Neustadt Viel Raum für große Gefühle

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Neustadt. Der italienische Trompeter und Flügelhornist Enrico Rava zählt schon lange zu den bedeutendsten Jazzmusikern seines Landes. Auch bei „Palatia Jazz“ war der 1939 in Triest geborene Musiker schon öfter zu Gast, unter anderem 2009 im Herrenhof und 2012 in Edenkoben. Nun kommt er am 16. Juli mit seinem neuen Quartett zum Open-Air-Konzert in den Park der Villa Böhm. Trompetenfreunde kommen dabei gleich doppelt auf ihre Kosten, weil der indisch-schweizerische Trompeter Martin Dahanukar mit seinem Quartett das Vorprogramm bestreitet.

Den Jazz lernte Enrico Rava ursprünglich durch Platten seines Bruders kennen. Es war eine Prägung fürs Leben. Bereits in jungen Jahren ging er nach New York und spielte unter anderem mit Cecil Taylor, Don Cherry und Archie Shepp. 1964 gehörte er zum Quintett von Gato Barbieri, weitere drei Jahre spielte er in der Gruppe von Steve Lacy. Von 1969 bis 1972 war er unter anderem Musiker im „Jazz Composer’s Orchestra“ sowie in Carla Bleys „Escalator over the Hill“. Große Beachtung fanden auch seine Platteneinspielungen mit Dollar Brand, Archie Shepp oder Dino Saluzzi. Große Namen hatte Rava aber auch in seiner eigene Band, darunter den Gitarristen John Abercrombie oder die Sängerin Jeanne Lee. Mehr und mehr galt sein Interesse dabei der Komposition und der italienischen Tradition. In seinen Plattenprojekten „L`Opera Va“ und „Carmen“ beschäftigte er sich intensiv mit der Umsetzung von Opernarien in den Jazz. Auch mit dem Trompeter Paolo Fresu, ebenfalls eine seiner „Entdeckungen“, hat Rava mehrere Platten aufgenommen, auf denen er sich mit den Trompetern in der Geschichte des Jazz beschäftigte. Als Bandleader machte Rava in den 70er Jahren erste Aufnahmen für das ECM-Label – mit Palle Danielsson, John Christensen und Roswell Rudd. Der Kontakt zwischen Rava und dem ECM-Labelchef und Produzenten Manfred Eicher blieb über die folgenden Jahre bestehen, wurde aber erst 2003 mit dem Album „Easy Living“ erneut intensiviert. Enrico Rava erntete als einer der ersten italienischen Jazzmusiker auch international größte Anerkennung und gilt als einer der wichtigsten Vorreiter in der Emanzipation des europäischen Jazz. Gerne greift er dabei auf italienische Folklore und lateinamerikanische Musik zurück. Es sind Klänge mit viel Raum für große Gefühle und eingebungsvolle Geschichten. Die Eigenkompositionen von Rava decken ein weites Feld an Stimmungen ab, von schwebenden Balladen bis feurig und attackenreich losgehendem Bop. Dabei hegt der Musiker für Märsche und Blues ebenso eine Vorliebe wie für die italienische Bandamusik, die in ihrer Mischung aus lustvoller Stämmigkeit und schnulzigen Melodien für Stimmung sorgen. Aber auch von Chet Baker und Miles Davis ist sein Spiel inspiriert. Das Vorbild dieser beiden großen Trompeter war es auch, das ihn in jungen Jahren von der Posaune zur Trompete wechseln ließ. Mit jungen Musikern spielte der Doyen des italienischen Jazz immer wieder gerne zusammen. Er wurde zu einer Institution, der viele Talente ihren Karrierestart verdankten. An seiner Seite wurden etwa der Posaunist Gianluca Petrella und der Pianist Stefano Bollani zu Stars, mit letzterem spielte er auch viel im Duo. In jüngster Zeit erlebt der eher melancholisch veranlagte Altmeister dabei fast einen zweiten Frühling, denn er entwickelt nun immer wieder eine jugendliche Spiellust und musikalische Vitalität, die staunenswert ist. Die Zusammenarbeit mit jungen Musikern hat dem 76-Jährigen eine künstlerische Frischzellenkur verpasst. Zu „Palatia Jazz“ kommt Rava in diesem Jahr mit seinem aktuellen, erst 2015 gegründeten Quartett, mit dem er sein neues Album „Wild Dance“ (mit Gianluca Petrella als Gaststar) eingespielt hat. Wieder hat er dabei starke junge Musiker um sich versammelt: Francesco Diodati an der E-Gitarre und Enrico Morello am Schlagzeug. Bereits seit 2010 ist Gabriele Evangelista am Kontrabass ein vorzüglicher Begleiter des Trompetenstars und war auch schon 2013 mit Ravas Quintett „Tribe“ beim „Palatia Jazz“-Festival dabei. Stilistisch dominiert bei dem neuen Quartett der virtuose Jazzrock. Termin Enrico Rava und sein „Wild Dance“-Quartett spielen am Samstag, 16. Juli, ab 21 Uhr beim „Palatia Jazz“-Festival im Park der Neustadter Villa Böhm. Das Vorprogramm gestaltet ab 19.30 Uhr das „Martin Dahanukar Quartett“. Das Jazzkulinarium beginnt um 18 Uhr. Karten (von 16 bis 54,50 Euro) unter 06326/967777 oder unter www.palatiajazz.de.

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