Neustadt
Viele ausländische Starter bei Bundesradsporttreffen in Neustadt
Bundesradsporttreffen 2019: Die Teilnehmer am Bundesradsporttreffen in Neustadt kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den europäischen Nachbarländern. Die Radfahrer verbinden das Sportliche mit einem Deutschlandurlaub. Ihr Vorgeschichten sind unterschiedlich. Den einen plagen Knieschmerzen. Der andere sucht die Ruhe und Abgeschiedenheit.
Von Heike Klein
Neustadt. Gemeinsam ist allen Teilnehmern, egal aus welchem Land, die Freude am Radfahren, der Kameradschaft und der Geselligkeit.
Gemächlich will es der 61-jährige Tom Finkes aus Innsbruck angehen lassen. Statt eines Rennrades fährt er ein Tourenrad. Damit nimmt er an den täglichen Ausfahrten teil, die quer durch die Pfalz führen und zwischen 100 und 150 Kilometer lang sind. Seine täglichen Höhenmeter steigert er danach jeden Abend noch „freiwillig“, denn er hat sein Bett im Herz-Jesu-Kloster in Hambach bezogen. „Der Schlussanstieg hat schon eine Steigung von rund zehn Prozent“, schätzt er. Aber er sucht die Ruhe und Abgeschiedenheit, will außerhalb des allgemeinen Trubels ausspannen. Deshalb hat er schon vor einem Jahr die Unterkunft gebucht.
Mit Bundesradsporttreffen Deutschland kennenlernen
Auch Franko Putz kommt aus Österreich und lebt in Schladming. Der 68-Jährige ist wie Finkes zum vierten Mal dabei. „So lerne ich Deutschland kennen. Jedes Mal eine andere Gegend“, freut er sich. Zum Auftakt am Samstag hat er allerdings das Rad in der Herberge gelassen und ist von seiner Unterkunft in einem Weingut in Mußbach zu Fuß zum Schulzentrum gelaufen. Auch Camille Steinbach wohnt für eine Woche in Mußbach. Der Luxemburger hat aber bereits mit einem Rennrad die Gegend erkundet. Rund 1900 Euro kostet seine „Maschine“. Plattfüße hat er eher selten, „manchmal monatelang gar nichts“. Dass er seit seinem 23. Lebensjahr Rennrad fährt, ist angesichts eines schweren Radunfalls als 15-Jähriger erstaunlich. „Damals habe ich zwei Zähne verloren, als mir die Vorfahrt genommen wurde“, erzählt er mit einem Schaudern. Doch Radfahren bedeutet auch für ihn Hobby und Geselligkeit. Finkes ergänzt: „Diese Touren sind Breitensportangebote. Aber viele Teilnehmer kommen ja auch aus dem Leistungssport und fahren jetzt in der Freizeit.“
Damit reicht er den Ball weiter an Jan Fejkl aus Tschechien. Der 69-Jährige war tatsächlich im Leistungssport in den 1970er-Jahren aktiv. Er hat dem Nationalteam Nordische Kombination der damaligen Tschechoslowakei angehört. Seinerzeit war er deshalb in zwei Disziplinen gefordert: Neben dem Skispringen folgt als zweite Disziplin der Skilanglauf. „Damals war Radfahren für uns der Ausgleichssport im Sommer“, erzählt er. Mit seinem jetzigen Team, dem RTC Köln, in dem auch Franko Putz mitfährt, hat er sich schon vor einem Jahr für das Neustadter Radsporttreffen angemeldet. Doch ausgerechnet jetzt macht ihm sein rechtes Knie zu schaffen. „Dass ich noch kein Ersatzteil im Bein habe, ist ein Wunder. Ich bin 1970 beim Skispringen gestürzt und habe den Meniskus entfernt bekommen. Jetzt habe ich Probleme. Aber ich kenne mein Knie, in ein paar Tagen wird es wieder besser sein und ich werde einige Touren mitfahren können“, hofft er. Auch wenn der Arzt etwas skeptisch gewesen sei, habe Fejkl auf keinen Fall auf die Teilnahme verzichten wollen. Schließlich habe er auch Schmerztabletten dabei.
Leistungsmäßig weit überlegene Sportler aus der DDR
Und er erinnert sich an seine Trainingszeiten in der Nordischen Kombination. „Wenn wir trainiert haben, waren auch die Sportler der DDR im Trainingslager dabei. Im Team war auch Ulrich Wehling, der Weltmeister von der Normalschanze in der Nordischen Kombination von 1974. Allerdings waren die DDR-Sportler uns leistungsmäßig weit überlegen“, erzählt er. Die Antwort auf die Frage, ob dies etwa mit dem damaligen Doping in der DDR zusammenhänge, bleibt aus. „Die alten Zeiten wollen wir jetzt nicht ausgraben“, sagt Jan Fejkl nur. Und hofft, dass sein Knie ihm in ein paar Tagen doch noch einige Radkilometer in der Pfalz erlaubt, wenn auch vielleicht ein bisschen chemisch unterstützt mit einigen Schmerztabletten ...
Zur Sache: Streckenschilder beim Radsporttreffen
Franz Hieber, Organisator des Bundesradsporttreffens in Neustadt, war am Montag wieder froh: Denn er hat jede Menge positiver Rückmeldungen bekommen, weil bei der gestrigen Tour innerhalb dieses Treffens, „R(hein) flach in die Südpfalz“ von maximal 111 Kilometern, jeder zurückgekommen sei, ohne sich zu verfahren.
Zur Erinnerung: Beim Marathon am Sonntag hatten einige Streckenschilder gefehlt, einige waren an Stellen angebracht, an denen die Radsportler sie nicht hatten sehen können. Noch gestern hatte Hieber mit seinem Helferteam reagiert, hatte die für Montag ausgeschilderten Strecken noch einmal abgefahren und kontrolliert, hatte sich mit seinem Team besprochen. „Es war unmöglich, sich zu verfahren“, lobte ein Neustadter das Orgateam. Diesmal seien die Wegweiser auch in grelleren Farben leichter zu sehen gewesen. Zudem seien mehrere Hinweise an Abzweigungen angebracht gewesen. Statt in Dunkelblau waren die Wegweiser diesmal in Orange und Gelb. „Auch die, die am Sonntag so geschimpft haben, haben gestern gesagt, dass alles in Ordnung gewesen sei“, freute sich der Organisator.
Am Dienstag allerdings, sagt Hieber, werde es auf der Tour zum Donnersberg wieder die blauen Schilder geben, „denn ich brauche für die 150 Kilometer mindestens 350“. Und so viele habe er nicht in Gelb und Orange. Wie berichtet, hat ein Sponsor 400 blaue Wegweiser finanziert.
Wegen der zu erwartenden Hitze werde am Dienstag schon um 7 Uhr gestartet. „Und wir richten eine zusätzliche Verpflegung auf dem Weg zur Lindemannsruhe ein“, verspricht Hieber. Die Lindemannsruhe ist eine Anhöhe bei Bad Dürkheim, die auf etwa 465 Metern Höhe liegt.
Die Verpflegung war beim Marathon ebenfalls ein wenig von einigen Teilnehmern kritisiert worden. Und auch hier gab es gestern eine Verbesserung, erzählt ein Starter. Alkoholfreies Bier sowie Wassermelone seien diesmal zur üblichen Verpflegung wie Butterbrote, Bananen und Äpfel angeboten worden. (sab)