Neustadt
Verdaasdonk künftig Bürgermeister in Elmstein
Rene Verdaasdonk (SPD) wurde bei der Stichwahl mit 55,7 Prozent zum neuen Elmsteiner Ortsbürgermeister gewählt. Amtsinhaber Stefan Herter (SWG) kam nur auf 44,3 Prozent. Beide sind sich sicher, dass CDU-Wähler aus Elmstein und Appenthal die Wahl entscheiden haben. Mit 65,4 Prozent war die Wahlbeteiligung recht hoch.
Von Annegret Ries
Kurz vor 19 Uhr wurden gestern in Iggelbach Feuerwerkskracher abgeschossen. „Das ist ein historischer Tag für Iggelbach“, freute sich Werner Steigert, der Wirt der Gaststätte „Pfälzer Hof“. „Der Rene kommt“, hatten zuvor zwei Iggelbacher gerufen, die gemeinsam mit einigen anderen vor dem „Pfälzer Hof“ auf ihren künftigen Bürgermeister warteten. Wenige Minuten zuvor hatte sich Rene Verdaasdonk gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin vom Schulhaus aus, wo er Wahlhelfer gewesen war, zu Fuß auf den Weg zum „Pfälzer Hof“ gemacht. Unterwegs gratulierten ihm mehrere Iggelbacher.
Enttäuschte Gesichter waren wenige Minuten zuvor im Elmsteiner Schulhaus zu sehen. Hier wartete Bürgermeister Stefan Herter mit seiner Familie und Mitgliedern der Sozialen Wählergemeinschaft (SWG) auf dem Rasen hinter dem Gebäude auf das Wahlergebnis. „Den ganzen Tag war ich nicht nervös, jetzt bin ich es“, sagte Herter. „Das stimmt“, bestätigte seine Frau Anja.
„Wir sind ein eingespieltes Team“, sagte Lucien Spill, der im Elmsteiner Schulhaus, einem der drei Wahllokale, Wahlvorstand war, während die Wahlhelfer Stimmen auszählten. Um 18.25 Uhr stand fest, dass Herter im Hauptort Elmstein 316 Stimmen bekommen hat, Verdaasdonk 288. Damit war klar: Verdaasdonk ist der Sieger. Denn jeder wusste, dass in Iggelbach Verdaasdonk vorne liegen wird. So war es denn auch. 364 Stimmen hat Verdaasdonk in Iggelbach bekommen, auf Herter entfielen gerade mal 30. In Appenthal lag Herter zwar mit 239 Stimmen klar vor Verdaasdonk, für den nur 84 Appenthaler votierten, aber das reichte nicht.
585 Wähler haben gestern für Herter ihr Kreuzchen gemacht. Das sind ganz genau so viele Wähler, wie vor drei Wochen für den SWG-Kandidaten gestimmt hatten. Die Zahl der Wähler von Verdaasdonk ist von 550 vor drei Wochen auf nun 736 gestiegen. „Die CDU-Wähler aus Elmstein und Appenthal haben die Wahl entschieden“, in diesem Punkt waren sich die beiden Kontrahenten einig. Viele von denen, die vor drei Wochen dem CDU-Kandidaten Stefan Kobel ihre Stimme gegeben hatten, votierten gestern für Verdaasdonk.
„Es ist enttäuschend, dass Leistung so wenig anerkannt wird“, sagten mehrere der ernüchterten SWG-Anhänger im Elmsteiner Schulhaus. Die Wähler hätten nicht honoriert, was Herter in den vergangenen fünf Jahren alles für den Ort getan habe. „Das ist schon enttäuschend“, fand auch Herter. Aber so „richtig traurig“ sei er über das Wahlergebnis nicht, denn es habe auch einen Vorteil: „Ich habe jetzt mehr Zeit für meine Familie und meine Hobbys.“ Seinen Sitz im Gemeinderat werde er „selbstverständlich annehmen“.
„Dass ich gute Chancen habe, habe ich gedacht. Dass das Ergebnis so deutlich ausfällt, habe ich aber nicht erwartet“, sagte Verdaasdonk. Er habe nun die Möglichkeit, „das umzusetzen, wovon ich geträumt habe“. Er wisse aber, „dass ein guter Batzen Arbeit auf mich zukommt“. Sein Hauptanliegen sei „eine offene Kommunikation im Gemeinderat“. Dass es im Rat mit je sechs SPD- und SWG-Vertretern sowie vier CDU-Vertretern keine klaren Mehrheiten gibt und dass auch keine Koalition geschlossen werden soll, ist dem gebürtigen Niederländer recht. Denn er ist kein Freund von Koalitionen.
Mit 65,4 Prozent lag die Wahlbeteiligung zwar unter den 68,5 Prozent von vor drei Wochen, war aber für eine Stichwahl recht hoch. 1328 der 2032 Elmsteiner Wahlberechtigten haben sich an der Wahl des Bürgermeisters beteiligt.
Einwurf:
Schwere Aufgabe
Rene Verdaasdonk ist ein erfolgreicher Unternehmer. Aber obwohl er seit zehn Jahren in der Kommunalpolitik aktiv ist, hat er bisher nicht einsehen wollen, dass eine Gemeinde nicht wie ein Unternehmen geführt werden kann.
In einem Unternehmen gibt letztendlich der Chef die Richtung vor. In einer Demokratie muss ein Bürgermeister bei Entscheidungen viele Interessen berücksichtigen, viele haben mitzureden: Kreis, Land und Bund machen Vorgaben. Bürger stellen ganz andere Forderungen und haben ganz andere Rechte als die Mitarbeiter eines Unternehmens. Das muss Verdaasdonk zukünftig klar sein.
Ebenso muss ihm klar sein, dass er nicht der Bürgermeister der Iggelbacher, sondern der der gesamten Gemeinde Elmstein sein wird. Viele Iggelbacher haben hohe Erwartungen, weil nun erstmals einer aus ihrem Dorf Ortschef ist und nicht ein Elmsteiner. Verdaasdonk wird diese Erwartungen nicht alle erfüllen können.