Neustadt Von der Brieftaube zur Drohne

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Nach einer Winterpause hat das Deutsche Film- und Fototechnikmuseum in Deidesheim wieder die Türen für interessierte Besucher geöffnet. In der Zwischenzeit wurde weiter an dem neuen Museumskonzept gearbeitet. Es besagt, dass die einzelnen Stationen der Film- und Fototechnik an ausgesuchten Exponaten anschaulich erklärt werden sollen.

Außerdem erhielt nun endlich die ausgestopfte Brieftaube ihre technische Ausrüstung in Form einer kleinen Panoramakamera. Vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte Julius Neubonner 1908 eine Luftbildkamera zur Luftaufklärung. Solche Kameras wogen nur 75 Gramm und wurden Brieftauben mit einer speziellen Halterung umgebunden. Die Panoramakamera verfügt über ein Schwenkobjektiv mit einem Zeitauslöser. „Das ist eine wichtige Station in der Fotogeschichte“, betont Museumsleiter Dr. Wilfried Heide. Die Originale dieser Apparate kosten zwischen 15.000 bis 20.000 Euro. In Deidesheim handelt es sich aber nur um ein handgearbeitetes Replikat von Heinz-Rudolf Oberländer. Das Resultat dieser Fototechnik kann man auf dem ausgestellten Foto von Schloss Friedrichshof sehen, an dessen Rändern zufällig die Flügelspitzen der Taube zu erkennen sind. Wegen der häufigen Zufallsaufnahmen erwies sich die Luftaufklärung mittels Brieftauben jedoch ziemlich schnell als unpraktisch und wurde bald von Beobachtungen aus dem Zeppelin und Flugzeugen abgelöst. Das Prinzip des Schwenkobjektivs hielt sich jedoch noch Ende des vergangenen Jahrhunderts. Und hundert Jahre später, bei den heutigen ferngesteuerten Drohnen, die mit digitaler Technik ausgestattet sind, bleibt beim Ausspähen sicher nichts mehr dem Zufall überlassen. Für das Museum sind im Eingangsbereich weiter Vitrinen für Sonderausstellungen geplant. Auch soll neben der Fototechnik das eigentliche Produkt, die Fotokunst, mehr berücksichtigt werden. Dies wird schon jetzt mit der Wechselausstellung von Werken verschiedener Nachwuchsfotografen im Treppenaufgang des Museums praktiziert. Erste Gästegruppe in diesem Jahr waren, am vergangenen Freitag, 26 pensionierte Kameraleute des ehemaligen Südwestfunks aus Baden-Baden. Während der zweistündigen Führung fanden besonders die Fernsehkameras großen Anklang, die früher ihr jahrelanges „Handwerkzeug“ waren. (vnl)

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