Neustadt
Was die Panoramabar so besonders macht
Wenn eine neue Bar öffnet, konzentriert sich das Interesse meistens auf die Frage, welches gastronomische Konzept der Betreiber verfolgt, welche besonderen Getränke und eventuell auch Speisen die Gäste dort erwarten. Gemessen daran war die Präsentation einer neuen Bar in Neustadt am Montagnachmittag eine ganz andere Veranstaltung: Denn im Mittelpunkt stand der Beton, aus dem das Gebäude besteht.
Freilich ging es um keine gewöhnliche Bar, sondern um die Panoramabar der Landesgartenschau, deren Rohbau bereits steht. Und zwar an einem besonderen Ort, wie auch Beigeordneter Bernhard Adams (parteilos) bei einer Art Richtfest sagte. Sie wurde auf dem Deponiehügel errichtet, der im Volksmund Monte Scherbelino genannt wurde. Das hier sei lange terra incognita, also unbekanntes Land, gewesen, sagte Adams, nur wenige hatten Zugang zu dem Hügel und der stillgelegten Deponie. Für normale Neustadter sei der Bereich gesperrt gewesen. Jetzt werde er für die Öffentlichkeit zugänglich, und man bekomme „einen Berg, der Nutzen stiftet und nicht einfach nur da ist“. Adams wollte auch möglichen Bedenken begegnen. Der Hügel sei standsicher und „da dünstet auch nichts aus“. Die Bar soll nach der Landesgartenschau 2028 für Veranstaltungen genutzt werden. Sollte sich ein Gastronom finden, der sie dauerhaft betreiben wollte, würde er wohl offene Türen einrennen.
Mit Ton aus dem Westerwald gebaut
Doch nicht nur der Standort ist ein besonderer, sondern auch die Bauweise, die einmal dazu beitragen könnte, dass Bauen weniger klimaschädlich wird. Denn Beton gilt aufgrund seines Hauptbestandteils Zement als heftige CO2-Schleuder. In der Forschung wird an Ersatzlösungen gearbeitet – und eine solche ist in Neustadt in der Form erstmals Realität geworden. Dahinter stecken Forscher wie Nancy Beutner von der Universität der Bundeswehr München und Matthias Maier vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen, die die Panoramabar als Leuchtturmprojekt bezeichneten. Die beiden stellten die Idee dahinter vor: Zement wird ersetzt durch calcinierten Ton, der in der Herstellung viel weniger CO2 emittiert. Ein Vorteil sei auch, dass Ton in vielen Teilen der Welt vorkomme, sagte Maier, denn in der Bauindustrie werden Unmengen an Beton gebraucht.
Beutner bekannte, dass sie zwischenzeitlich glaubten, das Projekt nicht stemmen zu können, wegen des engen Zeitplans. Und dann gebe es nicht viele, die den Baustoff in Deutschland herstellen können. Fündig wurden sie dann im Westerwald, bei dem Unternehmen Goerg und Schneider, das im Norden von Rheinland-Pfalz Ton abbaut.
Für die Neustadter Panoramabar wurde laut der Forscherin nur die Hälfte der üblichen Zementmenge gebraucht, 36 Prozent CO2 seien auf diese Weise eingespart worden. Man könne da allerdings auch den Gedanken haben, „da muss doch noch mehr gehen“, sagte Beutner. Das sei auch technisch möglich, doch scheitere man da an den rechtlichen Vorgaben in Deutschland. So habe man den neuartigen Beton nur für Innenteile und nicht für Außenteile, die dem Wetter ausgesetzt sind, einsetzen dürfen. In der Bilanz sagte die Wissenschaftlerin: „Das erste Projekt ist immer das schwierigste, aber auch das schönste.“
Getränk genießen auf der Naturtribüne
Auch Florian Goerg, der in vierter Generation das Westerwälder Familienunternehmen leitet, sagte: „Das Produkt kann viel mehr, als erlaubt ist.“ Er appellierte an die Politik, die Markteinführung durch die starke Regulierung nicht weiter zu erschweren.
Architekten von Studio C und Atelier Loidl führten im Anschluss durch und um das Gebäude. Herzstück ist ein großer „Partyraum“, der nach Osten, also in die Rheinebene ausgerichtet ist. Je nach Wetter lässt er sich öffnen oder geschlossen halten. Außerdem gibt es noch einen Lagerraum und Platz für Toiletten. Spektakulär ist auch der Blick auf den Haardtrand. Der wird sich künftig von einer Naturtribüne erleben lassen, die sich an der Westseite des Gebäudes hochzieht und auf dem Dach der Bar endet, das zur Terrasse wird. Eingefasst wird die Tribüne von Trockenmauern, die zum großen Teil schon stehen. Gebaut wurden sie aus Material, das auf dem Gelände gefunden wurde oder bei der Renaturierung des Speyerbachs angefallen ist.
Anne Pieper, die Geschäftsführerin der Landesgartenschau-Gesellschaft, sprach mit Blick auf die Naturtribüne von einem Highlight. Sie kündigte an, dieses im Gartenschaujahr durch eine entsprechende Bepflanzung noch zusätzlich zu inszenieren. Dort sollen die Besucher dann entspannt Getränke zu sich nehmen können. Dafür wird es einen Stand neben der Bar geben. Die Panoramabar wird im Veranstaltungsjahr nicht als solche genutzt werden können. Das habe steuerliche Gründe, erklärte Pieper auf Nachfrage. Würde die Bar als solche bewirtschaftet, müsste sie in dem halben Jahr so viel Gewinn machen, dass die kompletten Baukosten refinanziert würden. „Das ist nicht machbar“, sagte Pieper.