Neustadt Vom Bauzeichner zum „Genusscoach“
Mindestens 200 Tage im Jahr ist Kai Dietrich „auf Achse“, von Zeit zu Zeit auch weltweit. Würde man seine berufliche Tätigkeit mit „Genussjäger“ beschreiben, so träfe das nur zum Teil zu. Dietrichs Arbeit ist umfangreich. Er ist für internationale Marken tätig, darunter 22 Spirituosenmarken, daneben bietet er Beratung und Coaching an. Alles mit Bezug zum Thema „Genuss“ –wie schon der Name seiner Agentur sagt: „Genusskultur“. Auf seinem Gartentisch in der Hambacher Straße hat Dietrich „Genussfunde“ arrangiert, die zum Verkosten und/oder Verkaufen gedacht sind, darunter auch „Eigenprodukte“. Das sind Produkte, die mit einem persönlichen Markenzeichen versehen sind, mit seinem Konterfei. Schlicht schwarz-weiß, fast wie ein Scherenschnitt. Ein Freund habe ihn bei der Umsetzung unterstützt, meint er lächelnd. „Zuerst war mein Kopf nur als Gag gedacht. Etwas weniger Perfektes, für den perfekten Genuss“, kokettiert er und trinkt inmitten seltener Whiskys, Cognac und alter Jamaika-Rumabfüllungen ein Glas Tafelwasser. Wenn er so viele Tage im Jahr selbst teste, genieße er zuhause einfache, bodenständige Momente. Seine Kenntnisse in Sachen Design, Gastronomie und Vermarktung hat Dietrich nach und nach erworben, in unterschiedlichen Ausbildungen. In Moosbach geboren und in Wachenheim „als Pfälzer aufgewachsen“, absolvierte er nach der Mittleren Reife und dem Zivildienst 1995 zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner für Architektur in Mußbach. Einen Job, den er dann zugunsten seiner Event-Agentur, die damals noch „bpe“ hieß, ad acta legte. Es folgten Jahre in Spanien, als Bartender, Sportcampleiter und im Catering. Zurück in der Pfalz, legte Dietrich 2004 an der Höheren Berufsfachschule Bad Dürkheim seine Prüfung zum kaufmännischen Assistenten für Tourismusmanagement ab. Regional bekannt sind Dietrichs Events im Kulturzentrum Gleis 4 in Frankenthal. Dietrich ist ein ruhiger, besonnener Gesprächspartner. Wenn er von seinen Reisen für „Genusskultur“ erzählt, wird die Begeisterung spürbar, mit der er an die Sache geht. „Vor einem Fund stehen Kultur- und Warenrecherche und oft persönliche Kontakte“, berichtet er. In Marokko beispielsweise verknüpfte er geschäftliche Verbindungen und familiäre Kontakte und kam auf diesem Weg zu Insiderinformationen über Arganöl – ein nussartiges Öl, das in der Gastronomie, aber auch in der Kosmetik und der Haarpflege benutzt wird. Manchmal seien die Wege aber auch recht schwierig. Die Wegbeschreibung zu einer als Geheimtipp gehandelten Rum-Destillerie auf der Dominikanischen Republik schien ihm zunächst eher einfach. Vor Ort jedoch sei daraus eine mehrtägige Querfeldeinsuche auf sandigen Schlaglochpisten geworden, erzählt Dietrich. Mit einheimischer Hilfe gelangte er schließlich ans Ziel . Seine „Funde“ zeichneten sich durch begrenzte Verfügbarkeit, hohe Qualität und faire Produktionsbedingungen aus, sagt Dietrich. Für seine von Hand gerollten La-Palma-Zigarren würden beispielsweise nur ausgesucht leichte Tabaksorten verwendet. Wilder, sortenreiner Arabica Ur-Kaffee komme aus der Provinz Kaffa im Südwesten Äthiopiens. Beim Kaffee, aber auch bei der Trinkschokolade gelte es, wie beim Wein, Produkte nach Region, Lage und Jahrgang zu entwickeln. Da liege dann ein halbes Pfund Kaffee schon einmal bei zwölf Euro. Dietrichs nächster Plan ist die Eröffnung eines Gastronomiebetriebs in der Neustadter Innenstadt. Spirituosen-, Wein- und Kaffeeausschank, verbunden mit einem Tapas-Angebot stellt er sich vor. Für eine „genussvolle Auszeit“. (aew)