Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel VfL Neustadt sucht ein neues Zuhause

Der Fußballrasen des VfL Neustadt liegt am Fuße des Monte Scherbelino, der stillgelegten Deponie.
Der Fußballrasen des VfL Neustadt liegt am Fuße des Monte Scherbelino, der stillgelegten Deponie.

Hintergrund: Der VfL Neustadt braucht bald ein neues Zuhause. „Wir haben die Zusage der Stadt, so lange zu bleiben, wie’s möglich ist“, sagt Reinhold Brechtel. Er, Leander Baumann, Tobias Weintz und Jorge Castro Olmo bilden das neue Führungsquartett des Vereins. Der Pachtvertrag des VfL mit der Stadt über das Gelände an der Haidmühle in Branchweiler läuft nur noch bis 31. Juli 2023.

Die Stadt Neustadt hat sich neben vier weiteren Städten und einer Verbandsgemeinde-Kooperation für das Ausrichten der Landesgartenschau (LGS) 2027 beworben. Am 29. März entscheidet der Ministerrat, wer die LGS ausrichten darf. Bekäme Neustadt den Zuschlag, stünde die Altdeponie Haidmühle im Zentrum eines geplanten Naherholungsraums. Direkt neben der Deponie liegt der Sportplatz des VfL Neustadt.

Vorstandsmitglied Reinhold Brechtel: „Wir müssen weg, wenn der erste Bagger kommt.“ Die Stadt arbeite gemeinsam mit dem neuen VfL-Vorstand an einer Lösung, teilt Tobias Grauheding, Sprecher der Stadtverwaltung, mit. „Die Wünsche des Vereins spielen hierbei natürlich eine große Rolle.“ Der VfL hat genaue Vorstellungen von seinem künftigen Gelände. „Zwei Naturrasenplätze wären nicht verkehrt“, sagt Leander Baumann. „Wir würden gerne in Branchweiler bleiben“, ergänzt er. Der VfL sei ein Branchweiler-Verein, „hier ist viel Potenzial“. Baumann: „Der Zulauf spricht für uns.“ Jürgen Johannes, seit 1988 VfL-Ehrenvorsitzender sowie seit rund 55 Jahren im Verein ehrenamtlich engagiert, schätzt, dass in Branchweiler vielleicht 8000 bis 10.000 Menschen leben. „Da hat’s immer geheißen, wir brauchen dort ein Sportgelände.“ Wie viele Menschen in Branchweiler wohnten und wie viele Kinder darunter seien, könne er allerdings nicht sagen, stellt Grauheding bedauernd fest. „In den Meldedaten ist Branchweiler kein eigenständiger statistischer Bezirk.“

„Wo spielen wir?“

Die erste Idee von Jürgen Johannes war, ins Stadion auszuweichen. Dort sei es aber zu voll, weiß Leander Baumann. „Das ist wahrscheinlich nicht durchzusetzen.“ Außerdem steht noch die Sanierung des Stadions an. Zwar gibt es bislang keinen Termin, wann die in die Jahre gekommene Sportanlage im Schöntal hergerichtet wird. Doch irgendwann sei es so weit, so das Vorstandsmitglied. Für den VfL bleibe die Problematik, so Baumann: „Wo spielen wir?“ Er gehe davon aus, dass der Kunstrasen im Stadion so saniert werde, dass dort vor allem Hockey gespielt werden könne.

Die VfL-Männer und die D-Jugend trainieren außer an der Haidmühle auch zweimal pro Woche auf dem Kunstrasen an der Berufsschule. Der Platz dort ist für den VfL aber keine dauerhafte Lösung vor allem für den Spielbetrieb. „Der Platz ist nicht eingefriedet“, erklärt Baumann. „Es fehlen Parkplätze, Duschen und Umkleiden.“ Es sei ein reiner Sportplatz für die Berufsschule, das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium und die Realschule plus. „Man könnte dort aber einen Container aufstellen“, weiß Reinhold Brechtel. „Wasser- und Abwasseranschlüsse liegen.“

Zweite VfL-Mannschaft

Weil der Verein an der Haidmühle sich derzeit über großen Zulauf erfreue, so Baumann, der VfL in der Saison 20220/2023 eine zweite Männermannschaft melden wolle, stelle sich ihm die Frage: „Was passiert, wenn hier an der Haidmühle gar nichts mehr geht?“ Man bekomme Probleme mit den Trainingseinheiten. Es gebe auch noch eine Freizeitmannschaft plus die D-Jugend. Im aktiven Bereich hätten die Neustadter im Schnitt 23 Spieler im Training. Laut Baumann hat der Verein 200 Mitglieder. Außer den Fußballern gehört zum Verein noch eine Frauengymnastik-Gruppe.

Ab 27. März, 15 Uhr, tritt die Männermannschaft zum ersten Spiel in der Aufstiegsrunde der Fußball-B-Klasse Rhein-Mittelhaardt Nord/West beim TuS Wachenheim an. Das erste Heimspiel tragen die Neustadter am 3. April, 15 Uhr, gegen die TSG Deidesheim II an der Haidmühle aus. So lange es keine Entscheidung in Sachen Landesgartenschau gebe, „kann der VfL das Gelände weiterhin wie bisher nutzen“, sagt Grauheding. Und das Führungsquartett bleibt gelassen: „Wir wollen den Fußball hier so aufbauen, wie er einmal war. Wir haben keinen Druck.“

Zwölf Neuzugänge

Es tut sich was beim VfL Neustadt. Der 200 Mitglieder große Club von der Haidmühle will in der kommenden Saison erstmals wieder seit einigen Jahren eine Zweite Mannschaft melden. „Als wir von der Bezirksliga in die A-Klasse gegangen sind, das war 2017/2018, hatten wir keine Zweite Mannschaft mehr gemeldet“, erzählt Leander Baumann.

Baumann, Reinhold Brechtel, Tobias Weintz und Jorge Castro Olmo bilden seit den jüngsten Neuwahlen das Führungsquartett des VfL. Sie hätten bereits jetzt 28 Spieler im Bereich der Aktiven, ergänzt Brechtel. Und für die Saison 2022/2023 „haben wir schon zwölf Neuzugänge“. Im vergangenen Sommer hatten 22 Spieler plus Trainer die SG Mußbach verlassen und sich später dem VfL angeschlossen. Diese 22 plus fünf Fußballer, die bereits beim VfL waren, sowie das Trainerteam Lukas Neu, Thomas Großkopf (Cotrainer) und Reinhold Brechtel (Torwarttrainer) gehören zum Aktivenbereich. Am 27. März, 15 Uhr, beginnt die Aufstiegsrunde zur A-Klasse für die Neustadter mit einem Spiel beim TuS Wachenheim. Die letzte Partie dieser Runde wird für den VfL am 22. Mai, 15 Uhr, an der Haidmühle gegen den TuS Niederkirchen angepfiffen.

Weder Fahrgeld noch Prämien

Der Sprecher des Vorstandes, Reinhold Brechtel, betont: „Wichtig ist, dass die Spieler, die hierherkommen, zu uns passen. Sie müssen auch mitgestalten.“ Der Verein zahle ihnen weder Fahrgeld noch Prämien. Brechtel: „Und das werden wir auch beibehalten.“

Kinder aus Branchweiler

Doch geht es dem VfL-Vorstand nicht allein um die Männermannschaften. „Wir wollen den Verein vorwärts bringen, wir wollen die Jugendarbeit forcieren“, spricht Brechtel ein weiteres Ziel an. Seit 2019 hätten sie wieder Bambini im VfL, informiert Baumann. Es gebe einen großen Zulauf im Bereich Bambini, F- und D-Jugend. Von jetzt zwei Jugendmannschaften, Bambini und D-Jugend, berichtet Jorge Castro Olmo, der sich um die Junioren kümmert. Die meisten Kinder kämen aus Branchweiler. „Eine F-Jugend kristallisiert sich heraus“, sagt Olmo. „In der nächsten Runde habe ich Spieler, die in die C-Jugend kommen. Aber es sind zu wenige, um eine Mannschaft zu bilden.“

Auf Trainersuche

Spielgemeinschaften im Juniorenbereich kommen für den VfL-Vorstand nicht in Frage. „Damit haben wir negative Erfahrungen gemacht“, sagt Leander Baumann. Auch er sei kein Freund von Spielgemeinschaften, ergänzt Olmo: „Die meisten Vereine, die sich anbieten, haben schon Mannschaften und ziehen mir meine guten Spieler weg.“ Baumann erzählt, dass der VfL Werbung in Kindergärten mache. „Das muss wachsen“, sagt er zum Nachwuchsbereich.

Jorge Castro Olmo spricht ein weiteres Problem im Juniorenfußball an: „Ich bin der einzige Trainer. Ich kann nicht alles machen.“ Leander Baumann weiß, dass „wir ins Thema Trainer und Eltern, die mithelfen, investieren müssen“. Hier allerdings macht der VfL Neustadt die gleichen Erfahrungen wie manch anderer Verein auch. „Die Eltern bringen ihr Kind ins Training und fahren dann wieder nach Hause“, bringt es Leander Baumann auf den Punkt. Er bleibt aber geduldig: Der VfL müsse einen Schritt nach dem anderen machen: „Es geht langsam.“

Kontakt

Wer sich für Juniorenfußball beim VfL Neustadt interessiert, wendet sich an Jorge Castro Olmo, Telefon 0152/57465839.

Zur Sache: Plan B für die Haidmühle

Was passiert mit dem Gelände an der Haidmühle, sollte Neustadt nicht den Zuschlag für die Landesgartenschau bekommen? Dann „soll innerhalb der Aktion Blau plus der Abschnitt des Speyerbachs zwischen Landwehrstraße und Branchweilerhofstraße renaturiert werden“, informiert Tobias Grauheding, Sprecher der Neustadter Stadtverwaltung. Hier werden laut Fachbereich Stadtentwicklung und Bauwesen mehr Flächen benötigt. Denn der Bach solle mehr Raum zum Mäandrieren bekommen. Ein gewässerbegleitender Pflegeweg sei geplant. Grauheding: „Dieser soll als Fuß- und Radweg gestaltet werden, um eine Grünvernetzung entlang des Baches aus der Stadt bis in den Ordenswald zu erreichen.“ Für eine Anbindung des Weges ans bestehende Wegenetz (über die Kleingartenanlage Rothenbusch) werde geprüft, den Weg nördlich des Sportplatzes zu führen. Die Rekultivierung des Deponieberges stehe noch aus. Das betrifft auch die Ostflanke zum VfL-Gelände hin.

Jorge Castro Olmo trainiert die VfL-Jugend.
Jorge Castro Olmo trainiert die VfL-Jugend.
x