Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Vom „Abstieg“ des 1. FC 08 Haßloch und von einem neuen Weg

Seit 1969 hat der 1. FC 08 Haßloch einen Hartplatz. Nur dort gibt es auf dem Vereinsgelände Flutlicht.
Seit 1969 hat der 1. FC 08 Haßloch einen Hartplatz. Nur dort gibt es auf dem Vereinsgelände Flutlicht.

Niemals hätte 08 Haßloch vor 20 Jahren, als die meisten Konkurrenten schon Kunstrasenplätze planten, den Hartplatz sanieren dürfen.

08-Vorsitzender Timo Hubach hat mit seinen Vorstandskollegen eine Herkulesaufgabe zu lösen: So stark abstiegsgefährdet wie in dieser Saison war die Erste Mannschaft in der Fußball-Bezirksliga Vorderpfalz noch nie. Nach dem zweiten Rückrundenspieltag belegt sie nur den vorletzten Tabellenplatz, hat zum Drittletzten SV Erlenbach vier Punkte Rückstand und hat in bisher 17 Punktspielen nur 15 Tore erzielt. An den vergangenen acht Spieltagen verbuchte 08 Haßloch nur zwei Punkte. Der zweite Abstieg aus dieser Spielklasse nach 1983 wird immer wahrscheinlicher.

Im Gegensatz zu damals gibt es aber einen gewaltigen Unterschied. In den 1980er-Jahren war der 1. FC 08 Haßloch in der Jugendarbeit im Fußballkreis Neustadt die Nummer eins. Zahlreiche selbst ausgebildete Talente wie Ralf Bernert, Roger Falk, Michael Faust, Christian Hess, Thomas Lichti, Andreas Malz, Klaus Pankraz, Ralf Schneider, Jochen Schröter und Stefan Walburg wurden nach und nach in die Erste Garnitur integriert und trugen dazu bei, dass in den acht Jahren nach dem Abstieg drei Aufstiege bis in die Verbandsliga Südwest folgten. Erfolgreiche Jugendarbeit war auch die Basis dafür, dass der FC 08 von 1994 bis 2011 ununterbrochen der Verbandsliga angehört hat.

Das ist jetzt anders. Nach der Auflösung der Jugendspielgemeinschaft mit dem Lokalrivalen VfB übernahm die neue Jugendleitung zumindest in den älteren Jahrgängen einen Trümmerhaufen: A-Junioren gibt es keine mehr. Die B-Junioren sind Drittletzter der Kreisliga, die C-Junioren Viertletzter der noch tieferen Kreisklasse.

Nachdem vor zwei Jahren mit Uwe Rudingsdorfer der Jugendtrainer mit dem meisten Fachwissen leichtfertig entlassen worden war, wechselten im Sommer die engagierten Trainer Bodo Schulz und Thomas Tausend von den 08ern zum VfB. Dass die beiden aktiven Mannschaften in absehbarer Zeit mit eigenem brauchbaren Nachwuchs gefüttert werden können, ist damit ausgeschlossen.

Ein weiteres Problem: Vereine in der Nähe werden im Jugendbereich immer stärker. Die TSG Deidesheim mit drei und der 1. FC 23 Hambach mit zwei Landesligisten sind den 08ern schon enteilt. Die B- und D-Junioren des VfB führen die jeweilige Tabelle der entsprechenden Kreisliga an, so dass der Lokalrivale in der kommenden Saison möglicherweise ebenfalls zwei Landesligisten stellt. Hinzu kommen vielleicht noch die A-Junioren der JSG Kalmit, welche als Landesligist ein guter Unterbau des A-Klasse-Spitzenreiters TuS Maikammer wären.

Hubachs Plan, zunächst in die Infrastruktur zu investieren, da sich Spieler, welche die Erste Mannschaft kurzfristig verstärkten, nicht auf dem Markt seien, ist eine neue Vorgehensweise. Fakt ist, dass man mit einem Hartplatz, der mangels Flutlicht an den zwei Rasenplätzen von Oktober bis März genutzt werden muss, kaum Jugendliche anlockt, erst recht keine Talente.

Dass der FC 08 noch über einen solchen Untergrund verfügt, ist früheren Verantwortlichen anzulasten. Niemals hätte der Verein vor 20 Jahren, als die meisten Konkurrenten schon Kunstrasenplätze planten, den Hartplatz sanieren dürfen. Bemühungen, Partner des 2001 von Dietmar Hopp gegründeten Vereins „Anpfiff ins Leben“ und damit Standort im Fußballkreis Rhein-Mittelhaardt zu werden, hat es auch keine gegeben. Dieser Verein garantiert eine externe Jugendförderung. Der FC Speyer 09 war da schneller. Mit ihm besteht diese Kooperation seit 2015 und führt dazu, dass dieser Club auf Talente unserer Region wie ein Magnet wirkt.

Vorsitzender Timo Hubach muss mit seinen Mitstreitern nun mit diesen Altlasten zurechtkommen. Es bleibt zu hoffen, dass in ein paar Jahren keiner sagen kann: „Wir haben zwar sportlich keinen Erfolg, aber dafür die schönste Sportanlage.“

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