Neustadt Vom Rettungsauto bis zum Wein: Was die Johanniter alles zeigen

Das Kreuz auf Weinflaschen des Staatsweinguts veranschaulicht die Johanniter-Verbindung.
Das Kreuz auf Weinflaschen des Staatsweinguts veranschaulicht die Johanniter-Verbindung.

Die Geschichte der Johanniter ist schon mehrere Jahrhunderte alt. Doch kaum jemand weiß, was unter dem Dach des Ordens alles angeboten und gemacht wird. Das soll sich am Sonntag ändern.

Die Johanniter – viele kennen das markante Kreuzsymbol und den Rettungsdienst. Aber dass dahinter noch einiges mehr steckt, ist vielen weniger klar. Daher gibt es nun erstmals einen großen und zentralen Johannitertag in der Vorderpfalz. Und zwar im Staatsweingut Neustadt mit Johannitergut – zu finden auf dem DLR-Gelände in Mußbach. Der Weingutsname verrät schon. Es gibt da Zusammenhänge. Aus dem Grund sei der Ort auch ausgewählt worden, sagen Alexander von Massow und Konstantin Boltenhagen. Denn im Herrenhof in Mußbach haben die Johanniter einst in einer eigenen Kommende Weinbau betrieben. Ab 1290 gehörte das Weingut dem Johanniterorden, ehe es 1970 vom Land Rheinland-Pfalz gekauft wurde. Ein Teil des Verkaufserlöses kommt übrigens noch heute der Arbeit des Johanniterordens zugute.

Dieser Orden ist gewissermaßen die Dachorganisation, erklären von Massow und Boltenhagen. Potenzielle Mitglieder werden gefragt und müssen Bürgen haben. „Wie ein Aufsichtsrat“, beschreibt von Massow augenzwinkernd die Aufgabe des Ordens. Denn das eigentliche Ziel sei „zu helfen“. Boltenhagen sagt es so: „Man ist Mitglied im Orden, um dann Gutes zu tun.“ Und das geschehe in den Organisationen des evangelischen Ritterordens. Am bekanntesten ist die Unfallhilfe. Es gibt aber auch die Hilfsgemeinschaften sowie den Betrieb von Altenheimen und Krankenhäusern. Für Jugendliche gibt es Gruppen für gemeinsame Aktivitäten.

Kühlschrank gespendet

„Wir wollen etwas machen, um anderen konkret zu helfen“, beschreibt Boltenhagen den Ansatz speziell in der Hilfsgemeinschaft, wo das Ehrenamt überwiege. So habe die Tafel Grünstadt einen neuen Kühlschrank gebraucht. Die Johanniter hätten „einen Kühlschrank besorgt und als Spende übergeben, einfach nur Geld gibt es von uns nicht“. Als zweites Beispiel nennt von Massow das Johanniter-Altenheim in Kleinniedesheim. Dort organisieren die Ehrenamtlichen mal ein Konzert oder einen Ausflug: „Da brauchen wir dann schon auch mehrere Helfer, damit wir für jeden Bewohner jemanden haben, der den Rollstuhl schiebt.“

Der Aktionstag am Sonntag soll den Besuchern vor allem zeigen, „dass die Johanniter mehr sind als Blaulicht“. Zwar werde ein Rettungswagen auf dem Gelände sein – und jeder könne sich dort mal die Technik anschauen. Aber es kommen auch Transportfahrzeuge und die Feldküche, da die Johanniter auch den Bereich Katastrophenschutz abdecken. Die Feldküche werde am Sonntag auch die Verpflegung der Gäste übernehmen. „Es gibt Kartoffelsuppe, da wird alles frisch gemacht, wie bei einem Einsatz, und alle können zuschauen“, sagt Boltenhagen. Außerdem werde gegrillt. Die ganze Johanniter-Familie solle „zum Anfassen“ erlebbar sein am Sonntag. Dazu gehöre auch die Motorradstaffel sowie die Ausbildungsbereiche rund um Erste Hilfe. Zudem gibt es Einblicke in die Arbeit des Staatsweinguts.

Rund 30 Helfer werden im Einsatz sein, um alles vorzubereiten. „Wir wollen, dass ein Ausflug zu uns Spaß macht und man auch viel Neues erfährt“, sagt von Massow.

Info

Johannitertag im Staatsweingut auf dem DLR-Gelände in Neustadt-Mußbach (Breitenweg 71). Von 11 bis 17 Uhr gibt es ein buntes Programm und Infostationen sowie Essen und Trinken. Bereits um 10 Uhr gibt es in der Johanneskirche in Mußbach einen Gottesdienst mit Johanniter-Pfarrer Thomas Jakobowski.

Zur Sache: Johanniterorden

Der Johanniterorden wurde vor über 900 Jahren in Jerusalem als Hospitalorden gegründet, um Menschen unabhängig von ihrer Abstammung und Religionszugehörigkeit medizinisch zu versorgen. Der evangelische Ritterorden führt seinen Namen auf Johannes den Täufer als Vorbild und Ordenspatron zurück. Die Mitglieder verpflichten sich dem Kampf gegen den Unglauben und Einsatz für den Nächsten. In der Pfalz besaßen die Johanniter zwei Standorte: in Heimbach erinnert nur noch ein Gedenkstein an die Johanniter. Mußbach ist der zweite Standort – an die frühere Johanniter-Geschichte erinnert der Herrenhof. Der Johanniterorden gliedert sich in 16 Genossenschaften (im Prinzip die Bundesländer). Der Orden ist Träger der Unfallhilfe, der Hilfsgemeinschaften sowie von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Symbol ist ein achtspitziges Kreuz, das Malteser- oder Johanniterkreuz. Es ist das Nationalsymbol von Malta und das Symbol verschiedener christlicher Orden.

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