Neustadt Von der Analytik bis hin zur Vinifikation
Die Analytik war der Anfang. Inzwischen hat sich der Fokus des Weinlabors vermehrt auf den Dienstleistungssektor ausgeweitet. Alles rund um den Wein, dafür steht auch das Familienunternehmen „Briegel Oenologe“, das in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert.
Aus dem einstigen Weinlabor ist inzwischen ein Unternehmen gereift, dessen Schwerpunkt in der Fachberatung von der Bewirtschaftung im Weinberg über die Kellerwirtschaft bis hin zur Vinifikation liegt. Mit der Übergabe an seine Tochter, Diplom-Oenologin Caroline Briegel und deren Ehemann Martin, hat Firmengründer Klaus Briegel auch seine Nachfolge gesichert. Caroline und Martin Briegel haben mit der Übernahme der Leitung des einstigen Weinlabors Briegel ihrem Unternehmen einen neuen Anstrich gegeben. Das einst von Klaus Briegel und dessen Ehefrau Ingrid gegründete Analyselabor ist dennoch nicht in den Hintergrund geraten. Im Gegenteil: Klaus Briegel ist weiterhin in der Beratung gefordert. Das Steckenpferd von Klaus Briegel ist die Sensorik, und das soll es nach dem Wunsch seiner Tochter und des Schwiegersohnes auch bleiben. Das Weinlabor Briegel e. K. ist ein amtlich zugelassenes Labor für alle deutschen Weinanbaugebiete für Wein, Schaumwein und Spirituosen. Tagtäglich liefern Winzer, Genossenschaften und Kellereien unzählige Proben für die Analyse ab. Wie viele Proben jährlich durchgeführt werden, da kann Martin Briegel nur den Kopf schütteln. „Das wissen wir selbst nicht“. Über 70 Quadratmeter Fläche umfasst das Labor, wo die vier festangestellten Mitarbeiter tagtäglich nach den Inhaltsstoffen analysieren. Seit März 2017 ist es ein akkreditiertes Prüflaboratorium, das auch nach den Richtlinien des „Kontrollvereins ökologischer Landbau e. V.“ bio-zertifiziert ist. Als Vorstandsmitglied im Verband Deutsche Weinanalytiker ist Martin Briegel auch überregional aktiv. Mit 64 Jahren hat der Firmengründer Klaus Briegel auch noch nicht die Absicht, kürzer zu treten. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Martin Briegel. Das Weinlabor gehört zu den wenigen zertifizierten und akkreditierten Einrichtungen, die zur Vergabe der amtlichen Prüfnummern zugelassen sind. Dennoch hat sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit knapp zehn Festangestellten bedient Briegel vorwiegend Kunden im Umkreis von 30 Kilometern. Nahm die Analytik früher noch 80 Prozent der Tätigkeit ein, so zählen Beratung und Sensorik inzwischen zu den wichtigsten Leistungen. „Nur die Analytik, das hätte mir keinen Spaß gemacht“, meint Martin Briegel. Der 33 Jahre alte Diplom-Oenologe, der nach dem Abitur zunächst Betriebswirtschaft studiert hatte, um dann noch ein Duales Studium am Weincampus in Neustadt absolvierte, brachte mit seiner Ehefrau frischen Wind in das Unternehmen. Er verfolgt den ganzheitlichen Ansatz im Weinbau und will die Winzer dort unterstützen, wo sie seinen Rat benötigen. „Es hängt alles miteinander zusammen“, sagt Briegel. Er kümmert sich um die Stilistik der Weine und darum, wie diese Stile erreicht werden können. Deshalb reicht seine Beratung von der Klon- und Sortenwahl bis hin zum Ausbau. Briegel forscht, entwickelt und veröffentlicht wissenschaftliche Fachberichte. Im Laufe der Jahre wurden die Räume erweitert. Neben den 200 Quadratmetern im jetzigen Standort kam im vorletzten Jahr noch gegenüber eine Lagerhalle dazu. Über den Umsatz machte das Unternehmen keine Angaben. Briegel bietet selbst Seminare in seinen Räumen an. Premiere feierte kürzlich das Oeno-Forum mit einer Reihe von namhaften Referenten, aber auch mit einer Vielzahl von Produzenten, die Zulieferer für den Winzer sind. .Über 200 Winzer nahmen am Oeno-Forum teil. Das Forum soll künftig alljährlich vor der Weinlese stattfinden. Caroline Briegel hat Weinexpertisen in den Mittelpunkt gerückt, also detaillierte Weinbeschreibungen beispielsweise für Internetauftritte von Weingütern. Auch wirkt das Ehepaar bei der Entwicklung neuer Toastingverfahren für Holzfässer mit. Seine aktuelle Innovation ist „eine spezielle Hefe für Riesling. Dabei handelt es sich um eine Naturselektion aus Spitzenlagen von der Mittelhaardt, deren Markteinführung gerade nach fünfjähriger Entwicklungsphase begonnen hat.