Nachruf Versöhnung als Herzensanliegen
Die Versöhnung mit den ehemaligen jüdischen Mitbürgern Haßlochs war ihm ein Herzensanliegen. Jetzt ist Johannes Theisohn, Träger der Silbernen Verdienstmedaille der Gemeinde, im Alter von 79 Jahren gestorben.
Theisohn studierte Evangelische Theologie, Geschichte und Politik. Nach seiner Promotion und der Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz unterrichtete er 17 Jahre lang am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt und leitete die dortige MSS (Mainzer Studienstufe). Von 1994 bis 2006 war er Schulleiter des Karolinen-Gymnasiums in Frankenthal und prägte das Profil der Schule in diesen Jahren maßgeblich.
1987 gründete sich unter seiner Leitung ein Freundeskreis, der Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern knüpfte und 1988 zu einem ersten Heimattreffen nach Haßloch einlud. Das Treffen zog Kreise, und es entstanden Verbindungen und Kontakte, die zur Überwindung der Vergangenheit und Versöhnung geführt haben. Theisohn pflegte seither diese Kontakte und verfasste jedes Jahr einen „Heimatbrief“ an die ehemaligen jüdischen Bürger. Zudem betreute er den jüdischen Friedhof in Haßloch. Zur Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit veröffentlichte der Freundeskreis unter Federführung von Theisohn die Chronik „Jüdisches Leben in Haßloch“. Aus Anlass des 70. Jahrestags der Reichspogromnacht 1938 legte er mit weiteren Autoren die Broschüre über jüdische Familien in Haßloch neu auf. 2017 folgte eine dritte Auflage, die weitere neue Erkenntnisse enthielt.
Für sein langjähriges Engagement wurde Johannes Theisohn 2009 mit der Silbernen Verdienstmedaille der Gemeinde Haßloch ausgezeichnet.