Neustadt Wahl in Neustadt: Viel Wind um nichts?

Drei statt zwei: Nach Vorgaben des Landes sollen künftig mindestens drei Windräder in einer Konzentrationszone stehen.
Drei statt zwei: Nach Vorgaben des Landes sollen künftig mindestens drei Windräder in einer Konzentrationszone stehen.

RHEINPFALZ-OB-Wahlprüfsteine (4 und Schluss): Die OB-Kandidaten zum Thema Windenergie

Marc Weigel, FWG:

Die Freien Wähler haben vor etwa eineinhalb Jahren mit der Unterstützung vieler Bürger die von CDU und Grünen betriebene Blitzaktion zur Genehmigung zweier Windräder bei Mußbach gestoppt. Zunächst müssen wir nun aber die gesetzlich vorgeschriebene Anpassung unseres Flächennutzungsplans vornehmen. Die jetzt vorliegende Windpotenzialstudie lässt in der Neustadter Gemarkung nur den bekannten Mußbacher Standort zu, allerdings ohne dessen Wirtschaftlichkeit und die Auswirkungen auf den Artenschutz zu thematisieren. Wir können uns dem Fortgang des Verfahrens momentan nicht verschließen. Ich habe aber schon jetzt erhebliche Bedenken, weil der Standort näher als bisher geplant an das Naturschutzgebiet „Baggerweiher“ und das angrenzende Vogelschutzgebiet heranrückt. Hinzu kommen die finanziellen Risiken, weil die Windräder mangels Windstärke nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Vor solchen Verlusten will ich die Stadt bewahren. Für den Investor mag sich das Projekt mit Blick auf die Subventionierung lohnen, die wirtschaftlichen Risiken und die fragwürdige Effizienz rechtfertigen nicht die erhebliche Beeinträchtigung der Kulturlandschaft. Ich werde mich weiter gegen einen Windpark Mußbach einsetzen. Ingo Röthlingshöfer, CDU: Erneuerbare Energien sind die Zukunft. Darauf muss Neustadt setzen. Deutschland ist zu Recht aus der Atomenergie ausgestiegen, da die Risiken zu groß sind und die Frage der Endlagerung nach wie vor ungeklärt ist. Mittlerweile werden die Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu erzeugen, immer ausgereifter. Sie zählen immer mehr zu unserem Alltag, und wir gewöhnen uns daran. Das gilt auch für Windräder, auch wenn sie nicht jedem gefallen. Mir auch nicht. Gerade weil wir eine so schöne Landschaft besitzen, die ein Kern unseres Tourismus darstellt, ist es nötig, den Bau möglicher Windräder auf eine bestimmte Fläche zu konzentrieren. Zu den Stadtwerken: Sie gehören uns allen und versorgen uns sicher mit lebensnotwendiger Energie. Es ist mir wichtig, dass dies auch in unserer Hand bleibt. Das können die Stadtwerke aber nur gewährleisten, wenn sie sich zukunftsfähig aufstellen. Dazu gehören eben auch erneuerbare Energien und neue Geschäftsfelder. Solarstrom ist hier zu nennen, ebenso wie der Ausbau der Fernwärmeversorgung. Grundsätzlich reizvoll wäre auch ein Engagement im Bereich neuer, zukunftsfähiger Mobilitätssysteme. Pascal Bender, SPD: Neustadt kann bei der Nutzung regenerativer Energien und der Energieeffizienz noch deutlich besser werden. Ich halte es für unbedingt erforderlich, dass sich der nächste Oberbürgermeister dieser Themen annimmt. Auf lokaler Ebene halte ich die Bündelung dezentraler Energieerzeugung für den sinnvollen Weg. Dies ermöglicht zum einen eine gewisse Unabhängigkeit und zum anderen eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Herausforderungen der Energiewende. Zur Energiewende gehört, dass wir darüber nachdenken müssen, wie wir als Stadt aktiv daran teilnehmen. Auch deshalb unterstütze ich die Stadtwerke in ihrer Strategie, die Energieversorgung durch verschiedene Standbeine sicher zu stellen und sich mit dem Thema Windräder auf Neustadter Gemarkung auseinanderzusetzen. Neustadt darf sich der Nutzung regenerativer Energien nicht verschließen, sondern wird sie aktiv befördern. Wir haben es erreicht, den Haardtrand Windrad-frei zu halten, wir sollten aber ergebnisoffen und ohne polemische Panikmache prüfen, wo wir auf unserer Gemarkung welche Quellen regenerativer Energie nutzen können. Der Strom kommt eben nicht einfach nur so aus der Steckdose.

Marc Weigel
Marc Weigel
Ingo Röthlingshöfer
Ingo Röthlingshöfer
Pascal Bender
Pascal Bender
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