Neustadt
Warum Eh-da-Flächen so wichtig für die Natur sind
Seit 2016 weist die Stadt Neustadt ganz offiziell Eh-da-Flächen aus. Als „Kommune für biologische Vielfalt“ entwickelt sie Ideen, um die Lebensqualität von Menschen, Tieren und Pflanzen durch die naturnahe Nutzung freier Flächen im gesamten Stadtgebiet zu erhöhen. Wie viel Fläche dafür zur Verfügung steht, ermittelte vor fünf Jahren die Firma Agroscience. Das passende Konzept für die Flächen stammte vom Institut für Agrarökologie in Mußbach.
Ganz nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ wurde bei den Berechnungen schnell klar: Mit Eh-da-Flächen kann ein beachtlicher Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden. Denn die Experten ermittelten 2656 einzelne Eh-da-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 417 Hektar. Das sind immerhin 3,6 Prozent der gesamten Fläche Neustadts. Allerdings sind nur knapp 50 Prozent davon in städtischem Besitz. Bei allen anderen Gebieten ist die Verwaltung auf die Mitwirkung der Eigentümer angewiesen. Da das Engagement freiwillig ist, suchen die Verwaltungsexperten seit Jahren immer wieder das Gespräch mit den Eigentümern und loten Möglichkeiten für neue Schutzzonen aus. Und es werden neue Eh-da-Optionen geprüft. Große Flächen besitzen zum Beispiel der Golfclub Pfalz, das Technische Hilfswerk oder die Schlossstiftung Hambacher Schloss.
Rasenmäher kommt kaum zum Einsatz
Auf den geschützten Eh-da-Flächen sollen vor allem auch Blühpflanzen ungestört wachsen können, Brutbiotope zu fördern. So soll neuer Lebensraum für Tiere entstehen – etwa für die Wildbienen. Umwelt- und Grünflächenabteilung der Stadt weisen daher Landwirte, Imker, Jäger, Schulen oder Vereine auf die Eh-da-Idee hin und werben um die Ausweisung neuer Areale. In der Regel sei das ganz einfach und billig: Denn die Flächen sind ja schon da und werden gar nicht genutzt. Sie müssen nur nach einer ausgiebigen Blühzeit einmal gemäht werden, erklärt die Umweltabteilung der Stadt.
Allerdings könne man nicht alle Flächen einfach so sich selbst überlassen. Das Ziel sei schon, den ökologischen Gesamtzustand zu verbessern, so die Stadt. Daher werden die Standorte erst einmal bewertet und dann entschieden, welche Bepflanzung dort Sinn ergibt. Die Umweltabteilung habe daher unterschiedliches Saatgut für Blumenwiesen besorgt. Stolz ist die Verwaltung darauf, dass sie 27 Bereiche, die bisher sehr oft einfach nur gemäht worden sind, in Eh-da-Flächen umgewandelt habe und diese sich nun weitestgehend sich selbst überlasse. Man habe gemerkt, welch großes Potenzial in den Flächen stecke und wie viele Blumen dort blühten. Beispiele dafür finden sich am Mußbacher Kreisel, an der Nachtweide und an verschiedenen Parkplätzen.
„Keine Steingärten“
Umweltdezernentin Waltraud Blarr freut sich daher, dass das Bundesumweltministerium eine weitere Förderung plant, um städtisches Grün weiter aufzuwerten und somit die Artenvielfalt zu verbessern. Ziel sei es, möglichst viele Flächen nachhaltig zu entwickeln. Man leiste damit auch einen Beitrag, um die Städte mit einer besseren grünen Infrastruktur an die Folgen des Klimawandels anzupassen, so die Umweltdezernentin. Neustadt werde sich beim Förderaufruf auf alle Fälle melden. Blarr hofft, dass sogar ein Biodiversitätsmanager eingesetzt werden kann, um „die dauerhafte und an die entsprechenden Standorte angepasste Pflege der unterschiedlichen Flächen zu gewährleisten“. Blarr appelliert zudem an die Bürger: Sie könnten sich einbringen und ihre Gärten zu Eh-da-Flächen umwandeln, wenn sie auf Steingärten verzichten oder einen Teil des Gartens sich selbst überlassen.