Oktober und 24. Mai für die Saison 2021/22 festgezurrt. Weil die Abo-Reihen nach wie vor ausgesetzt sind und man sich ohnehin für jedes Stück gesondert Karten besorgen muss, ist die immer schon etwas künstliche Trennung zwischen Schauspiel und Leichte Muse nach wie vor auf Eis gelegt. Ein Trend, der sich dagegen fortsetzt, ist, dass es kaum mehr genuines Theater gibt – den beiden Komödien-Klassikern „Die Streiche des Scapin“ von Molière und „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist und Peter Shaffers Mozart-Stück „Amadeus“, das vielen freilich auch vor allem durch den Film von Milos Forman ein Begriff sein wird, stehen sage und schreibe drei Stücke gegenüber, die auf Filmstoffen basieren, und zwei, denen Erzähltexte zugrunde liegen. Für etwas Ausgleich sorgt da das Pfalztheater aus Kaiserslautern, das in dieser Spielzeit dreimal nach Neustadt anreist und dabei neben der Heinrich-Böll-Adaption „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ auch noch eine Donizetti-Opern-Gala und den gerade für die ehemalige Gauhauptstadt Neustadt sicher sehr interessanten Theatermonolog „Bürckel“ von Peter Roos mitbringt.

Im Herbst warten Molière, Donizetti und zwei bekannte Filmkomödienstoffe

Starten soll der Theater-Reigen 2021/22 nach den Plänen der Kulturabteilung allerdings am 21. Oktober mit dem Molière-Stück „Die Streiche des Scapin“ in einer Inszenierung des „Neuen Globe Theaters“ aus Potsdam. Das schauspielergeführte Tourneetheater war mit dem quirligen Stück aus bester Commedia-dell’arte-Tradition bereits für April 2020 gebucht, doch der Termin fiel damals mitten in den ersten Lockdown. Mittlerweile hat die spielfreudige Truppe nach eigenen Angaben alle ihre Inszenierungen corona-konform umgemodelt – man kann sich allerdings nicht so recht vorstellen, wie das bei acht Bühnenakteuren und 140 Minuten reiner Spielzeit funktionieren soll. Kürzen kann man sicher nicht, denn die Handlung um den schlitzohrigen Diener Scapin, der hilft, dass vier junge Liebende trotz geiziger Väter ihr Happy End feiern können, ist verwickelt. Zudem hat das „Neue Globe Theater“ auch noch eine Rahmenhandlung gestrickt, in der der Autor Molière mit seiner Truppe höchstselbst die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt.

Am 11. November folgt die Tragikomödie „Das perfekte Geheimnis“ in einer Inszenierung des Agon-Theaters aus München. Wem der Titel bekannt vorkommt, liegt richtig: Das Stück ist die Bühnenversion des gleichnamigen Films mit Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring, der 2019/20 rund fünf Millionen Menschen in die deutschen Kinos lockte und selbst bereits ein Remake des italienischen Kinofilms „Perfetti Sconosciuti“ von Paolo Genovese aus dem Jahr 2016 war. Das Thema ist so richtig aus dem Leben gegriffen: Sieben Freunde spielen beim gemeinsamen Abendessen ein gefährliches Spiel. Jede Nachricht, die im Laufe des Abends auf den sieben Handys ankommt, wird laut vorgelesen, Bilder und Filmchen bekommen alle zu sehen. Sehr schnell zeigt sich: Jonglieren mit entsicherten Handgranaten wäre auch nicht wesentlich gefährlicher… Denn jede und jeder hat nicht nur ein öffentliches und ein privates Leben, sondern auch ein geheimes.

Ein weiterer „Nachholtermin“ folgt am 9. Dezember: „Schtonk!“, eine vom Studio Landgraf auf die Bühne gebrachte Adaption des gleichnamigen Films von Helmut Dietl um die gefälschten Hitler-Tagebücher des „Stern“, die ursprünglich schon im Mai 2020 eingeplant war. Nur fünf Tage später kommen dann endlich auch mal wieder die Neustadter Opernfreunde zum Zuge – weil große Inszenierungen immer noch mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden sind, allerdings „nur“ in Form einer Opern-Gala, die Höhepunkte aus den drei Historienopern „Anna Bolena“, „Maria Stuarda“ und „Roberto Devereux“ von Gaetano Donizetti zusammenbringt. Weil die alle im 16. Jahrhundert, in der auch bei Serien-Fans sehr beliebten Tudor-Epoche, in England spielen, trägt das Ganze den schönen Titel „Donizettis Tudor Queens“. Die Auswahl und die Leitung hat der neue Generalmusikdirektor am Pfalztheater, Daniele Squeo.

Mit cineastischen Déjà-vus geht’s im neuen Jahr auch weiter

Mit cineastischen Déjà-vus geht’s im neuen Jahr dann gleich weiter: Im Januar bringt das Tournee-Theater Thespiskarren aus Hannover zunächst seine Version der französischen Filmkomödie „Drei Männer und ein Baby“ zur Vorstellung. Im Februar folgt abermals Landgraf mit Peter Shaffers Drama „Amadeus“, das die Geschichte des ebenso genialen wie flegelhaften Musikstars Mozart aus der Sicht seines Konkurrenten Antonio Salieri erzählt. Und Anfang März reist erneut das Münchner Agon-Theater an – diesmal mit dem Stück „Mein Blind Date mit dem Leben“, der auf dem zwischenzeitlich auch verfilmten Roman des Deutsch-Singhalesen Saliya Kahawatte basiert, der es schafft – obwohl fast vollständig erblindet –, seinen Traum von einer Hotelfachausbildung im renommierten Hotel „Bayrischer Hof“ zu verwirklichen, obwohl seine Vorgesetzten keine Ahnung von seiner Einschränkung haben.

Das Pfalztheater Kaiserslautern macht Ende März und im Mai den Neustadter Saalbau dann noch zwei weitere Male zu seiner Dépendance: mit „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, einer Adaption der gleichnamigen Erzählung von Nobelpreisträger Heinrich Böll, die die zerstörerischen Mechanismen der Boulevardpresse thematisiert, und mit dem Theatermonolog „Bürckel“, der Geschichte des bekanntlich in Neustadt gut vernetzten Pfälzer NS-Gauleiters, mit Hannelore Bähr in der Rolle seiner Witwe. Das Stück feierte im Oktober im Pfalztheater Premiere, konnte seitdem aber nicht mehr aufgeführt werden. Dazwischen bringt die „Theaterkompagnie Stuttgart“ noch Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ auf die Saalbau-Bühne, die berühmte Farce um den korrupten Dorfrichter Adam, der über eine Tat zu Gericht sitzt, die er selbst begangen hat.

Die Termine:

Donnerstag, 21. Oktober: Die Streiche des Scapin

Donnerstag, 11. November: Das perfekte Geheimnis

Donnerstag, 9. Dezember: Schtonk!

Dienstag, 14. Dezember: Donizettis Tudor Queens

Donnerstag, 6. Januar 2022: Drei Männer und ein Baby

Mittwoch, 16. Februar: Amadeus

Donnerstag, 3. März: Mein Blind Date mit dem Leben

Dienstag, 22. März: Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Donnerstag, 28. April: Der zerbrochne Krug

Dienstag, 24. Mai 2022: Bürckel

Noch Fragen?

Alle Theater-Abende finden im Neustadter Saalbau statt und beginnen um 20 Uhr. Die Abo-Verträge bleiben nach wie vor ausgesetzt. Karten gibt es daher jeweils nur für Einzelveranstaltungen. Der Vorverkauf startet für alle Interessierten am 1. September unter www.ticket-regional.de und bei Vorverkaufsstellen wie Tabak-Weiss und Media-Markt. Für einige der Theater-Gastspiele gibt es wieder am Veranstaltungstag um 19.30 Uhr Einführungen.

Kein Corona-Abstand: Das „Neue Globe Theater“ aus Potsdam eröffnet am 21. Oktober mit der spritzigen Molière-Komödie „Die Streic
Kein Corona-Abstand: Das »Neue Globe Theater« aus Potsdam eröffnet am 21. Oktober mit der spritzigen Molière-Komödie »Die Streiche des Scapin« die Neustadter Theater-Saison 2021/22.
x