Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Zweitliga-Spieler des SC Neustadt Fehler machen dürfen

Wer ist zuerst am Ball? Der Neustadter Tim Schwarzkopf (rechts) oder der Frankfurter Strhinja Lucic?
Wer ist zuerst am Ball? Der Neustadter Tim Schwarzkopf (rechts) oder der Frankfurter Strhinja Lucic?

Die Zweitliga-Partie SC Neustadt gegen Frankfurt wirkt wie ein Trainingsspiel. Trotzdem müssen die Neustadter am Mittwoch zur Videoanalyse.

Was war das für ein Wasserballspiel am Samstag im Stadionbad: Der SC Neustadt bezwingt die Gäste aus Frankfurt mit 19:4 (6:3, 6:0, 3:0, 4:1). Diese Begegnung mutete wie ein Trainingsspiel an, war aber ein offizielles Saisonspiel der Zweiten Wasserball-Liga Süd. Der Erfolg der Gastgeber hätte noch um zehn Treffer höher ausfallen können.

Dennoch lehrte Gästetrainer Sebastian Held im ersten Viertel die Zuschauer das Fürchten. Lautstark und sehr bewegungsintensiv in der erlaubten Coachingzone peitschte er sein Team nach vorne und wies seinen Spielern immer wieder ihre Positionen zu. Zwar erzielte der SCN zunächst die Führung, doch bereits in der Anfangsphase vertändelte er viele Chancen. Und dann gingen die Gäste gar mit 2:1 in Führung. Auch wenn Xaver Schädler danach für den SCN ausglich, sollte er später, wie seine Teamkollegen, noch viele Torgelegenheiten auslassen.

Held, Schwarzkopf, Guth kombinieren

Doch zunächst das 3:2 für die Gastgeber mit einer Traumkombination: Kapitän Matthias Held eroberte den Ball, passte auf Tim Schwarzkopf. Der spielte quer zu Philipp Guth, der konzentriert abschloss. Danach war bei den Hessen die Luft raus. Nach dem 6:3 im ersten Viertel blieben die Frankfurter über 16 Minuten, also zwei Viertel lang, ohne Treffer. Gästetrainer Held: „Wir backen in dieser Saison ganz kleine Brötchen. Unser bester Spieler ist abgewandert, unser Stammtormann hat gewechselt. Wir sind stark verjüngt. Ich war in der Anfangsphase einfach nur froh, dass zu diesem Zeitpunkt auch ein paar Dinge funktioniert hatten bei uns.“

Erneut funktionierte die Neustadter Abwehr hervorragend, die Spieler mussten nur drei Zeitstrafen hinnehmen. Der 16-jährige neue Stammkeeper Joona Vagts zeichnete sich mehrfach aus. „Es wird stärkere Gegner geben, heute kam wenig auf mein Tor, vieles haben die Verteidiger schon geklärt“, sagte er. „Aber Spiele gegen Männer laufen doch anders als bei der Jugend. Man darf sich in der Zweiten Liga keine Fehler erlauben, da ist meine Schonzeit vorbei.“

Einstand eines 15-Jährigen

Einen gelungenen Einstand in seinem ersten Zweitligaspiel verbuchte Flynn Laux: Der 15-Jährige, der noch für die U16 spielberechtigt ist, erzielte drei Treffer. Doch der Protokolltisch hatte bei Treffer zwei versagt und das Tor fälschlicherweise Xaver Schädler zugeschrieben. Im Nachhinein ließ sich das Protokoll nicht mehr korrigieren, obwohl Laux, Trainer Preuß und auch das inoffizielle RHEINPFALZ-Protokoll den Treffer korrekt dem Junior zugerechnet hatten. Laux quittierte den Fehler achselzuckend, während er die Badekappen seines Teams sortierte. „Das ist immer die Aufgabe des jüngsten Spielers in der Mannschaft“, erklärte er seinen Mützenjob. Ganz unabhängig davon, ob er sich während der Partie Verdienste mit seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit im Angriff erworben hat. Vor der Partie habe er schon Respekt vor den gestanden Männern gehabt, verriet Laux. Sie tickten anders als Jugendspieler.

Fehler sind erlaubt

Trainer Thorsten Preuß, im „Nebenjob“ auch Vater von Flynn Laux, sah über die vergebenen Chancen seiner Mannschaft großzügig hinweg. Erneut wurden zwei Fünfmeter vergeben und einige Konter leichtsinnig vermasselt. Doch Preuß rechnete vor: „15 Tore Differenz, das ist okay. Dass wir Chancen vergeben haben, lag an der Konzentration und der fehlenden Spannung. Wir sind immer noch am Üben. Die Spieler dürfen Fehler machen und dann aus den Fehlern lernen.“ Damit meinte er vor allem die jungen Spieler, die aus der U18 nachgerückt sind und daher zu den Jüngsten im Becken gehören. Für Preuß war ebenso wichtig, allen Spielern genug Einsatzzeit zu geben. Auch wenn er in der ersten Hälfte sein Team immer wieder sehr energisch nach vorne schickte, um etwas für das Torverhältnis zu tun. Nach der Pause kam dann eine weniger intensive Phase mit dem „zweiten Anzug“, den Spielern von der Ersatzbank. Um zu lernen, werden sie am Mittwoch beim Videoabend die Fehler analysieren. Das Spiel wurde wie immer komplett gefilmt.

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