Neustadt Voller ungezähmter Kraft

Deidesheim. Gut 200 Besucher kamen am Samstagabend in der Stadthalle „Paradiesgarten“ in den Genuss eines Benefizkonzerts für die Anschaffung eines Konzertflügels für die Musikschule. Tatjana Sperling (Klavier) und ihr Mann Eduard Sperling (Violine) hatten dafür gemeinsam mit dem Cellisten Dan T. Fahlbusch drei sehr eindrucksvolle Mendelssohn-Trios ausgewählt.
Den Anfang des Konzerts machen die Musiker mit dem ersten Satz des Trios d-Moll Op. 11 von Fanny Hensel, der älteren Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys. Es ist ein stürmischer Satz, der mit Klaviertakten einsetzt, die an wilde Wogen, ja fast an einen Schiffbruch erinnern; ein Szenario, das die schon sehr früh einsetzende Geige und kurz darauf auch das Cello mit ruhigen Strichen zu glätten scheinen. Die Grundstimmung wird vorübergehend heiterer, Eduard Sperling und Dan T. Fahlbusch führen sie mit Violine und Cello sogar ins Verträumte, doch die stürmische Wellenbewegung des Klavierparts kann sich immer wieder Bahn brechen. Tatjana Sperling gestaltet diesen ebenso wild wie einfühlsam, lässt das Klavier, selbst an den Stellen, an denen es allein zu hören ist, nie dominieren. Fanny Hensel, die als Komponistin zeitlebens, vor allem auf Wunsch ihrer Familie, hinter ihrem Bruder zurückstehen musste, hat dieses Werk in einem Brief an ihren Bruder als von einer „weichlichen Schreibart“ und „ohne Kraft“ beschrieben. Das ist es, wie die Interpretation von Tatjana Sperling, Eduard Sperling und Dan T. Fahlbusch zeigt, beileibe nicht. Im Gegenteil: Es steckt voller ungezähmter Kraft, voller Auflehnung und Gefühlswallungen. An die Musiker stellt es höchste Anforderungen, denn Fanny Hensel verlangt ihnen sowohl emotional und spielerisch eine Menge ab. Das harmonische Miteinander der drei Instrumente, die sich abwechseln, ergänzen, die sich gegenseitig höflich den Vortritt lassen, ohne dass eines sich in den Vordergrund drängt, um dann wieder zusammenzuspielen, halten die Musiker auch bei den Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy bei. Nach dem kraftvollen, sehr stark gefühlsdurchtosten Stück seiner Schwester beginnt sein Trio d-Moll op. 49 im „Molto allegro agitato“ ganz ruhig mit den weichen Klängen des Cellos. Die Violine übernimmt, während das Klavier zunächst im Hintergrund bleibt, sich dann aber immer mehr klanglichen Raum verschafft. Ruhig und verträumt wie ein zartes Lied beginnt Tatjana Sperling den zweiten Satz, das „Andante con moto tranquillo“, und als senke sich Abendstimmung über eine weite Landschaft, nehme Cello und Geige die Tonfolgen auf, die das Klavier vorgibt. Im „Scherzo leggiero e vivace“ dagegen hüpfen die Bogen über die Saiten, dass es eine Lust ist, auch zuzuschauen. Das abschließende „Allegro assai appassionato“ ist spielerisch vor allem für die Pianistin noch einmal eine besondere Herausforderung. Anklänge an Jagdmotive und Pusztamusik blitzen auf, bis die drei Instrumente sich nach einem Frage- und Antwortspiel in einem grandiosen Finale wieder zusammenfinden. Gespickt mit kompositorischen und spielerischen Raffinessen ist auch Mendelssohn Bartholdys Trio c-Moll Op. 66. Das Klavier wechselt im ersten Satz zwischen Oktaven, schnellen Läufen und einzeln abgesetzten Akkorden. Stellenweise scheint es dickköpfig gegen die Streicher rebellieren zu wollen. Schlicht wie ein Kinderlied und beinah so getragen wie ein Choral dagegen hebt das „Andante expressivo“ an. Diese hebt das „Scherzo, molto allegro quasi presto“ wieder auf mit schnellen Tonfolgen der Streicher, in die sich das Klavier wie mit Alarmrufen einschaltet, die Geige wie ein aufgebrachter Redner, als sei die Welt aus den Fugen geraten. Das „Allegro appassionata“ vereint die Instrumente nach einem fein ausgewogenen Wechselspiel von Soli in der Form eines Chorals in einem grandiosen Finale. Für die Beifallsrufe und den lang anhaltenden Applaus bedanken sich die strahlenden Musiker mit einer Zugabe.