Neustadt Vier Frauen und ein Himmelbett

Neustadt. Wohin ein Mann auch flieht, seine Probleme nimmt er mit. Im konkreten Fall heißen die Probleme Sonja, Esther, Darlene und Frau Sittich. Sie alle scharen sich um den alternden Geschäftsmann Max wie gackernde Hühner um den Hahn im Korb. Mit der Komödie „Unbekannt verzogen“ sorgte Steiners Theater am Mittwoch in Neustadt für kurzweilige Unterhaltung.
Was macht ein Herzensbrecher, der Ruhe vor den Weibern sucht? Er verzieht mit unbekanntem Ziel und fasst einen Plan: „Ich gebe den Sex auf und fange wieder an zu rauchen – das ist gesünder.“ Doch das heimlich angemietete Apartment ist für Geschäftsmann Max (Hans-Jürgen Bäumler) kein Rückzugsort. In wechselnder Reihenfolge dringen die aufreizende, jugendliche Nachbarin Darlene (Rosetta Pedone), die Ex-Ehefrau (Christine Zierl), die Noch-Ehefrau (Veronika von Quast) und die Sekretärin (Gerda Steiner) in die Ruhe ein. Alle machen sie eindeutige Avancen. „Hier geht es zu wie auf dem Oktoberfest“, resümiert Max. Mit gequälter Miene hüpft er von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen, während die Damen versuchen, in sein Bett zu hüpfen. So wird – trotz anderer Vorsätze – das Himmelbett zum zentralen Requisit in allen drei Akten der Komödie. In schnellem Tempo und schrillem Ton präsentierte sich die bayerische Adaption des britischen Bühnenstücks „Do Not Disturb“ von Michael Pertwee dem Neustadter Publikum. Theatermacherin Gerda Steiner hatte die Vorlage neu bearbeitet und unter der Regie von Matthias Kitter in ihr Tournee-Theaterprogramm aufgenommen. Die Tochter des Volksschauspielers Peter Steiner, die seine Nachfolge angetreten und das Traditionstheater neu aufgestellt hat, zeigt ein geschicktes Händchen bei der Auswahl des Stücks: publikumsgefällig, ein Potpourri aus vergnüglichem Boulevard, derbem Schwank und bayerischem Lokalkolorit. Ihr Ensemble zeigte sich von der besten Seite: Hans-Jürgen Bäumler sicherte sich mit keckem Hüftschwung die Sympathien des Publikums. Der ehemalige Weltmeister im Eiskunstlauf traf den passenden Ton. Mit der gleichen Sicherheit, Harmonie und Balance, mit der sich der Eisprinz in den Sechzigern in die Herzen der Deutschen tanzte, umschiffte er nun die Untiefen des Klamauks im professionellen Boulevardtheater. Häufig galt der Szenenapplaus ihm. Christine Zierl sprang als Ex-Ehefrau für die ursprünglich vorgesehene Ingrid Steeger ein und überzeugte das Publikum gekonnt davon, dass die Zweitbesetzung alles andere als zweite Wahl ist. Als esoterisch verblendete Ex hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Mit Veronika von Quast gelang es Gerda Steiner, eine große Dame der Unterhaltungsbühnen ins Team zu holen. Als quirlige Noch-Ehefrau buhlte sie facettenreich um die Gunst des Gatten und parodierte in der Rolle der alternden Diva ihre eigene Zunft. Das Küken unter den Hennen mimte Rosetta Pedone als verführerische Nachbarin. Verglichen mit ihren Kolleginnen ist sie jung, doch keineswegs unerfahren. Sie spielte provokativ und spritzig, erfrischend und doch routiniert. Schon vor zehn Jahren hatte sie Rollen in Peter Steiners Theaterstadl übernommen. Nationale und internationale Ausbildung und eine beachtliche Liste von Hauptrollen in Theater, Film und Fernsehen belegen ihre Erfahrung. Rund zwei kurzweilige Stunden bereitet das eingespielte Ensemble dem Publikum. Dann tritt für den Casanova wider Willen endlich Ruhe ein und die Komödie steuert auf ihren Höhepunkt zu: Die Damen haben das Feld verlassen. Allein verbleibt der gestresste Max in der neu bezogenen Wohnung. Allein mit sich, so wie er es sich gewünscht hat. Doch nun sehnt er sich nach Gesellschaft. Der Griff zum Telefon lässt weiteres Unheil erahnen. Schon wird die nächste Dame angerufen. Doch nein, keine neue Unruhestifterin ist im Anmarsch. Die Mutter ist es, die er einlädt.