Neustadt „Vertrauen ist nicht dumm“
«Neustadt.»Das Theater „Comic on“ aus Köln war am Mittwoch wieder einmal auf der Reblaus-Kleinkunstbühne zu Gast. „Comic on“-Ensembles, die Themen aus dem Alltag Jugendlicher aufgreifen, touren seit 1990 mit Theaterstücken durch die deutschsprachigen Lande. Diesmal stand das Stück „Update“ auf dem Spielplan, ein pädagogisches Präventionstheater zum Thema Mobbing nach Veröffentlichung von Intimitäten in den sozialen Netzwerken, worüber nach der Aufführung auch diskutiert wurde.
Leo (Yannick Hehlgans) ist gut aussehend, ein erfolgreicher Fußballer und Mädchenschwarm an seiner Schule. Leider weiß er das auch und nutzt es schamlos aus. Die selbstbewusste Kiara (Lena Sommer) hat ein Auge auf ihn geworfen, was sie kichernd mit ihrer besten Freundin, der zurückhaltenden Elena (Julia Knorst), bequatscht. Zu ihrer Freude scheint auch Leo nicht abgeneigt. Während die beiden Mädchen noch alles gemeinsam machen – shoppen, chillen, Klamotten tauschen, sich über ihre „Zellulose“ aufregen und auf das Schulfest freuen, um Jungs anzumachen – hat sich Leo in Pornos bereits ausgiebig über Frauen „informiert“. Nach allgemeinem Geraune ist das Gelächter groß, als Kiara ihrer Freundin stolz von ihrem YouTube-Tutorial zum Üben von Zungenküssen an einer halbierten Orange erzählt, die sie „jetzt übelst drauf hat“. Das Schulfest gerät für Kiara aber zum Flop, denn Leo wird übergriffig, woraufhin ihm Kiara „eine scheuert“. Leo tröstet sich schnell, leider ausgerechnet mit Elena, die ihr Glück kaum fassen kann, vom Schulhelden beachtet zu werden, der bereits kurz darauf schmeichelnd Nacktfotos von ihr fordert. Unsicher und aus Angst, uncool zu wirken, lässt sie sich überreden, da sie „dem Ehrenmann“ vertraut und er ja ebenfalls Fotos schickt. Doch während er mit Snapchat schickt, hat sie mit WhatsApp an ihn versendet. Sein Bild verschwindet, ihres bleibt im Netz. Die Situation eskaliert, als sich Kiara kurz darauf mit Leo versöhnt, Elena Leo empört zur Rede stellt und ihm droht, ihn auffliegen zu lassen. Kurzerhand stellt Leo die Nacktfotos ins Netz - mit verheerenden Folgen für Elenas Ruf. Kiara und Elena sind zerstritten, Elena wird ausgegrenzt. Wie „Comic on“ all das auf die Bühne der proppenvollen „Reblaus“ bringt, ist ebenso mitreißend wie authentisch. Pubertät, Handy, soziale Netzwerke, Liebe, Sex und Unsicherheiten werden thematisiert. Nahezu jeder der Gäste von Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium, Christlichem Jugenddorf und der Schubert-Schule kann sich darin wiederfinden, wie der rege Austausch untereinander, teilweise zum Leidwesen der Darsteller, zeigt. Die Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 15 haben, wie eine Umfrage ergibt, alle Handyerfahrung und sind zumindest in WhatsApp, die meisten sogar mit zahlreichen Social-Media-Funktionen unterwegs. Das Schauspiel ist temporeich angelegt, da es den Skandal an der Gesamtschule im Stil einer Fernsehreportage unter dem Titel „Update Brennpunktmagazin“ beleuchtet. So kommen auch fassungslose Eltern, ein prolliger Fußballtrainer, eine verpeilte Sozialpädagogin und eine mitleidlose Schülerin zu Wort. Rainer Nosbüsch, Fachlehrer und Leiter der Mittelstufe des KRG, ist mit Kollegin und über 100 Schülerinnen und Schülern angereist. „Wir haben bei uns immer wieder einmal einen Fall von Mobbing über die sozialen Netzwerke, allerdings läuft das meist hinten rum, nicht direkt während der Schulzeit“, erklärt er. Würden sie angesprochen oder bekämen es während des Unterrichts selbst mit, so nähmen sie Hilfe zum Beispiel von Schulpsychologen in Anspruch, um die Situation zu klären. Regelmäßige Aufklärungsveranstaltungen oder Aussprachen bei Matthias Möndel vom Neustadter Fachdienst Prävention-Suchtberatung seien ebenfalls hilfreich. Überraschenderweise wird auf Nachfrage der Schauspieler bei den Besuchern zuerst Elena die Schuld an der Eskalation gegeben, obwohl Leo die Bilder geteilt hat. „Leider ist es immer noch so, dass die Jungs in einem solchen Fall als tolle Kerle gelten“, bedauert Knorst. Auch für ein geändertes Rollenverständnis wollten sie die Augen öffnen. Und so appellieren die Schauspieler dazu, respektvoll miteinander umzugehen und außerdem vor jeder ins Netz gestellten Situation nachzudenken, ob man sie auch von einer Bühne herunter mit persönlich anwesendem Publikum teilen wollte. Zudem sollte jeder Nutzer bedenken, dass der Besitz unrechtmäßigen Materials strafbar ist.