Neustadt Viel Verkehr und schlechte Bürgersteige

Das Gute kommt zuerst. Der erste Gast am RHEINPFALZ-Stand auf der Hambacher Höhe ist ein Anwohner, der in erster Linie Lob los werden will. Manfred Leibrecht, 71, wohnt erst seit vier Jahren in Neustadt. Und er ist hellauf begeistert von der Stadt. Dass er von Celle hierherzog, kam so: Ehefrau Ursula musste zur Kur, landete in der Pfalz, kam zurück und verkündete ihrem Ehemann: „Ich weiß jetzt, wo wir unseren Lebensabend verbringen.“ Die Leibrechts haben sich in Neustadt in relativ kurzer Zeit ein neues soziales Umfeld aufgebaut und sprechen auch schon ganz passabel Pfälzisch. Einen Wunsch hat der Rentner dennoch: eine E-Bike-Mietstation. Denn zurzeit muss er den Viehberg hoch stets zwei Räder schieben: seins und das seiner Frau. Weil er aber keine Unterstellmöglichkeit für ein E-Bike hat und auch nicht jeden Tag Rad fährt, fände er eine Mietmöglichkeit optimal. Und er ist überzeugt: „Das wäre auch was für den Tourismus.“ Kontrovers wird die Diskussion, wenn es um das Thema Spielplätze geht. CDU-Stadtratsmitglied Helga Willer ist der Meinung, dass auf der Hambacher Höhe mehr für Familien getan werden müsste. Und dazu gehörten auch gute Spielmöglichkeiten. Am Mâconring sei die Situation noch ganz gut, der Spielplatz an der Hambacher Straße dagegen „desolat“. Auch mit dem Platz im Leisböhlweg ist sie unzufrieden. Da sei eine „pfiffige Lösung“ nötig, damit er angenommen werde, aber gleichzeitig die Nachbarn nicht gestört würden. Eine „pfiffige Lösung“ für den Spielplatz ist auch genau das, was sich Renate Schwab wünschen würde: Als Anliegerin freut sie sich einerseits über die wunderbare Wohnlage, ärgert sich andererseits über einen regelrechten „Spielplatztourismus“ im Leisböhlweg: „Da liefern Leute ihre Kinder ab und kümmern sich nicht weiter“, sagt sie. Insbesondere im Sommer herrsche die ganze Woche über recht lauter Betrieb, am Abend würde die „traumhafte Anlage“ nicht nur zum Spielen, sondern auch für Umtrünke genutzt: „Da kommt sogar der Pizza-Service“, hat sie beobachtet. Ihre eigenen Kinder hätten dort „auch ohne Bolzplatz eine wunderbare Kindheit verbracht“, doch mittlerweile gebe es in der unmittelbaren Nachbarschaft kaum noch Kinder. Sie würde sich wünschen, dass die Besucher des Platzes insgesamt etwas mehr Rücksicht auf die Anlieger nehmen würden. Nicht ausbleiben kann das Thema Verkehr. Lilli Buttmann wohnt an der Siebenpfeiffer-Straße, und sie klagt darüber, wie sehr die Lebensqualität dort inzwischen abgenommen habe. Besonders seit das Nebeneinander verschiedener Baustellen dazu geführt habe, dass sich Schleichwege herausgebildet haben, die auch über die Hambacher Höhe und die Siebenpfeiffer-Straße führen. Lärm und Staub seien seither deutlich schlimmer geworden. Geschwindigkeitskontrollen würden ihrer Ansicht nach eine Verbesserung bringen. Auf die Baustellen als Ursache für die Zunahme des Verkehrs in der Siebenpfeiffer-Straße weist auch Evelin Cordier hin, die bereits vor dem Gesprächstermin am Donnerstag in die Redaktion gekommen war, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Sie fährt selbst über die Hambacher Höhe, wenn sie aus dem Tal kommt und in Richtung Edenkoben will. Was sie nicht versteht: Wieso die Bauzeit immer so lange dauere. Andernorts gehe das viel schneller als in Neustadt. Auch eine Besucherin, die ihren Namen nicht nennen will, klagt über die Situation in der Siebenpfeiffer-Straße. Besonders der Abschnitt zwischen Erfensteinstraße und Gräfensteinstraße sei unübersichtlich und schwierig zu überqueren. Ein weiteres Problem: die Parksituation an der Jugendherberge. Besonders dann, wenn motorisierte Gruppen zu Gast sind. „Die Pkw stehen dann so dicht, dass man kaum mit dem Auto durch kommt. Geschweige denn mit einem Feuerwehrfahrzeug.“ Die generell zu hohe Geschwindigkeiten, die auf der Hambacher Höhe von den Autos gefahren werde, beklagen auch Barbara Bednorz, Gerlinde Woll, Karin Kupka, Heinz Klapp und Edith Jakobi: Sie erhoffen sich, dass auf der Hambacher Straße bald eine Tempo 30-Regelung eingeführt und auch kontrolliert wird. „Ich habe da schon viele gefährliche Situationen beobachtet“, sagt Kupka: Die Fußgängerampel in Höhe der Sparkassenfiliale werde regelmäßig ignoriert, sogar von Busfahrern. „Da springen die Fußgänger auf den Bürgersteig zurück wie die Hasen“, bestätigt Klapp. Doch nicht nur in der Hambacher Straße, auch in der Max-Slevogt-Straße werde zu schnell gefahren, haben die Anwohner beobachtet: „Selbst die Eltern, die ihre Kinder am Kindergarten abliefern, haben teilweise einen Mordszahn drauf“, sagt Annemarie Oppermann, die beim Thema Verkehr zur kleinen Gruppe stößt. Ihre Idee ist, auf der Straße selbst mit Markierungen auf den Kindergarten hinzuweisen und so möglicherweise die Geschwindigkeit der Autos zu drosseln. „Es ist ja eine Frage der Zeit, bis was Schlimmes passiert“, ist sie sicher. „Man müsste die Straßen enger machen, dann wird automatisch langsamer gefahren“, meint Edith Jakobi auch zur Problematik in der Siebenpfeiffer-Straße: Sie habe im europäischen Ausland viele Vorbilder gesehen, wie der Rückbau von Kreuzungen gleichzeitig zur Minderung von Gefahrenstellen beitrage und mehr Lebensqualität für die Anwohner bringe: „Da werden Bäume gepflanzt, da siedelt sich Gastronomie mit Außenbestuhlung an – da entstehen regelrechte Oasen der Begegnung“, berichtet sie von Beispielen aus Spanien und Italien. Heinz Klapp hat indes noch ein Anliegen außerhalb der Verkehrsprobleme, das ihm auf der Seele brennt: Als Anlieger schließt er allabendlich die Piuskirche ab, in der vor einigen Wochen die Spendenkasse für den Gemeindebrief mit brachialer Gewalt aus der Wand gerissen worden sei. „Ich kann nicht glauben, das man mittlerweile alles wegschließen muss“, meint er und schüttelt resigniert den Kopf. Klapp ärgert sich schließlich auch noch über Fahrradfahrer auf dem Hauptfriedhof: „Wenn man was sagt, kriegt man einen dummen Spruch. Das hat doch mit Respekt vor den Toten nichts mehr zu tun“, meint er. „Jetzt bin ich aber fertig“, sagt er zum Schluss – und betont, dass es sich ja im Grunde schon ganz gut leben lässt auf der Hambacher Höhe. Auf Probleme abseits der Straße weist Bettina Karau hin: „Die Gehwege sind teilweise in katastrophalem Zustand“, meint sie. Als sie Anfang der 1970er Jahre nach Neustadt gezogen sei, habe sie darauf noch nicht so geachtet, weil sie noch besser zu Fuß gewesen sei. Doch im Alter falle ihr auf, dass man „in der Walter-Bruch-Straße kaum noch laufen kann, ohne zu stolpern“. In der Kiesstraße sei es nicht besser, fügt Karin Kupka hinzu. Auch die Stephanstraße sei teilweise vollkommen marode: „Da sind Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger betroffen, Straße und Gehweg gleichen einer Mondlandschaft“, sagen die Anwohner. Günter Kramm, der sich bereits im Mai an die RHEINPFALZ gewandt hatte, weil er den Zustand in der Stiftstraße untragbar findet, zeigte sich am Donnerstag enttäuscht darüber, dass die Diskussion verpufft sei, ohne dass sich etwas geändert habe. Was das Parkproblem angeht, hat er inzwischen eine neue Idee: Man könnte doch das Grundstück neben dem Hubschrauberlandeplatz, das dem Krankenhaus gehöre, zum Parken nutzen. Zumindest vorübergehend, so lange es nicht anderweitig genutzt wird. Und noch etwas bewegt ihn: die Waldmannsburg. Seiner Meinung nach sind die Auflagen dort zu hoch, der Denkmalschutz müsse in Frage gestellt werden. „Sonst kauft das doch niemand.“ Auch Walter Heinzel greift das Thema Stiftstraße auf: Als Anlieger der Hohen Wende beobachte er, dass die einstige Anliegerstraße immer öfter als Schleichweg genutzt werde. Seine Idee: „Die Stiftstraße fahrbahnmäßig aufweiten, denn die Bürgersteige werden ohnehin kaum benutzt, da ist eine Seite verzichtbar.“ Klaus Behnke ärgert sich über die Stadtverwaltung: 2014 seien in der Maxburgstraße zahlreiche Bäume gefällt und Ersatzpflanzungen versprochen worden. Seither sei nichts passiert, obwohl er sich mehrfach an die Stadt gewendet habe: „Ich bin vertröstet worden“, sagt er. Statt Bäumen wachse in der Straße jetzt Unkraut, die Pflanzstellen würden „zu Hundeklos“ verkommen. Der Tennisclub Grün-Weiss kommt in Dreier-Stärke. Jan Baumheier, Jugendwart und Trainer, und Martin Heider, ebenfalls Trainer, unterstreichen die gesellschaftliche Bedeutung ihres Clubs in diesem Viertel. Etwa 100 Jugendliche gehörten dem Verein an, jetzt im Sommer seien weitere 20 zum Kennenlernen der Sportart da. „Die meisten wohnen nicht weit weg und kommen mit dem Rad“, sagt Baumheier. Wenn der Verein, der sich durch ein geplantes Bauprojekt in der Nachbarschaft bedroht sieht, an der Stelle verschwinden müsse, „würde etwas ganz Großes“ fehlen. Die hohe Attraktivität für Kinder und Jugendliche erklären sie unter anderem damit, dass Angebote wie das Feriencamp von jungen Leuten wie den Jugendtrainern geleitet würde. Grün-Weiss-Vereinvorsitzender Jürgen Staab weist außerdem auf die Bedeutung des Vereinslokals als Treffpunkt hin. „Da kommen auch Leute vom Paul-Gerhardt-Heim, trinken Kaffee und schauen sich mal ein Spiel an“, erzählt er. Das Lokal sei meistens ausgebucht. Wichtig ist ihm, dass die Stadt nicht ohne Not auf die Grunddienstbarkeit für das Nachbargelände verzichtet – dort soll das umstrittene Bauprojekt entstehen. Als Privatmann hat er noch ein weiteres Anliegen: den Fußweg zwischen Waldstraße und Bergstraße. „Der muss saniert werden.“