Neustadt Vollgas
Es dauert mehr als zwei Stunden an diesem brütend heißen Julitag des vergangenen Jahres, bis Feuerwehrkräfte einen Rumänen aus dem Führerhaus seines Lastwagens freischneiden können. Der Mann wird mit einem Rettungshubschrauber schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Zuvor ist er mit seinem Sattelzug auf der A 65 in Fahrtrichtung Ludwigshafen unterwegs. Er nimmt die Abfahrt Landau-Zentrum – und kracht ins Heck eines auf dem Verzögerungsstreifen stehenden Lkw. Dessen Fahrer und Beifahrer werden ebenfalls verletzt. Die Autobahn wird für mehrere Stunden gesperrt. Die Frage lautet nun: Ist diese Strecke noch sicher? Mit dem Bau der A 65 wurde Anfang der 1970er-Jahre begonnen, wie das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärt. Der Abschnitt zwischen Landau-Süd und Kandel-Süd war zuerst vierstreifig ausgebaut worden – damals handelte es sich noch um die B 10. Ziel war es, den Verkehr aus den Dörfern zu holen. Vor diesem Hintergrund liegen in diesem Abschnitt viele Anschlussstellen lediglich zwei Kilometer auseinander. Auf Autobahnen sind ansonsten Abstände von über fünf Kilometern üblich. Ab 1990 war die A 65 durchgehend vierspurig befahrbar. Große Teile der Strecke waren aber schon ab 1980 fertig – bis auf den Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Neustadt-Nord und Edenkoben, der erst ab 1986 befahrbar war, sowie den zwischen den Anschlussstellen Edenkoben und Landau-Süd, weil der Queichheimer Trog erst 1988 fertiggestellt wurde. Fakt ist: Das Verkehrsaufkommen zwischen Wörth und dem Mutterstadter Kreuz ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Wurden 1995 pro Tag durchschnittlich etwa 33.000 Fahrzeuge gezählt, waren es 2015 rund 44.000 Autos plus 5050 Lastwagen und Busse. Das wirkt sich auch auf die Zahl der Unfälle aus, wie aus einer Antwort des rheinland-pfälzischen Innenministeriums hervorgeht. Gab es 2014 auf der Strecke zwischen Wörth und Haßloch – um diesen Abschnitt kümmern sich die Polizeiinspektionen Edenkoben und Wörth – 429 Unfälle, waren es 2017 schon 562. Jeweils einen Toten gab es 2014 sowie 2017 zu beklagen, 2014 wurden 15 Schwerverletzte gezählt, 16 waren es im Jahr 2017. Die häufigsten Unfallursachen sind zu hohe Geschwindigkeit und zu wenig Abstand. Weil Autofahrer zu schnell waren, krachte es 2014 zwischen Haßloch und Wörth 121-mal, 2017 gab es deshalb 128 Unfälle. Wegen zu geringen Abstands gab es 62 Unfälle im Jahr 2014, 2017 waren es dann 159. Zwischen Haßloch und Wörth gibt es nach Angaben des Innenministeriums keine Unfallschwerpunkte. Lediglich der Wörther Trog – dort laufen A 65 und B 9 kurz vor der Rheinbrücke zusammen – sei auffällig. Deshalb gelte an dieser Stelle Tempo 80. Eine Verkehrsunfallkommission habe sich darauf geeinigt, diesen Knotenpunkt weiterhin zu beobachten. Ist die A 65 aus Sicht des Ministeriums eine sichere Autobahn? „Die Statistik weist aus, dass Autobahnen im Allgemeinen sicherere Straße sind als Bundes- und Landstraßen“, heißt es dazu aus Mainz. In die Sicherheit der A 65 sei in den vergangenen Jahren zudem viel investiert worden, erklärt wiederum das fürs Bauliche zuständige Mainzer Verkehrsministerium. Dazu zählten der Bau zusätzlicher Nothaltebuchten, die Verlängerung von Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen an Anschlussstellen, die Erneuerung von Mittelleitplanken sowie die Sanierung von Brücken. Die A 65 hat auf manchen Abschnitten kein Tempolimit. Das hänge damit zusammen, dass die Voraussetzungen dafür bislang nicht gegeben gewesen seien, schreibt das Ministerium. Die Anordnung eines Tempolimits erfolge auf Grundlage der Straßenverkehrsordnung. Darin heißt es, Verkehrszeichen seien nur dort zulässig, wo diese erforderlich seien. Insbesondere sei eine Geschwindigkeitsbeschränkung nur dort zulässig, wo wegen besonderer örtlicher Verhältnisse eine Gefahrenlage bestehe, heißt es aus Mainz. Es gebe außerdem regelmäßig Prüfungen sowie Unfallkommissionssitzungen, bei denen Fachdienststellen die jeweiligen Verkehrs- und Unfalllagen prüften, auswerteten und berieten. „Inwieweit künftig ein Tempolimit auf bestimmten Streckenbereichen erforderlich wird, hängt von der Entwicklung der Verkehrssicherheit ab.“ Eine interessante Nachricht erreichte viele Autofahrer jedenfalls vor einigen Tagen: Im vergangenen Jahr gab es auf der A 65 deutlich weniger Staus als noch ein Jahr zuvor, wie der ADAC Pfalz mit Sitz in Neustadt mitgeteilt hatte (wir berichteten auf der Seite „Wirtschaft“). Demnach wurden 2018 nach den jüngsten Daten 922 Staus beziehungsweise 1419 Kilometer Stau registriert. 2017 waren es mehr als doppelt so viele: 2025 Staus und 3152 Kilometer Staulänge. Grund dafür waren laut ADAC die Arbeiten an der Hornbachspange bei der Abfahrt Landau-Nord.