Am Rande der Bande RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Gashupen-Konzert beim Handball in Haßloch

Solche Gashupen können richtig laut sein, bringen es auf über 120 Dezibel. Die Schiedsrichterpfeife ist sogar ein wenig lauter.
Solche Gashupen können richtig laut sein, bringen es auf über 120 Dezibel. Die Schiedsrichterpfeife ist sogar ein wenig lauter.

In der Ruhe liegt die Kraft. So lautet eine Redewendung. Doch so manchem Handball-Fan scheint sie nicht bekannt. So wie neulich im Heimspiel des Handball-Drittligisten TSG Haßloch gegen die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II.

Dort saßen drei ältere Herrschaften aus Hessen auf der Tribüne und feuerten 60 Minuten lang lautstark ihre HSG an. So lautstark, dass sich der eine oder andere Zuschauer einen anderen Sitzplatz suchte. Möglichst weit weg von besagten Hessen.

Wer keine Ruhe hat, kann auch keine Ruhe geben: So zumindest muss es jenen Hessen ergangen sein, die ihr Team mit permanentem Getröte aus Gashupen im bis zur letzten Sekunde spannenden Spiel unterstützten. Tröt. Tröt. Tröt. Ein nicht gerade stimmungsvolles Gashupenkonzert.

Vuvuzela 2010

Da kommen Erinnerungen auf an die Fußball-WM 2010 in Südafrika. Und an die Fantrompete Vuvuzela, die laut dem Magazin „11 Freunde“ mit ihrem anhaltend tiefen Brummen fast so laut ist wie ein Düsenjet, es in einem Vergleichstest auf 123,9 Dezibel gebracht hat. Ein Düsenjet bringt es auf etwa 130 Dezibel. Deshalb war die Vuvuzela bei so manchem öffentlichen Kickegucke, auf gut Deutsch Public Viewing, verboten. Die Schmerzgrenze fürs menschliche Ohr liegt bei 120 Dezibel. Experten von der Medical University of South Carolina weisen darauf hin, dass einer Lärmbelästigung über eine längere Zeit nicht über 80 Dezibel liegen solle. Der durchschnittliche Schallpegel bei Vergnügungsstätten liege zwischen 104 und 112 Dezibel. Auch bei Thomas Müller, Sportlicher Leiter der Haßlocher Handballer, sind bei dem steten Gehupe der Hessen Erinnerungen an alte Zeiten wach geworden. „Zu meiner Zeit hatten die Fans richtige Gaströten – da hat man nichts mehr gehört“, blickt der ehemalige Zweitligaspieler zurück. Als Spieler habe man da manchmal nicht den Pfiff des Schiedsrichters hören können. Als Spieler sei einem das Getröte egal, „aber wenn Du als Zuschauer daneben hockst ...“ Arme Ohren.

Tröten nutzt nichts

Mit wie viel Dezibel die Hessen durchs TSG-Sportzentrum getrötet haben, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass es der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II nichts genutzt hat, hat sie doch mit 27:28 verloren.

Wie gesagt: In der Ruhe liegt die Kraft. Im Forum des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt hat mal ein Fan gefragt, „ob Stadionhupen zu den Spielen erlaubt sind?“. Ein anderer Anhänger hat ihm geantwortet: „Lass sie bitte zu Haue und benutze Deine Stimme.“ Fangesänge sind schließlich viel kreativer und stimmungsvoller. Aber auch laut. In einer Pressemitteilung der Hear the World Foundation, einer gemeinnützige Schweizer Unternehmensstiftung der Sonova Holding AG, die sich weltweit für Chancengleichheit und erhöhte Lebensqualität von Menschen mit Hörverlust einsetzt, ist das lauteste Faninstrument die Alphornvuvuzela mit 127 Dezibel, gefolgt von Fanhorn (123,6), Vuvuzela (123,4), Trommel (122,2) und Fangesängen (121,1). Die Gashupe (121,4) liegt sogar noch hinter der Schiedsrichterpfeife (121,8) auf Platz sieben.

Ältere Fans aus Hessen hupten ununterbrochen im TSG-Sportzentrum.
Ältere Fans aus Hessen hupten ununterbrochen im TSG-Sportzentrum.
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