Neustadt
Vortrag von Lutz Frisch: Die vielen Facetten eines Neustadter Arztes
Intensiv beschäftigt sich Frisch mit dem Hambacher Fest, seit er sich 2009 aus der Politik zurückgezogen hat. Unter anderem hält er Vorträge über Persönlichkeiten des Hambacher Festes. Am 15. April spricht der 82-Jährige in der Alten Winzinger Kirche über Dr. Johann Adam Philipp Hepp.
Lutz Frisch wurde in Mainz geboren, ist aber in Hambach aufgewachsen. Als Kind hat er in den damals noch vorhandenen Ruinen der Maxburg – dies der ursprüngliche Name das Hambacher Schlosses – gespielt und vom Hambacher Fest erfahren. Für den Neustadter Kommunalpolitiker gab es immer wieder Berührungspunkte zum Hambacher Fest. Als Frisch 1999 Kulturdezernent wurde, übernahm er auch die Zuständigkeit für das Stadtarchiv.
Vielzahl von Veröffentlichungen
„Ich habe festgestellt, dass im Stadtarchiv eine Fülle von Dokumenten zum Hambacher Fest vorhanden ist, mit denen sich niemand beschäftigt und sie ausgewertet hat“, erzählt Frisch. Zwar gibt es eine Vielzahl von Veröffentlichungen zum Hambacher Fest, doch sei wohl keiner der Autoren im Neustadter Stadtarchiv gewesen.
2009 begann Frisch, der in Heidelberg Latein und Sport studiert und nach dem Studium am Leibniz-Gymnasium unterrichtet hat, sich mit der „Fülle von Dokumenten“ im Stadtarchiv zu beschäftigen. 2012 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Deutschlands Wiedergeburt. Neustadter Bürger und das Hambacher Fest 1832“, das von der Bezirksgruppe Neustadt des Historischen Vereins der Pfalz herausgegeben wurde.
Biographien über Beteiligte am Hambacher Fest
Danach habe er sich vor allem mit der Neustadter Universität befasst, die 1578 vom Pfalzgrafen Johann Casimir gegründet worden war, erzählt Frisch. Das Hambacher Fest sei ab etwa 2018/2019 wieder in den Vordergrund getreten. In dieser Zeit war in Neustadt die Diskussion entfacht worden, Straßen, deren Namen an inzwischen politisch missliebige Personen erinnerten, einen anderen Namen zu geben.
Frisch regte an, die Straßen nach Personen zu benennen, die zur Zeit des Hambacher Festes eine wichtige Rolle gespielt haben. Er erstellte Kurzbiographien über acht Männer des Hambacher Festes. Der Vorschlag von Frisch wurde nicht umgesetzt, doch er begann sich intensiver mit dem Leben dieser Männer zu beschäftigen.
Hepp war Wissenschaftler und politisch aktiv
Bei Veranstaltungen der Bezirksgruppe des Historischen Vereins hat Frisch bisher über Ludwig Theobald Dacqué, Johann Heinrich Hochdörffer, Johann Jakob Schoppmann und Johann Philipp Abresch gesprochen. Hepp war eine der wenigen Personen, die beim Hambacher Fest und bei der Revolution 1848 beteiligt war. Er war nicht nur politisch aktiv, er war Arzt, Wissenschaftler, Botaniker, Mitgründer der Pollichia und ein bekannter Flechtenforscher. Frisch wird in seinem etwa einstündigen Vortrag auf diese verschiedenen Facetten von Hepp eingehen.
Frisch ist nicht der erste Neustadter, der sich mit Hepp befasst. Der 2025 verstorbene „Doppeldoktor“, Dr. Dr. Gerhard Wunder, ebenfalls langjähriger Kommunalpolitiker – von der SPD – und in der Bezirksgruppe des Historischen Vereins, hatte sich mit Hepp beschäftigt.
Ein beliebter Arzt
Hepp ist 1797 in Kaiserslautern geboren, „sein Großvater mütterlicherseits stammte aus Neustadt“, berichtet Frisch. Hepp hat in Würzburg Medizin und Arzneimittelkunde studiert und sich schon da intensiv mit Flechten beschäftigt. „In seiner Promotion ging es um die Flechten in der Umgebung von Würzburg“, erzählt Frisch.
1824 kam Hepp als Assistenzarzt an die Kranken- und Irrenanstalt nach Frankenthal. Frisch vermutet, dass Hepp schon damals nach Neustadt wollte, denn er sei im November 1824 in die Neustadter Lesegesellschaft eingetreten. Zwei Jahre später kam Hepp als Arzt nach Neustadt, praktizierte und wohnte in der Vizedomei am Marktplatz. „Er war beliebt als Arzt“, sagt Frisch. Er vermutet, dass das Elend und die Armut, die Hepp als Arzt gesehen hat, dazu beigetragen haben, dass er politisch aktiv wurde.
Experte für Flechten
Hepp war einer der Gründer des Neustadter Preß- und Vaterlandsvereins, er war Mitunterzeichner der Einladung zum Hambacher Fest, hielt bei der Veranstaltung die Eröffnungsrede und eine Tischrede. Es sei nicht sicher überliefert, ob Hepp ursprünglich für die Eröffnungsrede vorgesehen war oder ob er für den erkrankten Johann Jakob Schoppmann eingesprungen ist, ebenso sei nicht eindeutig geklärt, ob Hepp Vorsitzender des Pressvereins oder Mitglied des Vorstands war, sagt Frisch.
Man könne davon ausgehen, dass der Revolutionär Hepp recht wohlhabend war. So habe er, nachdem er zehn Jahre in der Vizedomei gelebt und als Arzt praktiziert hatte, für sich und seine Familie ein prachtvolles Bürgerhaus gebaut, dies an der Stelle, an der heute die Deutsche Bank ihre Filiale hat.
Flucht in die Schweiz
Ob Hepp in den Jahren nach dem Hambacher Fest weiter als Arzt praktiziert hat, kann Frisch nicht sagen. Sicher sei, dass der Revolutionär sich intensiv mit Flechten beschäftigt hat. In seinem Vortrag wird Frisch unter anderem darüber berichten, wie viele Gattungen, Arten und Unterarten von Flechten Hepp entdeckt hat, dass Flechten nach ihm benannt sind und dass Hepp, der nach der Revolution 1848/1849 im Exil in der Schweiz lebte und sich auch dort mit Flechten befasste, Bücher und Herbarien über Flechten veröffentlicht hat. 1840 war Hepp einer der Mitbegründer der Pollichia zur naturwissenschaftlichen Erforschung der Pfalz und von 1842 bis 1849 deren Vorsitzender.
Das wird ebenso ein Aspekt des Vortrags von Frisch sein, wie die Rolle von Hepp bei der Revolution 1848/1849 und warum er in die Schweiz fliehen musste. Zu seinem Vortrag wird Frisch 20 Bilder zeigen.
Neuer Ort der Vorträge des Historischen Vereins ist die Alte Winzinger Kirche. Die sei für Vorträge sehr gut geeignet, „ich freue mich darauf“, sagt Frisch.
Info
Vortrag von Lutz Frisch zu Dr. Johann Philipp Adam Hepp, Mittwoch, 15. April, 19.15 Uhr, Alte Winzinger Kirche, Kirchstraße 40