Handball
Viele Worte, viele Bilder, kaum Schweiß: Die TSG Haßloch vor dem Spitzenspiel
Irgendwie ist vor den zwei an einem Wochenende angesetzten Heimspielen alles anders. Schweiß fließt diesmal eigentlich nur im Fußballspiel zu Beginn des Trainings. „Ich friere“, gesteht Kreisläuferin Lydia Bachtler gegen Ende der Übungsstunde. „Und wenn ich friere, heißt das was.“ Fußball dürfen die Handballerinnen übrigens nur dann spielen, wenn sie am Wochenende zuvor gewonnen haben. Wer den Zustand des arg lädierten Balls sieht, weiß: Die TSG-Handballerinnen gewinnen in dieser Saison oft. In neun Spielen gab es bislang neun Siege.
Nun haben die Haßlocherinnen am Wochenende gleich zwei Heimpartien vor sich: Am Samstag, 19.30 Uhr, empfangen sie in der Pfalzhalle in der Handball-Regionalliga der Frauen die HSG DJK Marpingen-SC Alsweiler. TSG und HSG sind die einzigen beiden der insgesamt zwölf Regionalligisten, die noch ohne Punktverlust sind. Am Sonntag, 17.30 Uhr, erwarten die Pfälzerinnen den Tabellenfünften HSG Hunsrück im TSG-Sportzentrum. Das Marpingen-Spiel ist verlegt worden. „Es gab nicht viele Alternativen. Wir hätten unter der Woche spielen können“, sagt Cheftrainer Benedikt Hettich. Die Mannschaft habe schließlich abgestimmt und sich für zwei Partien an einem Wochenende entschieden.
Auf Marpingen konzentrieren
Im Training geht es allein um die Saarländerinnen, mit denen die Pfälzerinnen punktgleich die Tabelle anführen. „Wir werden unser Pensum etwas herunterschrauben und uns auf Marpingen konzentrieren“, kündigt Marc-Robin Eisel aus dem Trainerteam zu Beginn der Trainingswoche an. „Am Sonntag sagen wir Trainer euch was zur HSG Hunsrück.“
In der zum Videoraum umfunktionierten Hallensprecherkabine sitzen die Handballerinnen mit ihrem Trainerteam dicht gedrängt zusammen. Teammanager Peter Wingerter nutzt die Situation, die Mannschaft zu motivieren: „Vor zehn Jahren, als wir hier in Haßloch angefangen haben, wussten wir gar nicht, ob wir eine Mannschaft zusammenbekommen. Und jetzt haben wir ein tolles Spiel vor uns. Freut euch auf das Spiel am Samstag.“ Und egal, wie es auch laufe, „es kommen viele Zuschauer – gebt auch in der 60. Minute noch Vollgas“.
400 Zuschauer erwartet
„Die Marpinger bringen bestimmt 50, 60 Leute mit“, ist sich Benedikt Hettich sicher. Er rechnet mit 400 bis 500 Zuschauern zum Spitzenspiel am Samstagabend. „Wir brauchen auf jeden Fall 400 Zuschauer, damit es Stimmung in der Pfalzhalle gibt“, ergänzt Wingerter. Er kündigt eine Licht- und Nebelshow sowie Überraschungen an. Und in der Pause trete das Männerballett des Haßlocher Carnevalvereins auf.
„Ich weiß, dass ist ein absolut schlagbarer Gegner“, schwört Eisel die Haßlocherinnen auf das Spitzenspiel ein. Und schaut in die Gesicherter der Spielerinnen: „Kann sich noch einer an das Hinspiel in der vergangenen Saison erinnern?“ – „Ja, leider“, antwortet eine Haßlocherin.
Zwei selbst verschuldete Niederlagen
In der vergangenen Runde hatte die TSG im Saarland mit 19:26 verloren, zu Hause gar mit 27:38. „Wir hatten 20 freie Bälle und drei Siebenmeter verworfen“, erinnert Eisel an den Grund für die Niederlage. „Dieses Jahr haben wir eine Trefferquote von 90 Prozent.“ Auch im Rückspiel sei Haßloch nicht schlecht gewesen, „aber wir hatten 0:18 Paraden“, sagt der Coach und schaut zu seinen Torleuten: „Diese Saison haben wir eine Quote von im Schnitt 15 Paraden.“ Eisel wird noch deutlicher: „Was ich euch sagen will: Ja, wir haben zweimal gegen Marpingen verloren, aber waren es selbst schuld.“ Haßloch könne „zu 100 Prozent das Spiel gewinnen. Sind wir uns da einig?“, fragt Eisel das skeptisch dreinschauende Team. „Ich habe noch nie ein Spiel gewonnen, wenn ich Zweifel hatte.“
Es geht hinaus in die kühle Halle zum Fußballspielen. Kreisläuferin Julia Spieß fällt in ihrem Ronaldo-Trikot auf. Sie führten eine Strichliste, verrät der Sportliche Leiter Marvin Gerdon. „Wer die meisten Spiele verloren hat, muss das Ronaldo-Trikot tragen“, gibt er lachend eine besondere TSG-Fußball-Regel preis. Inzwischen passen sich die Haßlocherinnen tatsächlich Handbälle zu. Und schon geht es wieder in den Videoraum.
Spiel mit den Kreisläuferinnen
Dort zeigen Eisel, Hettich und Gerdon Videos zum Spiel der Marpingerinnen. Eisel weist die TSG auf eine sehr offensive Abwehr hin, „die sehr ungewohnt für viele Mannschaften ist“. Er lässt die TSG-Frauen wissen, dass der Gegner sein Angriffsspiel viel über die Kreisläuferinnen laufen lasse. Und warnt vor Annalena Frank: „Wenn die eins gegen eins geht, spielt sie den Ball nicht ab.“ Ganz anders Solveig Petrak, die gerne mit dem Kreis kooperiere: „Wenn die auffällig wegguckt, kommt irgendwas.“ Auf welcher Position die spiele, will jemand wissen. „Überall“, antwortet Aufbauspielerin Lucie Krein.
Die erste Videoanalyse-Runde ist zu Ende. In der Halle spielt die TSG auf ein Tor das zuvor Erlernte nach. „Geschwitzt habe ich noch nicht“, erzählt Rechtsaußen Lourdes Joao. „Schwierig.“ Benedikt Hettich ergänzt grinsend: „Heute schwitzt das Hirn.“ Das Trainerteam beobachtet die Spielerinnen. Immer wieder unterbricht Eisel das Training, erklärt, worauf die Haßlocherinnen achten müssen. Oder fordert die Abwehr auf: „Hört auf zu zögern.“ Und schon geht’s zur zweiten Videoanalyse. Als später noch eine dritte Runde folgt, ist es bereits 21.50 Uhr.
Gerdon stellt Szenen zusammen
„Für den Kopf ist es wichtig“, sagt Kreisläuferin Julia Spieß zu den Szenen, die Marvin Gerdon an den Abenden zuvor zusammengeschnitten hat. Normalerweise, erzählt der Sportliche Leiter, schaue er sich vom nächsten Gegner zwei, drei Spiele in Videos an. Gerdon: „Jetzt vor Marpingen habe ich mir fünf Spiele angesehen.“ Plus Videos von Partien der HSG Hunsrück, dem TSG-Gegner am Sonntag. Auch ohne zu schwitzen, sei diese Art des Training „nach einem langen Arbeitstag anstrengend“, betont Kreisläuferin Lydia Bachtler. „Noch ein bisschen Überzahlspiel und Individuelles, dann habt ihr’s geschafft“, bringen die Trainer die Spielerinnen dazu, sich ein letztes Mal am späten Abend zu konzentrieren. „Ich habe noch ein paar Bilder auf dem Handy, die schicke ich euch noch in dieser Woche“, kündigt Eisel den TSG-Frauen allerdings weiteres Videostudieren an. Es sei an diesem Abend viel gewesen, ergänzt er. In den nächsten zwei Trainingseinheiten „wiederholen wir alles noch mal“.
„So wie jetzt haben wir noch nie trainiert“, sagt Marvin Gerdon zum ausgiebigen Taktiktraining. „Normalerweise liegt der Fokus auf uns, nicht auf den Gegner.“ Katharina Scheid weiß die viele Theorie zu schätzen: „Das ist schon wichtig, gerade vor solch einem Spiel.“ Eisel, selbst ein erfahrener Zweitliga-Handballer, ist vom Nutzen der Videos überzeugt: „Wenn wir das noch zehnmal trainieren, sitzt das auch.“ Vor allem wollten sie vermeiden, so die Trainer, dass die Spielerinnen nach der Partie sagten: „Hätten wir bloß gewusst, dass ...“
Post für die Fans
Als das Trainerteam sein Programm beendet, ist immer noch nicht Schluss. Katharina Gerdon ruft ihre Mannschaftskolleginnen zusammen, dirigiert sie vor Plakate ihrer Sponsoren. Gerdon organisiert die Ankündigung auf die zwei TSG-Heimspiele in den sozialen Medien, nimmt mit ihrem Mobiltelefon alles auf. Ina Bühl nennt die beiden Spieltermine und spricht die Fans an: „Wir zählen auf euch.“ Lucie Krein weist auf ein Kombiticket hin, dass den Eintritt zu beiden Begegnungen ermöglicht.