Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum eine Mail der Stadtverwaltung mit Bildern von Schülern des KRG Diskussionen auslöst

Das KRG-Gelände vom neuen Radweg aus gesehen.
Das KRG-Gelände vom neuen Radweg aus gesehen.

Am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium herrscht Aufregung unter Lehrern, Schülern und Eltern, weil in mindestens zwei Fällen Fotos von Schülern im Schulhof gemacht wurden. Der Versuch einer Spurensuche.

Fest steht: Anfang Mai machte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes von außerhalb des Schulgeländes Bilder, die belegen sollen, dass von Schülern die Corona-Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Das bestätigt die Stadt auf Anfrage. Auch am 12. und 13. Mai seien Verstöße festgestellt worden, allerdings ohne erneut Bilder aufzunehmen.

Weil die Schule für die Einhaltung der Corona-Richtlinien zuständig sei, gingen die Bilder innerhalb der Verwaltung ans Schulverwaltungsamt, die sie mit einem kurzen Kommentar an die Schulleitung weiterleitete. Die offensichtlich knappe Form der Kommunikation sorgte aber dafür, dass Schulleiterin Lenelotte Möller keine Veranlassung sah, der Stadt zu antworten.

Stil- und Kommunikationsfragen

Es gab einen Hinweis an die Schüler. Der Vorgang sprach sich aber an der Schule herum und sorgte wohl für Kopfschütteln.

Es wäre bei der Diskussion um Stil- und Kommunikationsfragen geblieben, wenn nicht am 8. Juni zwei Schülerinnen der achten Klasse von einem vorbeifahrenden Radfahrer beim Lernen von Vokabeln auf dem Schulhof fotografiert worden wären. Jetzt schlugen nämlich deren Eltern bei Schulleitung und Elternbeirat Alarm und erfuhren so, dass der Stadtverwaltung Bilder von Schülern vorliegen.

Kontrollen der Hygienevorschriften

Eine erboste Mutter rief beim Schulverwaltungsamt an und wurde ans Ordnungsamt verwiesen. Dort hieß es nur, dass es Kontrollen der Hygienevorschriften beim KRG gebe. An dem besagten 8. Juni sei aber kein Mitarbeiter vor Ort gewesen.

Eine Auskunft, die in der Schule nicht für Beruhigung sorgt. „Erst werden Bilder gemacht, dann weiß man von nichts. Wer ist der Urheber? Was passiert mit den Bildern? Handelt es sich hier um Denunziantentum oder gibt es Motive für den Fotografen, die ich mir überhaupt nicht ausmalen will? Was ist eigentlich mit Hygienevorschriften für den Schülertransport?“ Fragen, die Heike Renz aus Bad Dürkheim, eine Mutter der beiden Achtklässlerinnen, stellt und in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Marc Weigel, die Schule und den Schulelternbeirat weitergeleitet hat.

Stadt will Bilder vernichten

Schulleiterin Lieselotte Möller hält sich auf Anfrage zurück, möchte nicht weiteres Öl ins Feuer gießen: „Gehen Sie davon aus, dass wir selbstständig in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass bei uns die Abstandsregeln eingehalten werden.“ Sie habe anfangs vermutet, dass die Aufnahmen vom 8. Juni auch auf das Ordnungsamt zurückzuführen seien.

Alf Bettinger, der Leiter der Ordnungsbehörde, spricht von einem völlig normalen Vorgang, dass Verstöße im öffentlichen Raum fotografiert werden: „So lange das der Ermittlung und der Bewertung eines Verstoßes dient, ist das rechtmäßig. Selbstverständlich werden die Bilder im Anschluss daran vernichtet.“ Da bei der Verwaltung das Prinzip gelte, dass immer nur eine Stelle mit einem Externen kommuniziere, habe man den Fall an die Schulverwaltung abgegeben.

Waltraud Blarr zuständig

Die zuständige Dezernentin für die Ordnungsbehörde und die Schulen ist Waltraud Blarr, die von Oberbürgermeister Marc Weigel gebeten wurde, sich dem offenen Brief anzunehmen. Blarr verteidigt das Vorgehen des Ordnungsamtes. Anfang Mai habe es viele besorgte Bürger gegeben. Da sei es wichtig gewesen, die Bedeutung der Abstandsregeln zu unterstreichen.

Der Mitarbeiter der Schulbehörde habe die Bilder an die drei in Frage kommenden Schulen, die Realschule plus, die Berufsbildende Schule und das KRG, geschickt. „Der Text in der Mail war wohl etwas flapsig formuliert. Das hätte man formaler machen müssen“, räumt sie ein. Auf der anderen Seite sei es offensichtlich um volljährige Oberstufenschüler gegangen, von denen man mehr Verantwortungsgefühl erwarten dürfe. Es gebe derzeit eine hohe Arbeitsbelastung in der Schulabteilung. Deshalb bringe sie Verständnis auf, wenn einmal etwas nicht so rund laufe.„Das war sicher nicht so gemeint“, so Blarr, die ankündigt, sich mit der Briefschreiberin Heike Renz in Verbindung zu setzen.

Strafanzeige gestellt

Die Eltern der beiden Schülerinnen haben mittlerweile Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. „Es liegt eine sehr konkrete Beschreibung des Mannes mit dem Fahrrad vor. Die Ermittlungen laufen“, so Polizeisprecher Stefan Molter.

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