Neustadt
Vor 40 Jahren: Gasexplosion im Kalmithaus fordert 14 Verletzte
Mittwoch, 14. Oktober 1981. Die Pfälzerwald-Hütten sind geöffnet. Wanderer strömen in den Wald. In der Kalmithütte bereiten die Vereinsmitglieder Deftiges zu. Die ersten Gäste trudeln ein. Es ist 11.30 Uhr, als es ohrenbetäubend knallt. „Sekundenbruchteile später fliegt die Gaststätte des Pfälzerwald-Vereins (PWV) Ludwigshafen/Mannheim in die Luft. Hilferufe, das Wimmern von Verletzten. Die enorme Druckwelle hat Sauerkraut an die Wand geschleudert. Halbe Leberknödel liegen auf dem Tresen und zwischen den Trümmerhaufen. Ein Damenschuh liegt draußen, wo man ansonsten den herrlichen Ausblick in die Rheinebene genießt“, beschreibt der RHEINPFALZ-Reporter die Szenerie in seinem Artikel einen Tag später.
14 Verletzte, darunter zwei schwer, so die Bilanz des Unglücks. Die Feuerwehr vermutet schnell, dass es eine Gasexplosion war, zumal es stark nach Gas riecht. Tatsächlich stellt sich im Laufe der Untersuchungen heraus, dass ein Anschlussstück zwischen einer Haupt- und einer Nebenleitung undicht war. Das führte zu einer Explosion im Weinkeller der Hütte. So teilt es ein Sachverständiger der Bezirksregierung Neustadt wenige Tage später mit. Die RHEINPFALZ berichtet am 17. Oktober 1981, dass der Auslöser der Katastrophe – ob es das Anzünden eines Gasofens war oder möglicherweise ein brennendes Streichholz – noch nicht feststeht.
Fernmelder helfen
Die Explosion zerstört das östliche Vorderhaus, in dem sich der große Gastraum mit Theke befand. Schlimmeres können Mitarbeiter des Neustadter Fernmeldeamtes verhindern, die ihren Dienst im benachbarten Funkturm verrichten. Sie alarmieren die Rettungskräfte, drehen den Haupthahn des Gastanks ab und leisten Erste Hilfe. Unter den Hüttenbesuchern ist auch ein Arzt, der die Verletzten erstversorgt. „Wir waren geschockt, als wir oben ankamen“, erinnert sich Sabine Breitner von der Feuerwehr Maikammer.
Für die damals 16-Jährige war es der erste Einsatz. „Ich hatte die Ausbildung abgeschlossen und viele Übungen mitgemacht, aber gleich bei einem Großeinsatz dabei zu sein, war aufregend“, erzählt die Feuerwehrfrau. Eine Explosion sei zudem auch für die Feuerwehr nichts Alltägliches. Macht man alles richtig? Was ist als nächstes zu tun? Sie sei nicht mit den ersten oben gewesen, habe aber später einen Blick auf die Unfallstelle werfen können. Zusammen mit einer Kollegin war Sabine Breitner für die reibungslose An- und Abfahrt der Einsatzfahrzeuge zuständig. „Diese Zerstörungswucht in der Realität zu sehen, hatte mich sehr beeindruckt“, sagt die 56-Jährige.
Durcheinander an Informationen
„Unser damaliger erster Vorsitzende Ludwig Becker hatte mich noch am gleichen Tag über die Explosion informiert“, erinnert sich Leonhard Hopf, einer der damaligen Vorstände des Pfälzerwald-Vereins Ludwigshafen/Mannheim. Es sei ein ziemliches Durcheinander von Informationen gewesen. Erst sei die Rede von mehreren Schwerverletzten gewesen. Später sei diese Zahl zum Glück nach unten korrigiert worden. Wie schlimm war es tatsächlich? Kann man überhaupt weitermachen?
Wenige Tage nach dem Unglück fuhr Hopf mit dem gesamten Vorstand zum Unglücksort. Beim Anblick der zerstörten Hütte war er fassungslos. „Wie sollen wir das jemals wieder aufbauen“, fragte sich das Vorstandsmitglied. Der Verein verfügte nicht über genug Eigenkapital. Trotzdem musste es ja irgendwie weitergehen.
Neustart im März 1982
Noch im November machte der Verein publik, dass zeitnah ein provisorischer Hüttenbetrieb eingerichtet werden soll. Im nicht beschädigten Nebenraum werde eine Theke aufgebaut und für 80 Gäste Platz geschafft, teilte der Vorsitzende Ludwig Becker in einem RHEINPFALZ-Artikel vom 20. November mit. Unterstützung gab es vom Technischen Hilfswerk und der Bürgerinitiative Aktion 72, die freiwillig beim Wiederaufbau half. Becker warb um Spenden für den Aufbau: „Wir bitten alle Pfälzerwälder und Wanderfreunde, uns beim Wiederaufbau unseres Kalmithauses, der Ludwigshafener Hütte, zu helfen.“ Bereits im März 1982 öffnete das Kalmit-Haus wieder für Gäste.
Im Jahr darauf war der Wiederaufbau abgeschlossen – auch dank des großen ehrenamtlichen Einsatzes vieler PWV-Mitglieder. Der Grundriss des alten Anbaus war beibehalten worden. Nur die Außenmauern wurden massiv gebaut und mit Holz verkleidet, weswegen von außen kaum eine Veränderung zu sehen war. Am 10. Juni 1983 lud der Verein zur Einweihungsfeier.
Leser-Tipps
An die Gasexplosion im Kalmit-Haus wurde die RHEINPFALZ-Redaktion vor einigen Wochen von einem Leser erinnert. Wenn auch Sie Tipps haben, über welche besonderen, außergewöhnlichen Ereignisse, die schon lange zurückliegen, wir berichten sollten, schreiben Sie uns eine E-Mail an redneu@rheinpfalz.de. Wir werden dann versuchen, das historische Ereignis aufzugreifen.