Neustadt Wärme und Strom aus dem Schulkeller
Was haben die Pfarrkirche in St. Martin, deren Ursprünge ins Mittelalter zurückreichen, das Grundschulgebäude aus dem 19. Jahrhundert, das Pfarrzentrum aus dem 20. Jahrhundert und der noch nicht fertiggestellte Bau der Kindertagesstätte gemeinsam? Ein Heizsystem nach neuester Technik und den Anschluss an eine Nahwärme-Insel.
Effektiv, kostensparend und umweltschonend sollte das Heizsystem sein. Wolfgang Hormuth hatte für die Kirchenstiftung St. Martin den Kontakt zu den Pfalzwerken aufgenommen, weil eine neue Heizung für das Pfarrzentrum gesucht wurde. Schließlich machten die Verbandsgemeinde Maikammer als Träger der Grundschule und die Ortsgemeinde St. Martin, die den Kindergarten errichtet, mit. Gemeinsam setzen sie nun auf Kraft-Wärme-Kopplung. Nun stehen ein Blockheizkraftwerk sowie ein neuer Gaskessel im Keller der Grundschule. Versorgt werden bis jetzt die Schule, das Pfarrzentrum und die Kirche über Nahwärmeleitungen. Der Neubau der Kindertagesstätte wird später ebenfalls angeschlossen. Zurzeit steht erst der Rohbau. Im Blockheizkraftwerk (BHKW) arbeitet ein gasbetriebener Ottomotor, der an einen Generator gekoppelt ist. Er erzeugt so Wärme und Strom. Das Kühlwasser aus dem BHKW läuft durch einen Wärmetauscher und dann ins Nahwärmesystem. In der Pfarrkirche sorgt das neue System für die Grundwärme. Bei Gottesdiensten wird eine Stromheizung in der Kirche zugeschaltet. Für Spitzenlasten, etwa jetzt im Winter, erzeugt der Gaskessel eine thermische Leistung von 250 Kilowatt. Das Blockheizkraftwerk hat eine Leistung von 20 Kilowatt und läuft etwa 6000 Stunden im Jahr. Mit den erzeugten 120.000 Kilowattstunden im Jahr könnten etwa 30 Einfamilienhäuser mit Strom versorgt werden, verdeutlicht Wirtschaftsingenieur Sebastian Koch von den Pfalzwerken. Der Strom wird vorrangig für den Eigenbedarf der angeschlossenen Gebäude genutzt. Überschussmengen werden ins Stromnetz eingespeist. Das Heizsystem sei „bestes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, sich mit Nachbarn zusammenzuschließen, um gemeinsam eine effiziente und umweltgerechte Versorgung auf die Beine zu stellen“, sagte Verbandsbürgermeister Karl Schäfer bei der Inbetriebnahme. Der Verbandsgemeinderat hatte sich noch vor der Fusion mit der Verbandsgemeinde Edenkoben im Mai 2014 dafür entschieden. Schäfer meint, die Nahwärme-Insel könne beispielgebend auch für private Gebäudebesitzer sein, sich zusammenzuschließen, damit ein solch effizientes System möglich werde. Denn ein Blockheizkraftwerk rentiert sich erst ab einer bestimmten Größe. Bei normalen Einfamilienhäusern ist es in der Regel nicht wirtschaftlich. Investor und Betreiber der „Nahwärmeinsel“ ist die Pfalzwerke AG, die das System auch wartet. Die Wärmelieferverträge wurden für eine Laufzeit von 15 Jahren abgeschlossen. Die alten Öltanks des Pfarrzentrums und in der Schule sind inzwischen bereits stillgelegt. An den Gebäuden des Pfarrzentrums und künftig auch der Kindertagesstätte gibt es dann nur noch eine handliche Übergabestation zu bedienen. Das Nahwärmesystem liefert auch einen Beitrag zum Klimaschutz: Mit dem Ersetzen der alten, ineffizienten Einzelheizungen werden nach Angaben der Pfalzwerke AG 45 Prozent des Treibhausgases Kohlendioxid eingespart. Das entspreche etwa 50 Tonnen im Jahr. (ff)