Neustadt Vom Leerstand zum Dorftreff: So läuft die Sanierung des Milchhaisels

Das Milchhaisel am Dorfplatz steht vor einer neuen Zukunft. Das marode Dach wurde erneuert.
Das Milchhaisel am Dorfplatz steht vor einer neuen Zukunft. Das marode Dach wurde erneuert.

Lange stand das Milchhaisel in Duttweiler leer, nun wird das Gebäude saniert. Mit viel Eigenleistung und Expertise aus dem Dorf soll ein neuer Treffpunkt für alle entstehen.

Das Milchhaisel in der Dudostraße in Duttweiler ist derzeit eingerüstet. Alexander Hoffmann blickt zufrieden hoch aufs Dach, auf dem ein Dachdecker letzte Arbeiten erledigt. Der Vorsitzende des Fördervereins Milchhaisel Duttweiler berichtet stolz von der vor wenigen Wochen gestarteten Sanierung des Gebäudes direkt am Dorfplatz. Die frühere Milchzentrale, die jahrelang leer stand, soll über einen Tausch vom derzeitigen Eigentümer in den Besitz der Stadt Neustadt übergehen. Im Herbst soll die Sache in trockenen Tüchern sein, die Sanierung durch Freiwillige begann aber bereits jetzt.

„Das Dach war so marode, dass es schon zu Schäden am Mauerwerk gekommen war“, erklärt Hoffmann. Zudem habe sich im jahrelang unbeheizten Gebäude Feuchtigkeit gesammelt. „Wir haben zuerst mal das Haus ausgeräumt und alles ausgebaut, was nachträglich eingebaut worden war. Danach haben wir die Trockenbauwände im Verkaufsraum im Erdgeschoss entfernt.“ Der Förderverein zählt laut Hoffmann derzeit rund 30 Mitglieder, zehn bis 20 Freiwillige beteiligten sich darüber hinaus an den ersten Sanierungsarbeiten. Das Projekt lebt von Spenden, ehrenamtlichem Engagement und vielen lokalen Unterstützern: Ein Teil der Landjugend stand beispielsweise mit auf dem Dach, die Landfrauen bereiteten Mittagessen zu, und der örtliche Bäcker brachte Brezeltüten für die Helfer.

Menschenkette bis aufs Dach

Der Förderverein hatte vorab mehrere Einschätzungen von Fachfirmen eingeholt. Ein Dachdecker aus dem Ort habe den Freiwilligen dann gezeigt, wie die Arbeiten zu erledigen sind. „Da kommt es auf zwei Millimeter an“, betont Hoffmann. Trotz Sorgfalt sei alles zügig und beinahe reibungslos verlaufen, nur zwei angebrochene Balken mussten repariert werden. „Es war unglaublich heiß, wir haben literweise Wasser getrunken, aber hatten einen Riesenspaß“, erzählt Hoffmann vom Arbeitseinsatz. Es seien spontan noch einige Helfer mehr als geplant dabei gewesen, sodass eine Menschenkette bis aufs Dach gebildet werden konnte. Wer nicht dort zugange war, zog im Innenraum Tapeten ab. „Wir haben sogar noch einen alten Sirenenalarmknopf gefunden“, erzählt Hoffmann. Er soll nun im Gerätehaus der Feuerwehr einen neuen Platz finden.

Das Milchhaisel vor dem Start der Sanierung. Rund 80.000 Euro soll es schätzungsweise kosten, aus dem Gebäude einen Treffpunkt f
Das Milchhaisel vor dem Start der Sanierung. Rund 80.000 Euro soll es schätzungsweise kosten, aus dem Gebäude einen Treffpunkt fürs Dorf zu machen.
Trotz großer Hitze standen Dutzende Freiwillige über zwei Wochenenden auf dem Dach, um das Milchhaisel neu einzudecken.
Trotz großer Hitze standen Dutzende Freiwillige über zwei Wochenenden auf dem Dach, um das Milchhaisel neu einzudecken.
Wie genau ein Dach professionell neu gedeckt wird, hat ein Dachdecker aus Duttweiler den Helfern vom Förderverein gezeigt.
Wie genau ein Dach professionell neu gedeckt wird, hat ein Dachdecker aus Duttweiler den Helfern vom Förderverein gezeigt.
Aus dem rund 63 Quadratmeter großen Milchhaisel soll ein Treffpunkt werden, den die Menschen aus Duttweiler nach ihren Vorstellu
Aus dem rund 63 Quadratmeter großen Milchhaisel soll ein Treffpunkt werden, den die Menschen aus Duttweiler nach ihren Vorstellungen beleben können.

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Im ehemaligen Verkaufsraum sollen später 20 bis 25 Personen Platz finden. Wie genau der rund 63 Quadratmeter große Innenraum ausgebaut und am Ende genutzt werden soll, dazu gibt es bereits viele Ideen wie ein Seniorencafé, Skatabende, Ausstellungen oder Treffen der Landjugend. Auch ein Automat zur Versorgung von Radtouristen, die in Duttweiler Station machen, sei im Gespräch. „Das wird aber letztlich nicht vom Förderverein bestimmt“, betont Hoffmann. Alle Vereine in Duttweiler sollen an einem Nutzungsplan beteiligt werden. „Wir wollen hier kein Angebot machen, das anderen etwas wegnimmt“, betont Hoffmann, „sondern so viele Möglichkeiten einbauen, wie es geht.“ Auf Wunsch der Stadt soll auch das Ortsvorsteherbüro, das bisher im Obergeschoss des Kindergartens zu finden ist, in den kleinen Nebenraum des Milchhaisels umziehen. Gespräche zu Vorschriften und möglicher Kostenübernahme durch die Stadt liefen, sagt Hoffmann.

Hoffen auf Spenden und Zuschüsse

Das neue Dach ist mittlerweile fertig, folgend steht die Erneuerung von Wänden, Fußböden und Fenstern an. Auf dem Dachboden soll eine Geschossdeckendämmung eingebaut, die Elektrik erneuert werden. „Wir haben zum Glück für alles jemanden im Verein, der sich auskennt“, freut sich Hoffmann. Außerdem sollen eine Heizung, eine kleine Küche und barrierefreie Sanitäranlagen installiert werden.

Der nächste große Arbeitseinsatz wird Hoffmann zufolge Ende der Sommerferien stattfinden. Um die Kosten von schätzungsweise 80.000 Euro für die Herrichtung des Milchhaisels zu stemmen, sammelt der Förderverein spenden und generiert über kleine Veranstaltungen wie Waffelbacken Gelder. Wer das Projekt Milchhaisel unterstützen möchte, kann das unter dem Spendenkonto des Fördervereins, IBAN DE31 5486 2500 0000 4717 63. Sobald das Gebäude offiziell der Stadt gehört, sollen zudem Fördermöglichkeiten ausgelotet werden.

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