Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Von Erlebnissen beim Mußbacher Triathlon

Nina Heidemann muss ihre Startnummer die ganze Zeit festhalten.
Nina Heidemann muss ihre Startnummer die ganze Zeit festhalten.

„Das ist eine schöne Gegend hier“, sagt Julian Erhardt. Er hat den 29. Mußbacher Triathlon gewonnen. Beim Schwimmen, Radfahren und Laufen hat nicht jeder Zeit, sich die Landschaft anzuschauen. Mancher muss sich bei Pannen zu helfen wissen.

Helfer in dicken Jacken. Triathleten, die nach den Zieleinlauf schnell den Weg unter die warme Dusche suchen. Der 29. Triathlon des TV Mußbach über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen) ist bei kaltem Wind für alle eine Herausforderung. „Mich hat tatsächlich ein Teilnehmer gefragt, ob er Handschuhe anziehen soll“, erzählt Herbert Renner, Triathlon-Abteilungsleiter im TV Mußbach, lachend. „Im Wasser war es wärmer aus draußen“, stellt Frank Kiefer aus Edenkoben fest.

Er ist der Allererste, der in Mußbach durchs Ziel läuft. Tagesschnellster ist er allerdings nicht. Weil die erste Disziplin des Mußbacher Triathlons im Stadionbad absolviert wird, müssen die Sportler in verschiedenen Startgruppen ins Rennen gehen. Kiefer gehört der ersten Gruppe an, die um 8.30 Uhr losschwimmt. Er ist insgesamt 1:08,28 Stunden unterwegs. Der Tagesschnellste Julian Erhardt (Grassau) startet eine Stunde nach Kiefer. Er braucht für den Sprint nur 53:21 Minuten.

Nässe auf der Radstrecke

Mit etwas Nässe hat Frank Kiefer es auch auf der Radstrecke zu tun, die bei Meckenheim über Straßen, aber ebenfalls über Feldwege führt. „Es war sehr holprig im Feld, steinig, sandig und nass“, erzählt er. Landwirte hätten dort ihre Felder bewässert. Diese Teile der Radstrecke haben das Organisationsteam am Vorabend schon ins Schwitzen gebracht. Bei einer letzten Streckenkontrolle stellt das Team fest, „dass die letzten 400 Meter auf dem Wirtschaftsweg nach Meckenheim total verdreckt sind“. „Da wurden Radieschen geerntet“, erzählen Herbert und Heike Renner. Die Erntehelfer hätten aber versprochen, das Wegstück zu reinigen. Heike Renner: „Die haben bis 21 Uhr gearbeitet und anschließend sauber gemacht.“

Julian Erhardt hat mit der Radstrecke kein Problem. „Ich kenne die Umstände – die Strecke ist vertretbar“, sagt er. Weil nach Starkregen im Juli 2021 auf der alten Radstrecke im Gimmeldinger Tal ein Stück Straße weggebrochen ist, mussten die Mußbacher sich einen neuen Radkurs suchen. Erhardt bezeichnet die neue Strecke gar als anspruchsvoll, obwohl sie kaum Steigungen hat: „Sie ist technisch anspruchsvoll, da gibt’s einige Abzweigungen.“

Beste Laufzeit

Für Erhardt ist es kein Start-Ziel-Sieg. Als Vierter kommt er aus dem Wasser. Auf dem Rad habe er „mal vorne, mal nicht vorne“ gelegen. Erst bei Radkilometer 15 habe er die Führung übernommen. Und nicht mehr abgegeben. Erhardt: „Das Laufen hat sich gut und kontrolliert angefühlt.“ In 16:20 Minuten läuft er die fünf Kilometer am schnellsten. Ein Saisonziel von Julian Erhardt ist es, zum dritten Mal nach 2018 und 2019 die Gesamtwertung um den BASF-Triathlon-Cup Rhein-Neckar (TCRN) zu gewinnen. Neben dem Rennen in Mußbach fließen noch die Ergebnisse aus den Wettkämpfen in Maxdorf (12. Juni), Heidelberg (17. Juli), Ladenburg (23. Juli) und Viernheim (27. August) in die Cupwertung ein.

Nicht allen Teilnehmern in Mußbach geht es ums Gewinnen. Josephine Westwood hat ihren ersten Triathlon absolviert. Und es soll garantiert nicht ihr letzter gewesen sein, schwärmt die Mußbacherin im Ziel vom Ausdauersport. Dabei hat der Tag gar nicht gut, sondern extrem aufregend für die 16-Jährige begonnen. „Ich hatte den Transponder für die Zeitnahme zu Hause vergessen“, verrät sie später. Dies habe sie erst zehn Minuten vor dem Start bemerkt. „Jemand hat dann zu mir gesagt, ich soll doch ohne starten.“ Gesagt, getan. Nach etwa eineinhalb Stunden habe sie ihren Triathlon beendet. In der Ergebnisliste allerdings ist sie nicht berücksichtigt. Dieser Fauxpas mit dem vergessenen Transponder, sagt sie, „wird mir nie wieder passieren“. Josephine Westwood: „Aber ich bin angekommen. Und darauf bin ich stolz.“

Startnummernband kaputt

Eine kleine Panne muss auch die schnellste Frau, die Viernheimerin Nina Heidemann, überstehen. Als sie nach dem Schwimmen in die Wechselzone zu ihrem Rad gekommen sei, habe sie festgestellt, dass ihr Startnummernband gerissen sei. „Ich habe die Nummer fürs Radfahren in meinen Einteiler gesteckt“, erzählt sie. Weil die Startnummer beim Laufen unter dem Rennanzug gescheuert hätte, hat sie sie dann fünf Kilometer lang in der Hand gehalten. „So was ist mir noch nie passiert“, sagt sie später lachend. Als sie alle ihre Sachen in die Wechselzone gebracht habe, sei alles noch in Ordnung gewesen. Behindert hat es Heidemann wohl nicht. Nur neun Männer sind schneller als sie.

Apropos schnell: Der Wettkampf ist fix vorbei. Gegen 11 Uhr kommen die letzten Sportler ins Ziel. Insgesamt sind es nur 150. Nicht nur in Mußbach sind die Teilnehmerzahlen deutlich niedriger als vor der Corona-Pandemie. „Wir merken – wie fast alle Sportveranstalter –, dass die Pandemie starke Spuren hinterlassen hat und sich weniger Teilnehmer anmelden“, sagt TCRN-Geschäftsführer Jürgen Hilberath. Für die Triathleten sei es jedoch erfreulich, „dass bei unseren Rennen noch Plätze frei sind“.

Ruhe am Ausschank

Auch Julian Erhardt macht sich wegen des kleinen Starterfeldes keine Sorgen: „Das läuft langsam wieder an.“ Er habe bemerkt, dass gerade im Hobby- und Breitensport viele wegen der Pandemie genervt seien. Für die 180 Mußbacher Helfer indes hat es auch Vorteile. Am Ausschank ist es ruhiger als sonst. Weniger Teilnehmer bedeuten auch weniger Zuschauer. Die Mußbacher haben deshalb die Anzahl ihrer Gerichte verringert. „Salat und Nudeln mit Sauce haben wir diesmal nicht zubereitet“, erzählt Silvia Pfaff aus dem Wirtschaftsbetrieb der Turnvereins. Und es gibt nur neun Kuchen im Verkauf. Pfaff: „Früher waren es 40.“ Übrig geblieben ist übrigens nichts. Und schon um 15 Uhr ist alles aufgeräumt und gereinigt.

Kuchen, Obst und Getränke gibt es für die Sportler im Ziel.
Kuchen, Obst und Getränke gibt es für die Sportler im Ziel.
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